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13.11.1994: Michael Schumacher: Formel-I-Weltmeister
1999 war nicht das Jahr des Michael Schumacher. Ein gebrochenes Bein warf den Ferrari-Star im Kampf um die Formel-I-Weltmeisterschaft aussichtslos zurück. Vielleicht tröstet ihn der Blick zurück: Fünf Jahre vorher, am 13. November 1994, wurde Schumacher erster deutscher Formel I Champion. Den Titel holte er sich im australischen Adelaide in der 36. von 81 Runden.

"In Adelaide führte paradoxerweise ein Fahrfehler Schumachers zum Titelgewinn. Als er nach einem Dreher auf die Strecke zurückkehrte, rammte ihn Hill. Aus für Schumacher im Reifenstapel; aber auch Aus für Hill mit Bruch der Vorderradaufhängung. Aber nach dem wie fragt morgen keiner mehr."

Durch die Karambolage gewann Schumacher den Titel mit einem Punkt Vorsprung vor seinem schärfsten Rivalen, dem Briten Damon Hill.

Schumachers Resumee: "Es war ein sehr anstrengendes Rennen, ein anstrengendes Rennen von der körperlichen Seite, aber auch von der psychischen Seite her. Damon war jemand, der mich sehr stark unter Druck gesetzt hat. Wir haben sehr stark miteinander gekämpft."

Fehler beim Rennen in Silverstone, als Schumacher die schwarze Flagge ignorierte und Manipulationen seines Benetton-Rennstalls, hatten für Spannung im Titelkampf gesorgt, gaben Hill bis Adelaide eine Chance. Dennoch war Schumacher ein würdiger Weltmeister als bester Fahrer einer allerdings extremen Saison:

"Wir haben zwei Rennfahrer verloren. Ich glaube, wir haben seit fast zehn Jahren das erste Mal wieder Unfälle mit Todesfolgen gehabt. Ayrton, Roland: das waren Situationen, die für mich speziell sehr schwer zu verkraften waren, zu überwinden waren, zu verstehen waren, da ich noch nie mit dem Tod konfrontiert worden bin."

Der Österreicher Roland Ratzenberger und Ayrton Senna hatten am gleichen Wochenende Anfang Mai 1994 in Imola den Tod gefunden. Schumacher widmete seinen Titel dem dreifachen Weltmeister aus Brasilien:

"Für mich war eigentlich immer klar, dass Ayrton derjenige ist, der die Weltmeisterschaft gewinnen wird. Er war der beste Fahrer, er hatte auch das beste Paket. Und für mich gab es keinen anderen, auch nach den ersten zwei Rennen, wo er die Ziellinie nicht geschafft hat, wo ich beides mal gewonnen habe. Mir war trotzdem klar, dass es noch spannender wird, dass er die Meisterschaft gewinnt. Deswegen möchte ich die Situation nutzen, um die Weltmeisterschaft, meine erste Weltmeisterschaft, Ayrton Senna zu widmen."

In Schumachers Heimatstadt Kerpen bei Köln verfolgten die Formel I Fans den Triumph des damals 25-jährigen live via Fernsehen: "4.30 Uhr: Die letzten Rennwagen in Adelaide fahren zur Aufstellung. In der Mensa des Gymnasiums von Kerpen toben mehr als 400 begeisterte Fans, vier Fernseher sind aufgestellt. Die Halle ist bis zum letzten Platz gefüllt. Damit hatten die städtischen Organisatoren nicht gerechnet. An jeder Ecke ein Kamerateam, aber nur während des Werbeblocks dürfen sie ihr Licht einschalten, um die hoffnungsvollen Gesichter der Kerpener abzufilmen."

Entsprechend groß war dann auch die Begeisterung in Kerpen, als Schumachers Erfolg endlich feststand: "Wir sind vom Michael-Schumacher-Fanclub in Steinstraße in über 80 Kilometer mit neun Personen mit dem Kleinbus hierhergefahren, um zu sehen, wie Michael Schumacher gewinnt. Es hat sich für uns gelohnt. Und weil wir aus dem Rheinland kommen, ist das für uns wie Weihnachten und Karneval zusammen."
"Das ist doch super. Als alteingesessene Kerpenerin ist das doch normal."
"Er hat das auf jeden Fall verdient, weil, gut, durch die schwarze Flagge, war ein Fehler, den er gemacht hat. Aber die ganzen Sachen, die danach gekommen sind, da haben sie ihm zu viele Punkte abgenommen."
"Ein Glücksgefühl, ich bin überglücklich, weil ich ihn mag, weil er natürlich ist. Und er ist immer noch so geblieben, wie er war, wie ich ihn kannte."

Das Fahrer-Einmaleins hatte Schumacher auf der väterlichen Kartbahn in Kerpen gelernt. Dorthin pilgerten die Fans nach dem Rennen in Adelaide: "Viele sind zur Kartbahn gefahren, wo Michael Schumacher als kleiner Junge die ersten Fahrversuche machte. Am Montag müssen alle wieder arbeiten. Viel Zeit, um das Schlafdefizit wettzumachen, bleibt da nicht. Aber was macht das schon. Kerpen hat doch jetzt einen Weltmeister. Was will man da mehr?"

Autor: Arnulf Boettcher
   
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