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12.10.1492: Kolumbus erreicht Amerika
Aus dem Bordbuch des Christoph Kolumbus, Kapitän der Katholischen Könige Spaniens, Fernando und Isabel:
"Mittwoch, den 10. Oktober: Zu diesem Zeitpunkte beklagten sich meine Leute über die lange Reisedauer, die ihnen unerträglich zu sein schien. Ich wusste sie jedoch aufzumuntern, so gut ich eben konnte, und stellte ihnen den Verdienst, den sie sich auf diese Weise verschaffen konnten, in nahe Aussicht. Dem fügte ich hinzu, dass es zwecklos wäre, darüber in Streit zu geraten, da ich nun einmal entschlossen sei, nach Indien zu gelangen und die Reise solange fortzusetzen, bis ich mit Gottes Hilfe dahin gelangt sein werde."

Eine fixe Idee: Cristóbal Colón, so heißt der Genueser Kolumbus auf spanisch, will den Seeweg nach Indien finden, indem er die Schiffe westwärts segeln lässt. Das war im Grunde richtig, führte aber zu einem ganz anderen ungeplanten Ergebnis: Nicht Indien wurde entdeckt sondern Amerika.

Am Portugiesischen Hof war er verlacht worden, und auch das reiche Venedig wollte sich auf ein solches Abenteuer nicht einlassen. Erst die Spanier, die gerade die letzten Mauren von der Halbinsel verjagt hatten, liessen sich von Kolumbus überzeugen und statteten ihn mit drei Schiffen aus, mit der Nina, der Pinta und der Santa Maria.

"Donnerstag, den 4. Oktober: Ich rückte um 252 Seemeilen gegen Westen vor, in Nacht- und Tagfahrt; der Mannschaft gab ich nur 184 an. Mehr als vierzig Sturmvögel ließen sich als ganzer Schwarm auf Deck nieder, ebenso zwei Pelikane, von denen ein Schiffsjunge einen mit Steinen bewarf."

Die ersten Oktobertage an Deck: Erste Anzeichen, dass Land in der Nähe sein muss. Trotzdem gibt der Kapitän seiner Mannschaft gegenüber deutlich niedrigere Zahlen über die zurückgelegten Seemeilen an, um die nervös werdenden Seeleute zu beruhigen.

"Freitag, den 12. Oktober: Nach Sonnenuntergang kehrte ich wieder zur Westrichtung zurück. Wir kamen mit einer Stundengeschwindigkeit von 12 Seemeilen vorwärts und bis 2 Uhr morgens hatten wir 90 Seemeilen durchlaufen. Da die Karavelle Pinta schneller war als die anderen beiden Schiffe und mir vorgefahren war, so entdeckte man an Bord der Pinta zuerst das Land und gab auch die angeordneten Signale. Als erster erspähte dieses Land ein Matrose, der Rodrigo de Triana hieß, wiewohl ich um 10 Uhr nachts vom Aufbau des Hinterschiffes aus ein Licht bemerkt hatte."

"Als dann die ganze Mannschaft das "Salve Regina" betete, das alle Seeleute auf ihre Art und Weise zu singen pflegten, und dann schweigend verharrte, gab ich meinen Leuten den guten Rat, auf dem Vorschiff gute Wache zu halten und auf das Insichtkommen des Landes wohl achtzugeben. Derjenige unter ihnen, der als erster melden würde, Land zu sehen, bekäme sofort eine seidene Jacke zum Geschenk, ausser all den Belohnungen, die das Herrscherpaar versprochen hatte, nämlich die Auszahung eines lebenslänglichen Ruhegehaltes von 10.000 Maravedis."

Wir wissen nicht, ob Rodrigo de Triana alle versprochenen Belohnungen erhalten hat. Sicher jedoch ist, dass bis zum heutigen Tage in nahezu allen Hauptstädten Lateinamerikas mindestens eine Strasse oder ein Platz seinen Namen trägt.

"Um zwei Uhr morgens kam das Land in Sicht, von dem wir etwa acht Seemeilen entfernt waren. Wir holten alle Segel ein und fuhren nur mit einem Grossegel, ohne Nebensegel. Dann lagen wir bei und warteten bis zum Anbruch des Tages, der ein Freitag war, an welchem wir zu einer Insel gelangten, die in der Indianersprache "Guanahaní" hiess."

"Dort erblickten wir allsogleich nackte Eingeborene. Ich begab mich begleitet von Martín Alonso Pinzón und dessen Bruder Vicente Yanez, dem Kapitän der Pinta, an Bord eines mit Waffen versehenen Bootes an Land. Dort entfaltete ich die königliche Flagge, während die beiden Schiffskapitäne zwei Fahnen mit einem grünen Kreuz im Felde schwangen, das an Bord aller Schiffe geführt wurde."

Die Expansion des Königreiches Kastilien in der Neuen Welt hatte begonnen. Kolumbus selbst glaubte übrigens Zeit seines Lebens, dass er Indien und nicht Amerika entdeckt hatte. Aber das war noch der geringste Irrtum bei der Entdeckung, die eigentlich eine Eroberung war. Das Schwert und eingeschleppte Krankheiten töteten innerhalb von einigen Jahrzehnten Millionen von Menschen...

Autoren: Ramón García-Ziemsen und Norbert Ahrens
   
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