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14.12.1945: Gründung der CDU
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"Die Idee der Union lag in der Luft", hatte Jakob Kaiser, einer der Berliner Mitgründer der Christlich-Demokratischen Union, in den Anfangsjahren der Partei einmal gesagt. Wie etliche andere CDU-Gründer auch, hatte Kaiser zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus gehört. Berlin und Köln waren damals die Brennpunkte der Parteigründung der CDU, die sich im übrigen - fast möchte man sagen "synchron" - an vielen Orten in Deutschland unter sehr ähnlichen Aspekten entwickelte.

Die Berliner hatten allerdings nicht nur um ein Konzept für die neue Partei zu kämpfen. Sehr bald stellte sich heraus, dass sie mit ihren Ideen auch einen Abwehrkampf gegen totalitäre Herrschaftsansprüche der sowjetischen Besatzungsmacht führen mussten. Deshalb bekannte Jakob Kaiser in einer der frühen Versammlungen der CDU in Berlin unter anderem: "Der Schlüssel zum Herzen des deutschen Volkes ist die Achtung vor der Freiheit unseres Volkes, vor seinem echten Einheits- und seinem echten Selbständigkeitswillen. Wir meinen, diesen Schlüssel müsste sich Russland zu besorgen vermögen. Man sollte meinen, meine Freunde, Russland könne den Ruf nach Freiheit und Frieden, der durch Deutschland und durch die ganze Welt geht, nicht überhören."

Eine beide Konfessionen umfassende Union

Auch heute noch sehen viele Berliner CDU-Mitglieder ihre Stadt als die eigentliche Wiege der Union an. Denn damals hatten die Sowjets in der Hoffnung auf Infiltrationsmöglichkeiten in den Westen als erste Besatzungsmacht die Gründung von Parteien - so auch die der CDU - zugelassen. An der Spitze dieser Berliner CDU stand Andreas Hermes, vormals Mitglied des Preußischen Landtages, des Reichstages und Reichsminister in mehreren Kabinetten der Weimarer Republik. Hermes hatte sich dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen und - so berichtete er selbst später einmal: "(…) wurde dann zwei Tage nach dem Attentat (...) verhaftet, wurde nach Ravensbrück gebracht und am 11. Januar 1945 von Freisler zum Tode verurteilt." Dem entrann er glücklicherweise durch den raschen Einmarsch der Russen.

Das "Wunder der CDU", wie der erste Parteihistoriker Leo Schwering den erstaunlichen Nachkriegsaufstieg der neuen Partei bezeichnete, geschah unter Umständen, die die Vorstellungskraft der Nachgeborenen übersteigt. Aber - so Schwering: "Die gemeinsam erduldete Not drängte zusammen und beseitigte Hindernisse spielend, die man für unüberwindbar gehalten hatte."

Schwering bezog sich damit in erster Linie auf konfessionelle Gegensätze zwischen Katholiken und Protestanten. Politisch manifestierten sich diese Gegensätze in der rein katholischen Zentrumspartei, die 1870 unter Bismarck gegründet worden war. Die CDU-Gründer der Nachkriegszeit sahen diese Zentrumspartei allerdings in einem Ghetto und betrieben - letztendlich erfolgreich - deren Auflösung zugunsten der beide Konfessionen umfassenden Union.

Konrad Adenauer, erster Vorsitzender der CDU

Andreas Hermes organisierte schließlich auch das große sogenannte "Reichstreffen", das am 14. Dezember 1945 in Bad Godesberg begann. Dieses Treffen bedeutete - so Hermes - "in der Koordinierung aller Bestrebungen der christlich demokratischen Bewegung" einen entscheidenden Schritt vorwärts.

Zu den Kernproblemen der Abgrenzung der CDU gegenüber den damaligen Sozialdemokraten zählte das Thema "Sozialisierung". Sie wurde "auch von vielen achtbaren Anhängern der CDU" - wie Konrad Adenauer im Rückblick formulierte - befürwortet. Aber - so Adenauer, der der erste Vorsitzende der CDU wurde: "Sie wussten nicht, sie machten sich nicht klar, dass doch gerade die Allmacht des Staates - und wenn der Staat die Wirtschaft in der Hand hat, dann ist er noch mächtiger als er vorher war - dass diese Allmacht des Staates es doch gewesen ist, die die Nationalsozialisten mit dieser Verblendung und dieser Torheit und dieser Nichtachtung alles Menschlichen erfüllte. Ich sage ihnen ganz offen und frei: mit je weniger Recht ein Staat auskommt, desto besser ist er und sind seine Bewohner."


Autor: Otto Busch
   
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