Kalenderblatt dw.com
 
13.12.1920: Gründung der Firma Haribo
Audio
Wer es mit wenig Grundkapital zum Millionär bringen will, braucht vor allem Fleiß, einen starken Willen und Durchhaltevermögen. All diese Eigenschaften vereint Anfang des 20. Jahrhunderts auch der Bonbonkocher Hans Riegel aus Bonn in sich. Er hat zudem eine geniale Idee: Er will süße Fruchtgummi-Masse in Form eines kleinen Bären anbieten. Mit dem sogenannten Haribo-Goldbären wird Riegels Unternehmen weltberühmt.

Bettina Grosse de Cosnac, Journalistin und Autorin einer Biografie über die Riegel-Familie sagte: "Riegel war der Sohn einfacher Bauern und Handwerker und wollte sich sehr früh selbstständig machen - eben etwas ganz anderes werden als Handwerker oder Bauer. Er hatte den nötigen Biss, den Kopf voller Ideen und vor allen Dingen: Er konnte anpacken und seine Ideen auch in Taten umsetzen."

Pastillen und Bären

Eine kleine Hinterhof-Waschküche im Bonner Vorort Kessenich dient ihm als Fabrik. Hier entstehen die ersten, hauptsächlich pharmazeutischen Haribo-Artikel wie Veilchenpastillen, Nährkugeln und Salmiaktabletten. Doch schon bald reichen Hans Riegel diese Produkte nicht mehr, er will etwas Neues kreieren.

1922 kommt die Süßigkeit unter dem Namen "Tanzbär" auf den Markt. Petra Wrede, seit 1987 Chef-Produkt-Designerin bei Haribo erzählte: "Dieser Tanzbär – da sind ja die Gaukler mit durch die Gegend gezogen – das war dann ein großer dünner, hagerer Bär. Und in den 1930er-Jahren wurde daraus ein Teddybär, der dann kleiner und rundlicher wurde, auch an diesem Teddybären orientiert. Mit Zeiten des Wohlstandes wurden die Teddybären auch immer dicker und muckeliger und so auch der Goldbär."

Lakritze

Der Gummibär sorgt zwar für Aufsehen, aber ein richtiger Verkaufshit wird aus ihm vorerst nicht. Hans Riegel nimmt es gelassen und konzentriert sich auf die Herstellung von Pastillen und Bonbons aus Lakritze. Das Geschäft mit den Leckereien aus dem Süßwurzelextrakt boomt in den 1930er-Jahren.

Aus Haribo wird ein solides mittelständisches Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern. Doch mit dem Zweiten Weltkrieg und der in Deutschland herrschenden Rohstoffknappheit wird die Produktion stark zurückgefahren. Trotzdem kann Haribo weiterarbeiten. Das Unternehmen gilt als pharmazeutischer Betrieb, dazu Bettina Grosse de Cosnac: "Pharmazeutika waren kriegswichtige Produkte. Haribo stellte Haribo Lakritzpastillen her und Lakritze überhaupt. Warum war Lakritze kriegswichtig? Einfach weil die Soldaten viel Hunger litten und Lakritze ist nachweislich ein gutes Mittel, um den Hunger zu dämpfen und auch den Magen zu beruhigen."

Generationenwechsel

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges stirbt Hans Riegel im Alter von 52 Jahren. Die beiden Söhne Riegels übernehmen das Unternehmen: Paul und Hans Riegel junior. Während sich Paul ausschließlich der Produktion widmet, übernimmt Hans den kaufmännischen Bereich. Er kümmert sich um Marketing und Vertrieb, und repräsentiert als Mister Haribo das Unternehmen in der Öffentlichkeit.

Über die beiden Brüder sagte Bettina Grosse de Cosnac: "Die Brüder sind sehr unterschiedlich. Hans Riegel ist eher der Kommunikationsmensch, der Mann, der vorwärts strebt, Ideen hat, den Zeitgeist untersucht. Paul Riegel hingegen ist der Ruhigere, der Ingenieur. Die beiden arbeiteten zusammen wie eine Uhr: Paul war die Genauigkeit und Hans war die Unruhe: Derjenige, der die Uhr immer wieder antrieb, damit sie vorwärts ging."

Das deutsche Wirtschaftswunder bringt Haribo ganz nach oben. Auch die Riegelsöhne haben einen guten Riecher für das, was Kinder aber auch Erwachsene gerne naschen. 1960 erweitert Hans Riegel junior deshalb den seit den 1930er-Jahren verwendeten Werbeslogan "Haribo macht Kinder froh" um den Zusatz "und Erwachsne ebenso". Auch das damals noch neue Medium Fernsehen macht er sich zu Nutze: Seit 1962 strahlt Haribo Werbespots im Fernsehen aus.

Aber die Bären, die bleiben

Paul Riegel verfeinert das Rezept des Gummibären und verpasst ihm in den 1960er-Jahren einen neuen Look: Er wird kleiner, weicher, heißt fortan Goldbär und wird ein riesiger Erfolg. 2009 stirbt Paul Riegel im Alter von 82 Jahren. Allen seinen drei Söhnen hatte Paul den ersten Vornamen Hans gegeben, damit sie die Tradition von Hans Riegel Bonn fortsetzen können.

Lange Zeit gilt denn auch sein Sohn Hans-Jürgen als Kronprinz für die Gesamtleitung des Unternehmens. 2006 legt Hans-Jürgen jedoch alle Ämter im Unternehmen nieder. Offiziell heißt es, er ziehe sich aus privaten Gründen zurück. Tatsächlich zerwarf er sich jedoch wohl mit seinem Onkel Hans über die zukünftige strategische Ausrichtung von Haribo. Einer unter vielen Streitpunkten ist, ob Bonn Hauptsitz der Firma bleiben kann, da dieser Standort dem Unternehmen keinerlei Möglichkeit zur Expansion bietet.

So unklar die Zukunft der Unternehmensführung ist, die Form des Bären ist bis heute unverändert. Bis auf eine Kleinigkeit, die Haribo-Chef-Produkt-Designerin Petra Wrede selbst verbesserte: "An dieser Form habe ich in den 1990er-Jahren den Goldbären die Mundwinkel hochgezogen. Der Goldbär hatte sehr grimmig geschaut - und jetzt lächeln sie alle."



Autorin: Maria Hecht
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
Audio
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.
  > Heinrich Heine
> RSS Feed
  > Hilfe
Wer bekleidete als erste Frau das Amt der Bundestagspräsidentin?
  Jutta Limbach
  Annemarie Renger
  Rita Süssmuth
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße