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27.12.1945: Gründung der Weltbank
Unterhalb des Mount Washington im US-amerikanischen Bundesstaat New Hampshire liegt neben einem Golfplatz das "Mount Washington Hotel". Ansonsten ist in dem Ort mit Namen Bretton Woods nicht viel los: eine Tankstelle, ein stillgelegter Bahnhof und ein Motel. Mehr nicht. Das war einmal ganz anders.

Am 30. Juni 1944, gerade waren alliierte Truppen in der Normandie gelandet, fuhren zwei Sonderzüge nach Bretton Woods - der eine aus Washington, der andere aus Atlantic City kommend. An Bord hatten sie zusammen 730 hochkarätige Wirtschafts- und Finanzwissenschaftler, Politiker und Regierungsbeamte aus 45 Staaten, darunter der auch heute noch jedem Volkswirt bekannte britische Nationalökonom John Maynard Keynes.

Der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt hatte das einsame Grandhotel ausgesucht und den Teilnehmern der Klausur auferlegt, für die Zeit nach dem Krieg eine neue Weltwirtschaftsordnung zu entwerfen. Nicht Keynes setzte sich mit einer Währungsunion der damaligen Industriestaaten durch, sondern das Ergebnis war, wie vom Unterstaatssekretär im US-amerikanischen Finanzministerium, Harry Dexter White, vorgeschlagen, die Gründung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Am 27. Dezember 1945 wurden die Gründungsurkunden unterzeichnet.

Zusammen mit ihren Tochterinstituten ist die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zum größten Finanzier von so genannten Entwicklungsländern geworden, und der Währungsfonds sorgt zwar weiterhin für die Stabilität der Wechselkurse und den Bestand von Währungsvereinbarungen, aber er ist darüber hinaus auch zur Armutsbekämpfung in der so genannten Dritten Welt verpflichtet.

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sagt: "Das ist aus meiner Sicht eine umwälzende Veränderung der Politik des Internationalen Währungsfonds und auch im Verhältnis zwischen Weltbank und Internationalem Währungsfonds - und ein Riesenfortschritt. Wir brauchen eine Allianz zur Armutsbekämpfung in der Welt."

Armutsbekämpfung in der so genannten Dritten Welt, Entwicklungshilfe also, das ist eigentlich die Kernaufgabe des Schwesterinstituts Weltbank. Über 20 Milliarden Dollar pro Jahr leiht sie an so genannte Dritte-Welt-Länder aus. Die ärmsten Länder erhalten vom Tochterinstitut IDA besonders langfristige Darlehen sogar zinslos. Dabei beschränkt die Weltbank sich nicht auf die Projektfinanzierung, sondern sie prüft auch die Entwicklungsorientierung der geplanten Maßnahmen.

Mit ihrem Treuhandfonds ist die Weltbank auch die Schaltstelle beim großen multilateralen Schuldenerlass für die ärmsten Länder, der auf deutsche Initiative im Frühjahr auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Köln 1999 in Gang gesetzt worden ist.

Deutschland ist bei den Bretton-Woods-Institutionen einer der größten Anteilseigner - nach den USA und fast gleichauf mit Japan. Auf den weiteren Plätzen folgen Großbritannien und Frankreich. Während die Weltbank sich im wesentlichen auf dem internationalen Kapitalmarkt refinanziert, lebt der Internationale Währungsfonds von Mitgliedsquoten, deren Höhe nach der Wirtschaftskraft und der außenwirtschaftlichen Verflechtung des betreffenden Landes bemessen wird. Die Zusammenarbeit im IWF zielt darauf, die Rahmenbedingungen für ein ausgewogenes Wachstum des Welthandels und der Weltwirtschaft zu sichern.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Überwindung und, wo erforderlich, auch die vorübergehende Finanzierung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte, die Sicherung geordneter Wechselkursbeziehungen und die Abstimmung der Wirtschaftspolitik zwischen den Mitgliedsländern. Im Krisenfall hat der Währungsfonds die Funktion der Feuerwehr. Das war bei der großen Schuldenkrise Anfang der 1980er Jahre so, die von Lateinamerika ausging, ebenso bei der Asienkrise. In Zukunft soll bei der Krisenprävention ein zusätzlicher Ansatz verfolgt werden.

Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel: "Insofern ändert sich der Blickpunkt, aber es bleibt eine Finanzinstitution. Und es wäre ganz schlimm, wenn das anders interpretiert würde. Da muss die Aufgabenverteilung zwischen IWF und Weltbank klar bleiben. Aber die Politik ändert sich."

Autor: Karl Zawadzky
   
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