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10.7.1962: Fernsehen über Satellit
Während des Kalten Krieges war der "Sputnik-Schock" die Initial-Zündung für ein verstärkte Interesse der USA an der Luft- und Raumfahrttechnik. Nachdem die Sowjetunion 1957 den ersten Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen hatte, begannen die Vereinigten Staaten im darauffolgenden Jahr erste Versuche mit Nachrichten-Satelliten. Diese umrundeten auf kreisförmigen oder elliptischen Bahnen die Erdkugel und sollten dabei die Übertragung von Telekommunikations-Diensten wie Telefon sowie Hörfunk und Fernseh-Sendungen ermöglichen.

Der erste echte funktionstüchtige Satellit namens "Score" wurde dann im Dezember 1958 gestartet. Präsident Dwight D. Eisenhower richtete über ihn eine Weihnachtsbotschaft an die Welt. Es blieb ein kurzes Intermezzo des Satelliten: "Score" verglühte wegen seiner großen Außenfläche und niedrigen Flugbahn wenige Monate später nach nur 500 Erdumrundungen in der Atmosphäre.

Doch der Anfang war dank "Score" gemacht hin zu einer Welt ohne Kommunikations-Grenzen, in der Nachrichten und Bilder in Bruchteilen von Sekunden aus den entlegensten Winkeln der Erde auf die Mattscheibe in die Wohnzimmer kommen.

Zu Beginn war es übrigens nicht mehr als die kühne Idee eines phantasiebegabten Briten. Bereits im Oktober 1945 hatte der Mathematiker und Futurologe Arthur C. Clarke in der Fachzeitschrift "Wireless World" die theoretischen Grundlagen für ein weltumspannendes Kommunikations-Netz auf der Basis von Satelliten gelegt:

Clarke: "Der Weltraum kann als Raum für die weltweite Übertragung von Informationen genutzt werden. Dies geschieht mit Hilfe von drei Satelliten auf geostationären Orbit-Positionen über dem Äquator. Jede dieser künstlichen Relais-Stationen deckt ein Drittel der Erdoberfläche ab und versorgt im Verbund miteinander den ganzen Globus mit Telefonverbindungen und Rundfunk- sowie Fernseh-Signalen."

Am 10. Juli 1962 war es dann soweit. Von Cape Canaveral in Florida starteten die US-Amerikaner den ersten kommerziellen Nachrichten- und TV-Satelliten "Telstar I". Mit Hilfe dieses künstlichen, kugelförmigen Trabanten, der einen Durchmesser von 88 Zentimeter hatte und zur Energie-Versorgung mit 3600 Solarzellen bestückt war, gelang 13 Tage später die erste Live-Fernseh-Übertragung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.

"Telstar" inspirierte die Musik zu jener Zeit zu sphärischen Klängen aus einer grandiosen Zukunft. Der Satellit war der Prototyp eines heute weltumspannenden Netzes. An die 15.000 künstliche Trabanten sind nach Schätzungen seit den 60er Jahren auf eine Umlaufbahn geschossen worden, die meisten von ihnen wurden für militärische und wissenschaftliche Zwecke, etwa zur Wetter-Beobachtung genutzt - und eben als Nachrichten-Satelliten zur Fernseh-Übertragung.

Was im Sommer 1962 transkontinental über die Bildschirme flimmerte, war allerdings qualitativ noch Lichtjahre von dem heutigen Standard entfernt. Zudem blieb die Übertragung auf 30 Minuten begrenzt, da "Telstar" die Erde nur in geringer Höhe überqueren konnte.

Neben anderen europäischen Ländern beteiligte sich auch Deutschland mit einer Live-Einspielung an der ersten Übertragung via Satellit. Gezeigt wurde die Stahlproduktion im Hüttenwerk in Duisburg-Rheinhausen mit einem Hochofenabstich und Interviews mit Stahlarbeitern - aus heutiger Sicht in einer abenteuerlichen Übertragungs-Qualität.

Auch die Bilder aus Manhattan und von der Golden Gate Bridge in San Francisco ruckelten und zuckelten, aber sie vermittelten das faszinierende Gefühl, zeitgleich am Geschehen am anderen Ende der Welt teilhaben zu können.

Autor: Klaus Feldkeller
   
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