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17.11.1963: Hochtief-Auftrag / Abu Simbel
Ramses II. gilt als einer der wichtigsten sicher aber als der letzte große Pharao Ägyptens. Er herrschte von 1279 bis 1213 vor unserer Zeitrechnung und sein Reich erstreckte sich vom Mittelmeer bis nach Oberägypten, an den Oberlauf des Nil. Bis an die Grenze von Nubien.

Überall in seinem Reich ließ Ramses II. prachtvolle Tempel errichten. So auch hier: In Abu Simbel. Der große Tempel war dem Pharao selbst gewidmet, der kleinere seiner Lieblings-Königin Nefertari. Wegen ihrer abgeschiedenen Lage - keine 300 Kilometer zum Sudan entfernt und abseits aller Verkehrswege - blieben beide Bauwerke rund 3000 Jahre lang unbeachtet bis zu ihrer Wiederentdeckung im Jahre 1813, und auch dann wäre ihnen nur kurze Berühmtheit beschieden gewesen, denn 150 Jahre später drohten die Tempel in den Fluten des "Lake Nasser" zu versinken - eines Stausees, der durch den Bau des Assuan-Staudamms entstand und aus dem Ägypten und ein Teil des Sudan seitdem seine Süßwasser-Versorgung sicherstellen.

Der Assuan-Staudamm war zum Prestige-Projekt des damaligen Präsidenten Gamal Abdel Nasser und seiner sowjetischen Patronen geworden, und an die Rettung der beiden Tempel dachte man nicht. Dazu fehlte dem armen Land das Geld. So entfachte die UNESCO eine weltweite Kampagne, um die einzigartigen Tempelanlagen zu retten. Vorschläge aus aller Welt wurden eingereicht, geprüft und verworfen.

Am 17. November 1963 erhielt ein internationales Konsortium unter Führung der deutschen Firma "Hochtief" den Zuschlag. Als Student war der heutige Diplom-Ingenieur Hans-Michael Treiber mit von der Partie, um Vermessungsarbeiten in den Tempelanlagen durchzuführen:

"Am Anfang gab es natürlich mehrere Vorschläge. Man wollte eventuell die gesamte Anlage auf hydraulischen Pressen heben oder aber einen Fange-Damm davor bauen, der etwa 100 Meter hoch ist, um die Tempel an Ort und Stelle zu lassen. Aber Kostennachteile (und das Bauen eines Fange-Damms hat technische Nachteile) brachten die Gemeinschaft, die UNESCO, davon ab. Man verfolgte dann eben das Ziel, beide Tempel - der große von Ramses und der kleine von Nefertari - zu zersägen in einzelne Blöcke von bis zu 30 Tonnen Schwere, diese Blöcke zu transportieren auf den Berg und dort wieder zusammenzusetzen."

Fast fünf Jahre dauerten diese Arbeiten: Die Tempel waren mit mehreren reich verzierten Räumen rund 50 Meter in den Sandstein-Felsen am Westufer des Nil hineingebaut und zunächst mussten diese Felsen von oben abgetragen werden, bis man auch 80 Zentimeter oberhalb der Tempeldecke angelangt war. Diese musste dann vorsichtig in Einzelteile zersägt und abtransportiert werden, schließlich auch die Wände der Tempelräume und die 20 Meter hohen Statuen, die vor den Tempeln standen. Diese waren zunächst mit Sand zugeschüttet, um bei den Bauarbeiten keinen Schaden zu erleiden und langsam konnte man schließlich auch diese Statuen zersägen.

Diplom-Ingenieur Hans-Michael Treiber sagte: "Mit Trockensägen, denn man durfte kein Wasser an die empfindlichen Sandsteine bringen, sonst wäre er zerfallen. Und diese Kettensägen und die Mannschaften hat man aus Italien geholt, die in dieser Zeit auch viel Marmor abgebaut haben. Dieser Kettensägeneinsatz und dieser andere Sägen-Einsatz sind natürlich einmalig in der Zeit gewesen und haben eigentlich nichts mit den modernen Bauwerken, die wir heute bauen, zu tun. Insofern war das schon eine herausragende Geschichte (...)."

Die Vermesser hatten unter anderem die Aufgabe, bestehende Risse in der Struktur der Tempel festzuhalten, damit nicht neue Schäden durch die Arbeiten aufträten. Die ausgesägten Stücke wurden in ein Zwischenlager gebracht, bevor sie einige 100 Meter weiter oberhalb der alten Stelle wieder aufgebaut werden konnten.

Den Berg ersetzte man durch ein Stahlgerüst, das zugedeckt wurde und heute könnte man meinen, die Tempel und Statuen Ramses II und seiner Königin Nefertari hätten immer schon da gestanden. Dabei verdanken sie ihr Überleben der Entschlossenheit der UNESCO und dem Einfallsreichtum und Engagement von Firmen wie der Hochtief und Leuten wie Hans-Michael Treiber.

Autor: Peter Philipp
   
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