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8.8.1884: Revolution in der Fotografie: Der Rollfilm
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Ein Bild, eine Fotografie, das war auch im 19. Jahrhundert ein ganz besonderes Geschenk, denn dafür war ein enormer Aufwand notwendig. Mal eben einen Schnappschuss machen als Erinnerung an fröhliche Stunden, daran war gar nicht zu denken. Vor allem die langen Belichtungszeiten verhinderten spontane Aufnahmen. Und so schauen sie steif, streng und angestrengt, die Damen und Herren auf alten Fotografien.

Dabei ist für jede Aufnahme damals ein Fotograf regelrecht ins Schwitzen gekommen - zumal bevorzugte Motive nicht immer verkehrsgünstig gelegen waren. Berufsfotograf Wim Cox erinnert sich noch gut an die Mühe, die eine einzige Fotografie machte:

"Nun kam man meist an die Stelle gar nicht mit dem Auto heran, also schleppte man die ganze Ausrüstung dahin. Es gab einen Lederkoffer mit der Kamera und einem Teil der Platten, eine Kassette mit Platten und dann eine Tasche mit Objektiven. Denn man wählte einen Standpunkt und suchte dann das entsprechende Objektiv. Denn die Platten wurden nicht vergrößert, sondern es wurden Kontakte gemacht. Das wurde dann kopiert und nicht als Vergrößerung, sondern das war das Originalformat."

Wollte man Bilder in verschiedenen Größen machen, brauchte man verschieden große Kameras. Entwickelt wurde diese erste Fotografietechnik von dem Maler Louis Jacques Daguerre. Die Kunst, "mit Licht zu malen", hat ihn fasziniert. Zu seiner Zeit war Fotografieren allerdings nur etwas für Profis. Doch dies änderte sich im Jahr 1884.

George Eastman und sein Freund William Walker meldeten eine Erfindung zum Patent an: den Rollfilm. Mit einer Kassette konnte er an jeder Plattenkamera befestigt werden. Welche Bedeutung Eastmans Erfindung hatte, das beschreibt Karl Steinfort von der Deutschen Gesellschaft für Fotografie so:

Steinfort: "Der entscheidende Schritt war, dass er das, was jeder konnte, nämlich auf den Knopf zu drücken und auf das Motiv anzuvisieren, dass er das sozusagen demjenigen überließ, der fotografierte. Und die Ausarbeitung und das alles industriell im Labor machte. Man kaufte damals eine Kamera, in der eine Filmrolle mit 100 drin war. Wenn man die zu Ende fotografiert hatte, schickte man sie an den Entwicklungsservice von George Eastman und kriegte dann nach kurzer Zeit die 100 Bilder nach Hause geschickt. Und in der Kamera war dann wieder ein neuer Film geladen, so dass eigentlich jeder, der es sich leisten konnte, jetzt fotografieren konnte."

Der Vorläufer heutiger "Wegwerf-Kameras" war geboren. Eastmans Firma ist übrigens nach wie vor gut im Geschäft - ihr Name: Kodak. Doch mit dem Beginn der Hobbyfotografie ist die Plattenkamera nicht verschwunden. Berufsfotografen arbeiten bis heute mit ihr. Die Glasplatte wurde durch Fotopapier ersetzt, den sogenannte Planfilm. Für Großformate immer noch eine unschlagbare Technik: Belichtung und Schärfe können sehr viel genauer eingestellt werden, als bei der modernen Kleinbildkamera.

Aber auch als "Lehrmethode" schätzt Wim Cox die Fotografie mit Platte bis heute: "Ich habe immer davon gelernt, richtig einzustellen, formal richtige Fotos zu machen. Und immer, in dem Moment, wenn man anfängt, versuchen, keinen Fehler zu machen. Dann wird man sehr präzise, sehr genau. Und das hakt natürlich etwas an der Lebendigkeit der Aufnahme."

Schnappschüsse wird es mit der Plattenkamera nie geben. Ohne den Rollfilm, Autofokus und automatische Blendeinstellungen wäre Fotografieren daher nicht so weit verbreitet, wie es heute ist. Und der nächste Schritt ist nicht weit - schon jetzt bieten digitale Kameras in kleinen Bildformaten gute Auflösung und Farben. Außerdem kann mit ihnen auch der Laie seine Bilder selbst bearbeiteten.

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