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24.10.1648: Westfälischer Friede
"Der Westfälische Friede hat in unseren Schulbüchern keinen guten Ruf. Man braucht nur die buntgefleckte Landkarte Deutschlands von 1648 anzusehen, um die Ohnmacht des Reiches zu erkennen. Deutschland, vom langen Krieg verheert, schien als Staatswesen, schien als politische Kraft ausgelöscht zu sein."

Worte des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann 1973 anlässlich der 325. Wiederkehr der Verkündung des Westfälischen Friedens am 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück.

Begonnen hatte der 30-jährige Krieg am 23. Mai 1618 mit dem "Prager Fenstersturz". Böhmische Adlige werfen Abgesandte des katholischen Habsburger Königs Ferdinand II. aus dem Hradschin, weil die zuvor zugesagte Religionsfreiheit verweigert wird. Der Kaiser unterwirft die abtrünnigen Böhmen.

Im Laufe der Zeit treten Dänemark, Schweden und Frankreich in die Kriegshandlungen ein, niederländische, englische und spanische Söldner kämpfen auf verschiedenen Seiten. Aus dem Glaubenskrieg wird ein Machtkampf um die Vorherrschaft in Europa. Söldnertruppen verheeren weite Teile Mitteleuropas, rauben, morden, brennen nieder. Endlich wird allen Kriegsparteien klar: Niemand kann den Krieg gewinnen, alle sind des Leidens müde.

Der Bonner Historiker Günter Buchstab, wesentlich an der Herausgabe der Akten des Westfälischen Friedens beteiligt, bilanziert so: "Die Bevölkerungsverluste waren enorm. Man sagt - das war regional unterschiedlich -, dass ein Drittel der deutschen Bevölkerung umgekommen ist, zum Teil durch direkte Kriegseinwirkungen, zum Teil auch durch Seuchen und Hungersnot. Die wirtschaftlichen Verluste waren so stark, dass im Grunde genommen sich ganze Regionen bis zum Ausgang des Alten Reiches nicht mehr erholt haben."

1641 vereinbaren der Kaiser, Schweden und Frankreich, umfassende Friedensverhandlungen aufzunehmen - als Kongressorte werden das katholische Münster und das evangelische Osnabrück bestimmt. Ab 1643 ziehen rund 150 Delegationen in die beiden Städte ein.

In Münster setzen sich die katholischen Mächte an den Tisch, in Osnabrück die protestantischen. Die Verhandlungen beginnen 1644. Ihr Verlauf ist äußerst schwierig: Ständig eilen Kuriere zwischen den beiden Städten hin und her sowie nach Rom, Wien und den anderen Hauptstädten der Konferenzparteien, um dort Instruktionen einzuholen.

Professor Konrad Repgen, Vorsitzender der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte: "Das, was die Friedensmacher von Münster und Osnabrück verstanden haben - sie haben verstanden, enorm komplizierte Sachverhalte rechtlich so zu beschreiben und zu klären, die Lösungen so zu klären, dass aus dem Abschluss des Westfälischen Friedens, aus der Interpretation keine neue Krieg entstanden sind, etwa im Unterschied zu Versailles."

Vier Jahre später enden die Konferenzen mit drei Separatverträgen und der Verkündung des gesamten Friedensschlusses am 24. Oktober 1648.
Die wichtigsten Ergebnisse: Die niederländischen Generalstaaten und die Schweiz sind selbständig. Die Macht der habsburgischen Kaiser ist eingeschränkt, die der Fürsten und Reichsstände gestärkt. Das Reich bleibt föderal konstituiert. Katholiken und Protestanten sind gleichberechtigte Konfessionsgruppen.

Verbindlich wird der Bekenntnisstand vom 1. Januar 1624. Der Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens "cuius regio, eius religio" (Die Konfession des Landesherrn bestimmt die seiner Untertanen) gilt bei Glaubenswechsel eines Fürsten nicht mehr. Frankreich und Schweden übernehmen die Garantie über die Bestimmungen des Friedens.

Günter Buchstab: "Man muss sich ja immer vorstellen, dass diese Friedensordnung, die 1648 geschaffen worden ist, für 150 Jahre Rechtssicherheit in Mitteleuropa hergestellt hat. Die Konfessionsgrenzen, die 1648 festgelegt worden sind - das muss man sich vor Augen führen - sind eigentlich erst im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und im Gefolge der Vertreibung aufgelöst worden."

Der Westfälische Friede gab Europa eine neue Ordnung, wenngleich keinen dauerhaften Frieden. Immer neue Kriege überzogen den Kontinent, bis schließlich Napoleon das alte Reich stürzte. Aber erstmals hatten Unterhändler europäischer Mächte gemeinsam um einen europäischen Frieden gerungen und Kompromisse ausgehandelt. Es hatte nicht mehr das Recht des Siegers gegolten. Denn am Ende des 30-jährigen Krieges hatte es Sieger und Besiegte in Wahrheit nicht gegeben.

Autor: Karl-Heinz Lummerich
   
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