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6.11.1971: Die erste Greenpeace-Aktion
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"Die französischen Marine-Soldaten sind in der Regel mit zwei bis drei Schlauchbooten hinter unseren Schlauchbooten hergefahren, bei Höchsttempo. Sie sind dann mit gezückten Messern in die Schlauchboote gefahren, nachdem sie die Schlauchboote gerammt haben. Sie haben sich reinfallen lassen in die Schlauchboote, nachdem sie die Boote gerammt haben, haben dann unsere Leute glücklicherweise nicht verletzt mit diesen Messern, sondern haben gleich Löcher in die Schlauchboote gestochen, damit sie absinken."

Claudia Sieg war im Oktober 1995 als Aktivistin beim Greenpeace-Einsatz gegen die französischen Atomversuche am pazifischen Mururoa-Atoll mit dabei. Eine der spektakulärsten Aktionen der internationalen Umweltschutzorganisation Greenpeace war damit gewaltsam beendet.

Der Protest gegen Atombomben-Tests war 24 Jahre zuvor, am 6. November 1971, auch der Auftakt der Greenpeace-Aktionen. Mit dem fast schrottreifen Fischkutter "Phyllis Cormack" war eine zwölfköpfige Crew in Richtung Aleuten aufgebrochen, um gegen einen geplanten Atombomben-Test zu protestieren.

Der Test konnte zwar nicht verhindert werden, löste in der Öffentlichkeit aber eine Welle der Empörung aus, die Demonstranten wurden mit Sympathieadressen überschüttet. Nur ein Jahr später machte sich der ehemalige Bauunternehmer David McTaggert mit seiner Yacht "Vega" auf nach Französisch-Polynesien. Der erste offizielle Greenpeace-Einsatz gegen die französischen Atomversuche auf dem Mururoa Atoll. Und auch der wurde von der französischen Marine gewaltsam beendet.

Aktionen gegen Atomtests standen am Anfang der Greenpeace-Arbeit. Der Kampf gegen die Ausrottung der Wale, der Schutz der Robben, die Verseuchung der Weltmeere, die Vernichtung der Regenwälder sind weitere Themen, derer sich die weltweit wachsende Umweltschutzorganisation in den Folgejahren annimmt. 1981 wird Greenpeace Deutschland gegründet. Erste Aktion: die Besetzung eines Schlotes der Chemiefirma Boehringer in Hamburg.

Von spektakulären Aktionen lebt Greenpeace, Aktionen, die die Öffentlichkeit wachrütteln und die Verantwortlichen zu Reaktionen zwingen.

"Die direkte Aktion ist für uns das wichtigste Mittel, weil wir da natürlich medienwirksam arbeiten können, das heißt, wir wie ja auch andere Organisationen benutzen ja die Medien, um eben Öffentlichkeitsarbeit leisten zu können, um auf die Probleme aufmerksam machen zu können. (...) Greenpeace kann nur stellvertretend für andere immer wieder unbequeme Themen anstoßen, immer wieder darauf aufmerksam machen, Druck ausüben, in der Hoffnung, dass die Verantwortlichen in einem Land das als Politik dann auch umsetzen," meint denn auch Susanne Kopte als Kampagnenleiterin im Hamburger Greenpeace-Büro.

Allerdings können solche direkten und medienwirksamen Aktionen auch lebensgefährlich werden. Am 10. Juli 1985 wurde das Greenpeace-Flaggschiff "Rainbow Warrior" vom französischen Geheimdienst im neuseeländischen Auckland versenkt, ein Mitarbeiter ertrank dabei in seiner Kabine.

Öffentlichkeitswirksame Aktionen aber sind nur ein Teil der Arbeit von Greenpeace, der andere ist die wissenschaftliche Information. Die Schiffe der Umweltorganisation sind vollgestopft mit modernster Labortechnik, zahlreiche Wissenschaftler sind mit der Untersuchung von Umweltgiften befasst, und auch in der Greenpeace-Zentrale in Hamburg fühlt man sich mancherorts wie im Chemielabor. Gehören also spektakuläre Aktionen eher der Vergangenheit an, richtet sich die künftige Arbeit von Greenpeace eher an wissenschaftlichen Studien aus?

"Nein," meint Harald Zindler, Gründungsmitglied von Greenpeace Deutschland, "Wir werden immer an den wunden Punkten, an den Problemen direkt arbeiten, und das heißt auch in direkter Konfrontation. Natürlich hat sich die Arbeit noch erheblich erweitert, das heißt wir machen sehr viel mehr noch Hintergrundarbeit, Recherchen, also auf dem Spektrum leisten wir sehr viel mehr, als wir früher von unseren Mitteln her konnten."

Greenpeace also stellt sich der Zukunft. Die Aktivisten unter den Farben des Regenbogens werden auch künftig mit ihren Aktionen für Unruhe sorgen und sich dabei an ihrem selbstgewählten indianischen Mythos orientieren:

"Es kommt eine Zeit, da fallen die Vögel von den Bäumen, die Flüsse sind vergiftet und die Wölfe sterben in den Wäldern. Dann aber werden die Regenbogenkrieger erscheinen, um die Welt zu retten."

Autor: Joachim Falkenhagen
   
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