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28.10.1972: Airbus Probeflug
Toulouse, Südfrankreich: Bei klarer Sicht startet um 10.30 Uhr der Prototyp eines Airbus mit der Bezeichnung A-300-B-1 zu seinem Erstflug. Ein Flug mit vielen Premieren: In die Luft hatte sich das erste zweimotorige Großraumflugzeug der Welt für Kurz- und Mittelstrecken erhoben. Zum ersten Mal wagten es die Testpiloten, bei einem Premierenflug gleich den Autopiloten zu testen.

Nach einer Stunde und 23 Minuten landet die Maschine nach einem reibungslosen Flug trotz eines starken Seitenwindes wieder sicher in Toulouse. Dieser Flug ist ein Meilenstein in der Entwicklung einer eigenständigen europäischen Luftfahrtindustrie.

Als sich die Europäer damals anschicken, in den zivilen Flugzeugbau einzusteigen, da schlagen sich die Amerikaner vor Lachen auf die Schenkel. Denn sie beherrschen den Weltmarkt mit ihren Firmen Boeing, Douglas und Lockheed nach Belieben und teilen sich die fette Beute.

Doch verstummte das Lachen jenseits des großen Teichs. Denn Airbus: Das ist - trotz mancher Rückschläge - ein Erfolgsprojekt, und ein europäisches dazu. Schon Mitte der 1960er Jahre gibt es erste Gespräche zwischen deutschen und französischen Flugzeugbauern auf dem Aero-Salon in Le Bourget. Eine Arbeitsgemeinschaft Airbus wird kurz vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1965 gegründet.

Zwei Jahre später, am 26. September 1967, unterzeichnen die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens einen ersten Fertigungsvertrag, aus dem die Briten allerdings später wieder aussteigen. Deutsche und Franzosen treiben das Projekt weiter voran und so schlägt am 29. Mai des Jahres 1969 die eigentliche Geburtsstunde von Airbus.

Der deutsche Wirtschaftsminister Karl Schiller und Frankreichs Verkehrsminister Jean Chamant besiegeln in Paris ein Regierungsabkommen und geben damit grünes Licht für die Entwicklung und den Bau des Airbus A 300-B. Drei Jahre später bereits hebt der weiß lackierte Prototyp in Toulouse, dem Sitz von Airbus Industrie, ab. Die Erfolgsgeschichte kann beginnen.

Anfangs dümpelt der Auftragseingang noch dahin, aber 1978 gelingt der Durchbruch: Die Eastern Airlines bestellt 34 Maschinen vom Typ A-300. 1986 dann ist das Auftragsvolumen erstmals dreistellig - bei Airbus gehen 170 Bestellungen ein. Schnell wuchs der Kundenstamm auf 163 Fluggesellschaften an.

Die mehr als 2000 gefertigten Airbus-Maschinen haben bei 17 Millionen Flügen und 35 Millionen Flugstunden ihre Zuverlässigkeit längst unter Beweis gestellt. Und - so seltsam es klingen mag - technologisch gibt Airbus schon lange den Ton an: Das digital ausgelegte Zwei-Mann-Cockpit setzt genauso Maßstäbe wie die Tatsache, dass Piloten ohne Umschulung jeden Airbus-Typen fliegen können - bei Boeing funktioniert das nicht.

Die Produktion kann mit der Nachfrage kaum Schritt halten. Zeitweise müssen insgesamt 1400 Aufträge abgearbeitet werden - viel Arbeit für die 37.000 Beschäftigten in den Airbus-Partnerunternehmen. Der Weltmarktanteil liegt längst bei 40 Prozent und das Ziel ist klar: Dem Marktführer Boeing die Nummer eins abzujagen.

Doch um dieses Ziel zu erreichen, muss Airbus seine Strukturen ändern. Denn nach der Rechtsform ist man noch immer eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft zum Zwecke der Vermarktung. Dem Konsortium gehören die deutsche Daimler-Tochter DASA an, die französische Aerospatiale Matra, die spanische Casa und British Aerospace, dazu Staatsbeteiligungen der Regierungen in Paris und Madrid.

Über die Umwandlung in eine schlagkräftigere Kapitalgesellschaft wurde verhandelt.. Mit der Fusion von DASA und Aerospatiale zur European Aeronautic, Defense and Space Company EADS sind die Aussichten für einen weiteren Höhenflug deutlich besser geworden, weil die Strukturen einfacher und die Staatsbeteiligungen zurückgefahren oder ganz verkauft werden.


Autor: Henrik Böhme
   
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