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17.10.1906: Erste Bildtelegrafie
Internet, E-Mail, die virtuelle Firma - täglich werden die neuesten Segnungen der Informationsgesellschaft in den Medien gepriesen. Vom Telefax, dieser altehrwürdigen Technologie, ist immer weniger die Rede: Ihre Anfänge reichen bis weit in das 19. Jahrhundert zurück, genauer: bis in das Jahr 1843.

Damals meldete der Schotte Alexander Bain seine Idee von einem "Kopiertelegraphen" als Patent an. Was ihm als Theorie vorschwebte, das setzte ein anderer in die Praxis um. 1848 baute der Engländer Frederick Collier Bakewell den ersten funktionierenden "Kopiertelegraphen".

Bakewell schrieb die Worte, die er übertragen wollte, auf eine Metallfolie und zwar mit einer Tinte, die Elektrizität nicht leitete. Die Metallfolie wickelte er um einen drehbaren Zylinder, der von einer Metallspitze abgetastet wurde. Traf die Metallspitze auf eine nicht-leitende Stelle, also auf die Schrift, wurde der Strom unterbrochen.

Von der Theorie zur Praxis

In einem baugleichen Empfänger wurde das Papier durch die elektrochemische Wirkung des Stromes unter der Metallspitze blau gefärbt, wenn Strom aus dem Sender ankam. Kam kein Strom an, blieb das Papier farblos. Auf diese Weise erhielt Bakewell eine weiße Schrift auf blauem Grund.

Als der Engländer seine Erfindung 1851 auf der Londoner Weltausstellung vorführte, war ihm die Bewunderung seiner Zeitgenossen gewiss. Sein "Kopiertelegraph" war ein Meilenstein in der Geschichte der Bildtelegraphie.

Genauso wie der 1866 vorgestellte "Pantelegraph": Das Gerät, das nach Plänen des italienischen Physikprofessors Giovanni Caselli gebaut wurde, war über zwei Meter hoch. Es übermittelte, wie heutige Geräte auch, identische Kopien von Schriftdokumenten oder Zeichnungen. Schon im ersten Jahr nach seiner Aufstellung sendete der "Pantelgraph" fast 5.000 Faxe zwischen Paris und Lyon. In seiner Funktionsweise ähnelte er dem "Kopiertelegraphen" Bakewells.

Long Distance in zwölf Minuten

Waren dies alles Vorstufen, so wurde das Faxen, wie wir es heute kennen, drei Jahrzehnte später entwickelt. Dabei hat sich ein deutscher Wissenschaftler besondere Verdienste erworben: der in Breslau geborene Mathematiker und Physiker Arthur Korn. Furore machte Korn am 17. Oktober 1906. Damals gelang ihm die telegrafische Übermittlung eines Porträts des Kronprinzen Wilhelm über eine Strecke von 1.800 Kilometern.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern arbeitete Korn mit so genannten lichtempfindlichen Selenzellen. Sie übernahmen die Funktion der Metallspitze beziehungsweise der Abtastnadel. Schon bald nach seinem ersten Erfolg übertrug Korn Fotografien von München nach Berlin, von Berlin nach Paris, von Paris nach London.

Ungefähr zwölf Minuten dauerte es, bis ein in Berlin abgeschicktes Foto in Paris ankam. Das ist mit heutigen Übertragungszeiten natürlich nicht zu vergleichen, aber dennoch stellte es einen riesigen Fortschritt dar.

Übertragung mit Bedeutung

Als erste Behörde machte sich die Polizei die von Korn perfektionierte Bildtelegraphie zu Nutze. Mit erfreulichen praktischen Resultaten, wie der Wissenschaftler in einem seiner vielen Bücher schrieb: "Ein erster Erfolg wurde schon im Jahre 1908 mit meinen ersten bildtelgraphischen Apparaten mit Hilfe eines Bildtelegramms Paris - London durch die Identifizierung eines Verbrechers in London erreicht."

Aber nicht nur bei der Polizei fand die Bildtelegraphie Verwendung, sondern auch in der Meteorologie, beim Militär und vor allem bei den Zeitungen. Wie Korn berichtet, war die französische Zeitschrift "L'Illustration" die erste, die die neuen Möglichkeiten nutzte. Schon ab Herbst 1907 übertrug das Blatt regelmäßig Bilder zwischen Berlin und Paris und zwischen Paris und London.

In einem 1923 veröffentlichten Buch erinnerte sich Arthur Korn: "Die Bedeutung der Bildtelegraphie für die Berichterstattung der illustrierten Presse wurde erkannt, und es interessierten sich bald auch verschiedene andere illustrierte Zeitungen für das Verfahren, so im besonderen der "Daily Mirror" in London, der in London und Manchester je eine bildtelegraphische Station errichtete. Fast jedes Morgenblatt brachte in der Folge ein telegraphisch übertragenes Bild." Zu den Pionieren bei der Nutzung der Bildtelegraphie gehörten ferner der "Berliner Lokal-Anzeiger", die Zeitung "Politiken" in Kopenhagen sowie die Zeitung "Dagens Nyheter" in Stockholm.


Autor: Ernst Meinhardt
Redaktion: Stephanie A. Hiller
 
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