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18.7.1936: Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges
Bekanntmachung der spanischen Regierung, 1936: "Ein neuer bewusster Anschlag gegen die Republik hat stattgefunden. Die Regierung hat mit der Bekanntgabe dieser Ereignisse so lange gewartet, bis sie sich ein genaues Bild von dem, was geschehen ist, machen konnte. Die nötigen Gegenmaßnahmen sind eingeleitet worden. Ein Teil des Heeres, das Spanien in Marokko vertritt, hat sich gegen die Republik erhoben. Die Regierung gibt bekannt, dass diese Bewegung lediglich auf die Zone des Protektorats beschränkt geblieben ist und dass niemand, absolut niemand, auf der Halbinsel an diesem verrückten Komplott teilgenommen hat."

Diese Bekanntmachung der spanischen Regierung, abgedruckt in einigen großen Tageszeitungen vom 18. Juli 1936, war zum Zeitpunkt ihres Erscheinens bereits überholt. Zudem schien der linksrepublikanische Ministerpräsident Manuel Asana in Madrid von Anfang an nicht über das volle Maß des Komplotts informiert zu sein.

Denn am 18. Juli hatten die aufständischen Offiziere der spanischen Garnisonen in den nordafrikanischen Enklaven Ceuta und Melilla bereits dafür gesorgt, dass ihnen treu ergebene Einheiten, verstärkt durch marokkanische Legionäre, nach Sevilla gebracht worden waren. Dort wurden sie von sympathisierenden Generälen freudig in Empfang genommen.

Als sich die Mehrheit der sevillanischen Truppen spontan den Aufständischen anschloss, war die drittgrößte Stadt Spaniens nahezu kampflos in die Hände des Alzamiento, der Erhebung, gefallen. Dass es 1936 jedoch zu einem erbitterten und mehrere Jahre dauernden Bürgerkrieg kommen würde, damit hatten vor allem die Putschisten nicht gerechnet, denn die Mehrheit der gut ausgebildeten regulären Truppen waren von Anfang an an der Seite der aufständischen Nationalisten, während die Republikaner zunächst nur einige schlecht vorbereitete und katastrophal bewaffnete Milizen als Gegenmacht aufzuweisen hatten.

Doch in ganz Europa und sogar in Übersee meldeten sich Freiwillige, die bereit waren, die republikanische Sache mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.

Was aber trieb Tausende von Arbeitern, Studenten, Intellektuellen, darunter zahlreiche bekannte Schriftsteller, nach Spanien, um dort die gewählte Regierung gegen das nationalistische Militär zu verteidigen? Für die deutschen Interbrigardisten, Gewerkschaftler, Sozialdemokraten und Kommunisten sowie mit ihnen sympathisierende Intellektuelle beschreibt der Schriftsteller und spätere Professor für Germanistik, Alfred Kantorovicz, die Motivationen in seinem spanischen Kriegstagebuch.

Alfred Kantorovicz: "Für uns deutsche Antifaschisten liegt die Heimat gegenwärtig wirklich vor Madrid, wie es in dem Liede der internationalen Brigaden heißt. Wir haben auch darin keine Wahl, die uns Qualen machen könnte. Wir haben kein Zuhause, solange in unserem Lande der Mord, die Lüge, das Unrecht, die Gewalttat im Namen Hitlers herrschen. Sollen wir in die Immigration zurück? Ohne Papiere, gehetzt, hungernd, heimatlos, vogelfrei, zum schadenfrohen Gespött unserer Feinde und einer Last für unsere Freund? Auf uns wartet niemand, es seien denn Kerker und Konzentrationslager. Wehe uns, wenn wir aus Spanien als Besiegte fliehen müssen."

Rückblickend betrachtet kann überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass der spanische Bürgerkrieg zum Vorspiel, ja zum Auftakt des Zweiten Weltkrieges gehört. Spanien war spätestens seit dem Wahlsieg der Republikaner gegen die Monarchie und rechtskatholischen Ständestaatsideen zu einem Seismographen der weltpolitischen Antagonismen geworden.

Die anfangs heimliche, später offene Unterstützung der Nationalisten durch die Diktatoren Hitler und Mussolini wurde von den großen westlichen Demokratien England, Frankreich und den USA ohne Protest hingenommen. Eine Politik, die mit dem Münchener Abkommen 1938 und mit der Hinnahme der Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939 durch Hitlers Armee fortgesetzt wurde und schließlich in den deutschen Angriff auf Polen mündete.

Autoren: Norbert Ahrens und Ramon Garcia-Ziemsen
   
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