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21.10.1680: La Comédie-Française
Schon beim Betreten bemerkt man: es handelt sich hier um mehr, als nur um ein Theater. Schwere Wandverzierungen in gold und rot versetzten den Besucher zurück in eine andere Zeit. Die Comédie-Française ist Theater und Museum in einem, eine Institution.

Ob Racine, Voltaire oder Hugo, allen herausragenden französischen Dramatikern wird hier regelmäßig die Ehre erwiesen. Doch einer ist die Symbolgestalt der Comédie-Française, ihre Geschichte gründet auf seinem Erfolg: Molière.

Molière und das "Illustre Théâtre"

Molière, geboren als Jean-Baptiste Poquelin in Paris, verkörpert bis heute den klassischen französischen Autor. Ihm zu Ehren wird die französische Sprache auch "la langue de Molière", die Sprache Molières, genannt. Und durch ihn wurde die Komödie eine der Tragödie gleichwertige Gattung.

Dabei hatte seine Karriere nicht unbedingt erfolgversprechend angefangen: Als junger Schauspieler musste er wegen Schulden ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung gründete er das "Illustre Théâtre", mit dem er 13 Jahre lang durch die Provinz zog. Seine ersten Versuche als Autor stammen aus dieser Zeit, als er sich, die Commedia dell’Arte zum Vorbild nehmend, zum Komödien-Schreiber entwickelte.

Wieder in Paris zurück kam Molière schnell in die Gunst des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Dieser ernannte das "Illustre Théâtre" zu seiner persönlichen Theatertruppe, der "Troupe du roi". Zu seinem Markenzeichen wurde die in Witze verpackte scharfe Kritik an den Lastern der Gesellschaft.

"La Maison de Molière"

Fast alle Werke Molières, wie "Don Juan" oder "Tartuffe" wurden zu großen Klassikern. Die Comédie-Française spielte sie bis heute mehr als 33.000 Mal, und hat den Spitznamen "La Maison de Molière", das "Haus Molières" – dabei war Molière nie selbst Teil von ihr.

Tatsächlich war die Geburtsstunde der Comédie-Française erst sieben Jahre nach dem Tod Molières. Am 21. Oktober 1680 beschloss Ludwig XIV. offiziell, alle Pariser Theatertruppen zu vereinen. Sie sollten das französisches Pendant zur italienischen Commedia dell’Arte bilden.

Schließlich war es Molière, der eine der Truppen gegründet, angeführt und zur erfolgreichsten Theatertruppe Frankreichs gemacht hatte. Durch ihn wurde das Fundament der heutigen Comédie-Française gelegt.

Von der Französische Revolution bis heute

Mehr als 100 Jahre sollte der Erfolg der privilegierten Truppe anhalten, bis zum Zeitpunkt der Französischen Revolution. Die Monarchie wurde abgeschafft, die Theatertruppe des Königs musste sich den Revolutionären stellen und 1792 wurde sie geschlossen.

Bezeichnenderweise war es Napoléon, der die Theatertruppe 1812 wieder zum Staatstheater machte, und sich selbst zum Schirmherrn. Die Truppe zog in das Theater im Palais Royal, dorthin, wo die Comédie-Française bis zum heutigen Tage bleiben sollte.

Bis heute ist die prestigeträchtige Comédie-Française das renommierteste Theater Frankreichs. Und noch immer genießt es Privilegien: Seit 1995 steht es unter Aufsicht des französischen Kulturministeriums und wird vom Staat mit bis zu 70 Prozent subventioniert.

Traditionell und modern zugleich

Die Comédie-Française hat aber auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Mit all den alten Kostümen und Perücken hat das Theater ein verstaubtes Image bekommen. Von dem innovativen Charme eines Molière, der zu seiner Zeit mit der Einführung von Ballett-Einlagen ganz à la mode war, war zeitweise nicht mehr viel zu spüren.

Aber der Wille zur Veränderungen ist zu sehen: Wo früher die Klassiker experimentellen Stücken vorgezogen wurden, wird vermehrt jungen, auch ausländischen Autoren Platz eingeräumt. So soll die Comédie-Française nicht nur traditionell, sondern gleichzeitig auch modern sein: Zeitlos eben, ganz so wie ihr berühmtes Idol.


Autorin: Maria Klanke
Redaktion: Stephanie A. Hiller
   
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