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3.8.1935: Großglockner-Hochalpenstraße eröffnet
"Diese Straße ist ein Beweis unseres Selbstbehauptungswillens und ein österreichisches Friedenswerk, das dazu beitragen soll, dass die Herzen der Völker im Norden und Süden Europas einander entgegenschlagen." Mit diesen Worten eröffnete 1935 Österreichs Bundespräsident Wilhelm Miklas feierlich die Großglockner Hochalpenstraße.

Es gab bereits den niedrigen, dafür wintersicheren Brennerpass in Tirol und 150 Kilometer weiter östlich die sehr steile und lawinengefährdete Straße über die Radstädter Tauern und den Katschberg. Nach dem Verlust Südtirols an Italien aber war Kärnten vom Inntal und den Verkehrswegen abgeschnitten. Pläne für eine Straße über das Glocknermassiv hatte es bereits 1895 gegeben, doch sollte der Bau erst 1929, ausgerechnet in der Weltwirtschaftskrise, möglich werden - nicht zuletzt, um den Baumarkt und vor allem den Arbeitsmarkt zu beleben.

Unter schwierigsten Bedingungen wurden mehr als 870.000 Kubikmeter Erde und Fels bewegt, 115.750 Kubikmeter Mauerwerk errichtet, über 22 Hektar Straßen- und Parkfläche angelegt, 67 Brücken mit Spannweiten bis zu 32 Metern gebaut und ein Straßentelefon mit zwei Dutzend Sprechstellen installiert.

Panorama-Straße

Der Architekt Franz Wallack erwies sich als naturverbundener Ingenieur, indem er die Straße und ihre insgesamt 38 Kehren hervorragend an die Formen der Landschaft anschmiegte. Es wurde nicht quer durch die Gegend gebaut, sondern durch jeden Graben durch, um jeden Buckel herum, so dass die Zerstörungen gering blieben - und das in einer Zeit, als das ökologische Bewusstsein noch nicht besonders ausgeprägt war.

Die Großglockner-Hochalpenstraße führt vorwiegend durch den Nationalpark Hohe Tauern, so dass sich jedes Jahr Millionen Menschen auch mit Hilfe von Schautafeln, Lehrpfaden und Informationszentren ein grandioses, ökologisch hochsensibles Naturschauspiel erschließt.

Diese vielleicht großartigste Panorama-Straße im Alpenraum führt von Bruck in der Nähe von Zell am See im Bundesland Salzburg nach Heiligenblut im Kärntner Mölltal. Sie ist knapp 48 Kilometer lang und, bis auf wenige Abschnitte, acht Meter breit. Die Steigung beträgt niemals mehr als zwölf Prozent.

Problemloses Fahren

Das Fahren ist also völlig problemlos, wenn auch leider nur von Mai bis November möglich, denn nach dem Winter sind fünf je 15 Tonnen schwere Rotationspflüge und eine 450 PS starke Schneefräse fast einen Monat lang rund um die Uhr mit der Räumung von etwa 800.000 Kubikmetern Schnee beschäftigt. Da kann es noch im Juli passieren, dass die Straße durch meterhohe Schneeschluchten führt.

Bis zum Fuscher Törl steigt die Straße kontinuierlich an. Eine 1,8 Kilometer lange, fünf Meter breite und 14 Prozent steile, kurvenreiche Aussichtsstraße zweigt auf die Edelweißspitze ab. Hier ist mit 2.571 Metern der höchste Punkt der gesamten Strecke erreicht; hier bietet sich ein herrlicher Rundblick auf 37 Dreitausender und 19 Gletscherfelder.

Auf der Hauptstrecke geht es zunächst bergab zur Fuscher Lake, dann bergan durch den 117 Meter langen Mittertörtunnel, vorbei an weiten Geröllfeldern hinauf zum 310 Meter langen Hochtortunnel - Wetterscheide und Grenze zwischen Salzburg und Kärnten.

Zum Großglockner

Vom Hochtor führt die Straße kurvenreich über Almböden bergab nach Guttal, wo eine weitere Abzweigung, die knapp neun Kilometer lange Gletscherstraße, zur Franz-Josefs-Höhe führt. Von dort hat man einen großartigen Blick auf Österreichs höchsten Berg, den 3.798 Meter hohen, vor 200 Jahren erstmals bestiegenen Großglockner. Aber auch auf die Pasterze, mit rund 20 Quadratkilometern Fläche, neun Kilometern Länge und einer Eisdicke von 250 Metern der größte Gletscher der Ostalpen.

Interessant und völlig neu (und erfolgreich) war die Finanzierung der Großglockner-Hochalpenstraße. Rund 26 Mio. Schilling wurden vom Bund und von den Bundesländern vorgestreckt und sollten durch Mauteinnahmen wieder hereingeholt werden. Waren 1935 knapp acht Schilling zu entrichten (soviel zahlte man damals auch für die Vollpension in einem Gasthof in Heiligenblut), so kostet die Benutzung heute mit einer Tageskarte 28 Euro.

Mit der Eröffnung der Großglockner-Hochalpenstraße im Jahre 1935 wurde eine Wende eingeleitet, die sich dann in den 1950er-und 1960er-Jahren vollzog: War noch die Aristokratie mit der Postkutsche zum Grandhotel gereist und später das gehobene Bürgertum mit der Eisenbahn zum Hotel gefahren, so fuhren fortan die Massen mit dem Auto zur Ferienwohnung.


Autor: Gerd Schmitz
   
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