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6.8.1945: Atombombe auf Hiroshima
6. August 1945. 8.09 Uhr. An Bord der fliegenden US-Festung B-29 mit dem Kosenamen "Enola Gay" erblicken der Oberst und Pilot Paul W. Tibbets und seine Crew die Silhouette der japanischen Stadt, die ihnen als Ziel Sondereinsatzes Nr. 19 benannt worden ist: Hiroshima.

"Spalten wir heute Atome?", hat Heckschütze Bob Caron Stunden zuvor Tibbets gefragt. "Jawohl!", war die Antwort. 8.15 Uhr ist es soweit: Der Bombenschacht öffnet sich, "Little Boy", die stumpfnasige, plumpe Geheimwaffe, schwebt an einem Fallschirm langsam herab.

Viele Einwohner der Stadt betrachten gelassen den heute offenbar harmlosen Bomber und den weißen Fallschirm, der sich deutlich vom strahlend blauen Sommerhimmel abhebt. 43 Sekunden später ein gleißender Lichtblitz, eine Druckwelle rüttelt die B-29 durch. Eine gigantische Rauchsäule schießt empor und formiert sich zum schaurig-schönen Atompilz. Über Hiroshima bricht das Inferno aus.

Jahre später noch versagt Überlebenden die Stimme bei der Schilderung ihrer Erlebnisse. Mit ihrer grausam entstellten Schwester Hisako auf dem Rücken schaffte es die damals 25-jährige Asae Miyakoshi bis zum Hijiyama-Park:

"Ich erblickte einen rotglühenden Straßenbahnwaggon, um ihn herum lagen lauter verbrannte Menschen. Drinnen war eine Frau, die um Hilfe schrie. Aber die Hitze war so stark, dass ich ihr nicht helfen konnte. Ich ergriff die Hand eines Mannes, der auf einer Türschwelle saß, um ihn wegzuziehen - doch seine Haut löste sich vom Fleisch, und er sank langsam zu Boden. Auf der Mauer, vor der er gesessen hatte, konnte ich die Konturen seines Körpers sehen."

Vier Tage später starb Asae Miyakoshis Schwester Hisako. Nie wieder gesehen hat Asae ihre fünf Kinder, den Großvater, ihre Schwester Michiko und ihren Neffen.

Drei Tage später der zweite Atombombeneinsatz - diesmal trifft es Nagasaki. In beiden Städten starben 110.000 bis 150.000 Menschen auf der Stelle. Fünf Jahre später waren weitere 170.000 bis 225.000 Strahlentote hinzugekommen. Wie viele Menschen insgesamt den beiden ersten Kernwaffeneinsätzen in der Geschichte der Menschheit zum Opfer gefallen sind, wird man nie erfahren.

Am 15. August kapitulierte Japan. Der Atomwaffeneinsatz hatte sein Ziel erreicht, aber war es wirklich notwendig, die neue Massenvernichtungswaffe über Städten, dazu noch militärisch völlig unbedeutenden Bevölkerungszentren, abzuwerfen? Schon vor Hiroshima hatten am Manhattan-Projekt beteiligte Wissenschaftler dafür plädiert, Japan durch die Detonation einer Atombombe vor der Bucht von Tokyo zu demonstrieren, dass der Krieg verloren sei.

Präsident Truman lehnte dies ab. Er und die Berater, auf die er hörte, handelten aus gleich zwei Motiven, wie Manfred Pohl, Professor für gegenwartsbezogene Japanforschung an der Universität Hamburg, darlegt:

Pohl: "Aus der damaligen historischen Situation war sicherlich für die amerikanische Führung der Einsatz dieser Waffe unvermeidlich, weil die amerikanische Führung Opfer der japanischen Propaganda geworden war. (...) Die Japaner hatten wissen lassen, dass sie die Hauptinseln des Kaiserreiches bis zum letzten verteidigen würden. Die Amerikaner hatten die Erfahrung der Eroberung von Okinawa, die mit enormen Verlusten Seiten der angreifenden Landungstruppen verbunden war. Man befürchtete mit Recht, dass auf den übrigen Inseln Japans ein ähnlich harter Widerstand angeboten würde - und deswegen schien ein gewaltiger Schlag der logische Schritt für die politische Führung in Washington zu sein. Aber man hatte natürlich auch einen weiteren Gegner im Auge: Der Gegner hieß Sowjetunion, denn natürlich war nach der Kapitulation Deutschlands immer deutlicher geworden, dass sich eine neue weltpolitische Konfrontation abzeichnete - und man wollte den Mächtigen in Moskau verdeutlichen, über was für eine fürchterliche Waffe man verfügte."

Hiroshima und Nagasaki: Diese Namen stehen für eine schreckliche Premiere, für eine monströse Grausamkeit. Doch die Atombombenabwürfe, darauf verweisen auch viele Strahlenopfer, standen am Ende des japanischen Eroberungskrieges in Asien mit einer ebenfalls erschreckenden Bilanz. Zwischen 1931 und 1945 fielen ihm mindestens zehn bis 15 Millionen Menschen zum Opfer.

Autor: Hans Jürgen Mayer
   
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