Kalenderblatt dw.com
 
16.12.1967: DNS im Reagenzglas
Prof. Dr. Walter Dörfler war noch jung, als er in das Biochemie-Labor von Arthur Kornberg in Kalifornien kam. Von seinem ehemaligen Lehrer Arthur Kornberg spricht er mit Verehrung und Respekt: "Sie fragen nach seinen menschlichen Qualitäten, da würde ich sagen, Arthur Kornberg ist ein großartiger Mensch, sehr eindrucksvoller Lehrer, der gerade gegenüber jüngeren Kollegen, sehr fair und anregend gewesen ist. Der selbst von Wissenschaft überzeugt, begeistert, wenn nicht sogar besessen ist, wie wir alle irgendwo."

Umsetzung

Arthur Kornberg war der erste, der das kurz zuvor entschlüsselte genetische Alphabet umsetzte. Im Reagenzglas baute er aus den einzelnen chemischen Buchstaben ein funktionstüchtiges Virus zusammen. Nach der Vorlage einer einzigen Virus-Genkette.

Prof. Dr. Walter Dörfler dazu: "Damals ist es gelungen, mit Hilfe von Enzymen (...) diese Kette vollständig zu kopieren. (...) Das ist heute ganz einfach, aber damals war das eine große Leistung und das ist zum ersten Mal im Kornberg-Labor gelungen." Kornbergs Experiment versetzte damals die Wissenschaftler in helle Aufregung. Der Versuch bewies, wie einfach der Bauplan der Erbmoleküle war und wie leicht er nachgebaut werden kann.

"Man war sich schon klar, dass das große Anwendungen in der Medizin und Biotechnologie haben würde. Man hatte da schon erhebliche Hoffnungen. Zufällig habe ich mal gelesen eine Auseinandersetzung von Arthur Kornberg mit zwei Senatoren der Vereinten Staaten im Kongress, eine Anhörung über die mögliche Bedeutung und auch mögliche Gefahren der molekularen Biologie," Sagte Prof. Dr. Walter Dörfler.

Gentechnik mit Bedacht

Die Gentechnik schien den Forschern alles zu versprechen. Mit Gentechnik ließ sich vielleicht der Welthunger stillen oder Krebs und Immunkrankheiten heilen. Arthur Kornberg war einer der wenigen großen Wissenschaftler, die vor den Gefahren riskanter Versuche am Menschen warnte.

Dazu Prof. Dr. Walter Dörfler: " Arthur Kornberg ist ursprünglich als Arzt ausgebildet und hat natürlich immer daran gedacht, dass seine Ergebnisse angewandt werden könnten für die Medizin. Aber ich erinnere mehrere Gespräche mit ihm, in denen er gesagt hat, ich verstehe mal lieber ein Problem am Beispiel von Bakterien wirklich im Detail, bevor ich zu so komplizierten Systemen springe wie dem Menschen und da versuche, jetzt Krankheiten zu heilen."

Gerade daran arbeiteten einige Forscher wie besessen. Tatsächlich fanden sie bei mehreren Krankheiten heraus, wo der genetische Defekt genau sitzt. Doch die Gentherapie, die Reparatur des kranken Gens im Menschen, entpuppte sich als schwieriger als angenommen. Heilerfolge blieben aus. Im Sommer 1999 forderte die Gentherapie sogar ihr erstes Opfer: Jesse Gelsinger, einen jungen US-Amerikaner.

Darüber sagte Prof. Dr. Walter Dörfler: "Ich weiß sicher, dass es in Philadelphia einen Todesfall gegeben hat nach Anwendung eines gentechnisch veränderten, einen sogenannten Adenovirus, das man verwendet hat als Fährschiff für ein Gen, einem jungen Mann zuzuführen, der einen Wirkstoffdefekt hatte, einen Enzym (...) und aus bisher nicht bekannten Gründen ist dieser junge Mann, der war ja nur 18 Jahre alt, leider kurze Zeit nach der Eingabe dieses Virus gestorben. Es soll noch weitere Todesfälle geben, aber darüber ist nur so oberflächlich berichtet worden. Das Problem, an dem die Gentherapie bislang scheiterte, sind die Genfähren oder Gentaxis, die das gesunde Gen in den Körper schmuggeln. Meist sind es gezähmte Adenoviren, die normalerweise nur Erkältungskrankheiten auslösen. Warum sie den Tod des jungen Patienten auslösten, stellt die Forscher vor ein Rätsel. Und zeigt, dass unser Erbgut längst nicht alle Geheimnisse preis gegeben hat."


Autorin: Ulrike Hassink
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Das Drama einer Ehe, das ist nicht die ganz große Erschütterung - das sind die vielen kleinen Irritationen, die sich summieren.
  > Liv Ullmann
> RSS Feed
  > Hilfe
Durch die Zusammenarbeit mit welchem Regisseur wurde Liv Ullmann bekannt?
  Federico Fellini
  Francois Truffaut
  Ingmar Bergman
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße