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3.9.1926: Berliner Funkturm in Betrieb
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In Silbergrau am Tag und in einem warmen Gelb in der Nacht, so strahlt der Funkturm den Berlinern und ihren Besuchern entgegen, wenn sie sich über die Avus oder die Stadtautobahn dem Messegelände nähern.

Die Geschichte dieses Berliner Wahrzeichens begann an einem sonnigen Spätsommertag mit einer pompösen Einweihungsfeier für das mit 150 Metern damals höchste Bauwerk in Deutschland. Die Feier war zugleich die erste Übertragung in den Äther über den neuen Sender Lietzensee. Leider ist davon nichts mehr erhalten geblieben. Die Archivierung der Radiosendungen begann aus technischen Gründen erst drei Jahre später.

Übertragungen wie diese vom Sechstage-Rennen, von Konzerten und Reportagen belegen es: Über den Funkturm wurde der zunächst noch kleine Hörer-Kreis von Anfang an mit einem sehr breiten Angebot bedient. Wer einen Empfänger besaß, war auch damals schon bei allen wichtigen Ereignissen in der Stadt live dabei. So auch beim Trauerzug für den 1929 verstorbenen Reichsaußenminister Gustav Stresemann.

Reportage: "Die Spitze des Zuges, die langsam reitende Schutzpolizei, ist jetzt schon vor dem Balkon angelangt, auf dem unser Mikrofon steht. Sie hören jetzt sicher laut den Trauer-Choral."

Die Geschichte des Funkturmes ist so wechselvoll wie die der Stadt. Die Flammen des Großfeuers, das im August 1935 in einer Halle an seinem Fuß ausbrach, schlugen bis in 55 Meter Höhe und zerstörten Teile der Plattform mit dem Schwebenden Restaurant. Und im Krieg, so weiß Michael Hofer, Pressesprecher der Berliner Messe, da standen die Zeichen gar auf Abriss, nachdem die Standfestigkeit des Bauwerks arg bedroht war:

Hofer: "Er stand auf drei Beinen, weil ein Granatwerfer hat ihm ein Bein weggeschossen. Trotz dieser Dreibeinigkeit ist er stehen geblieben, also selbst auf drei Beinen ist er nicht umgefallen. Heute steht er wie eh und je fest verankert auf seinen KPM-Porzellanfüßen."

Die 600-Tonnen-Last des Stahlgitter-Turmes ruht in der Tat auf einer Art von Porzellantellern mit einem Durchmesser von nur 30 Zentimetern. Das Signet KPM belegt ihre edle Herkunft aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin.

Den Besuchern wird dieses Detail kaum auffallen. Sie sind erst einmal überrascht von der winzigen Fahrstuhlkabine, aber dann um so mehr beeindruckt von der Geschwindigkeit des Gefährts. Mit vier Metern pro Sekunde geht es hinauf zur Aussichtsplattform in 138 Metern Höhe.

Und schon während der Fahrt geben die Glaswände den eindrucksvollen Blick frei auf das Berliner Häusermeer und auf die silbrig schimmernden Seen im unendlichen Grün der Wälder.

Nach dem Schau-Erlebnis lädt das Restaurant zur Einkehr. Die Küche ist ausgezeichnet und das Interieur nahezu original aus den 20er Jahren, von der weißen Lammellendecke bis zu den Intarsien an Wänden und Theke aus wertvollen Hölzern und Perlmutt.

Rund 270.000 Besucher zieht es jährlich auf dem Turm. Obwohl es seit 1969 den 365 Meter hohen Fernsehturm am Alexanderplatz gibt, ist die Liebe der Berliner zum Funkturm ungebrochen.

Hofer:" Also wenn es um den Funkturm geht, ist die ganze Stadt, ist sozusagen das ganze Land - die Brandenburger gleichermaßen (...) aber auch die Touristen aus der ganzen Welt kümmern sich um den Turm, schalten die Medien ein, und das ist auch bei der Beleuchtung passiert. Aus Kostengründen sollte eigentlich die Beleuchtung nachts ausgeschaltet werden (zwischen 2.00 Uhr und 4.00 Uhr! d.A.), aber dann hat sich ein Sponsor gefunden, der dann dafür dieses Geld zur Verfügung gestellt hat, damit der Funkturm nachts auch leuchten kann. Und er strahlt wieder."

Als Funkturm im ursprünglichen Sinn hat er ausgedient, vom Funkverkehr für Polizei, Feuerwehr und Taxi einmal abgesehen. Aber als freundlich leuchtendes Wahrzeichen strahlt er - besonders nachts - dem Ankömmling schon von weitem entgegen und vermittelt so etwas wie eine Botschaft oder Gewissheit.

Hofer: "Man weiß, man ist, wenn man hierher kommt, wieder zu Hause. Wenn man von auswärts nach Berlin kommt, sieht man den Turm. Er strahlt, und man weiß, man ist wieder zu Hause."

Autor: Werner Herzog
   
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