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9.1.1960: Baubeginn des Assuan-Staudamms
Es war die Zeit des Kalten Krieges und auch im Nahen Osten zog dieser seine Fronten: Ägypten unter seinem legendären Führer Gamal Abd el Nasser gehörte zwar offiziell zu den "Blockfreien", es war aber de facto eng mit der Sowjetunion liiert. Moskau sah deswegen eine ideale Gelegenheit, sich als Freund und Verbündeter für die gesamte arabische Welt anzubieten, als Nasser um Hilfe bei einem Mammut-Projekt bat, das sein Land voranbringen sollte: Dem Bau eines gigantischen Nil-Staudammes bei Assuan in Oberägypten, dessen Kosten auf eine Milliarde Dollar veranschlagt waren, und von dem man sich eine spürbare Verbesserung der Infrastruktur des Landes versprach. Die Arbeiten begannen am 9. Januar 1960 und sollten zehn Jahre dauern.

Ein fruchtbares grünes Band

Mit 6.650 Kilometer Länge ist der Nil der Welt größter Strom. Er bedeckt ein Zehntel der Gesamtfläche Afrikas, wie er aus seinen ostafrikanischen Quellflüssen immer mächtiger wird, und bis er sich im Norden Ägyptens mit 3.100 Kubikmeter pro Sekunde ins Mittelmeer entleert.

Seit Menschengedenken sind seine Wasser Lebens-, weil Nahrungsspender der Völker im Osten und Nordosten des Schwarzen Kontinents, seine Fluten aber brachten auch immer wieder Tod und Verderben. Denn der Pegel des Nil ändert sich regelmäßig: Von Mai bis August steigt der Wasserstand in der Folge der Regenzeit in der Region - besonders in Äthiopien, von wo vier Fünftel des Nilwassers kommen - dann sinkt er wieder ab, bis er in den ersten fünf Monaten des Jahres sein niedrigstes Niveau erreicht.

Vom Flugzeug kann man die Bedeutung des Nils am besten abschätzen: Umgeben von endlosen Wüsten zieht er sich wie ein fruchtbares grünes Band durch diesen Teil Afrikas. Am Oberlauf noch schmal, dann immer breiter, bis er im Norden das 20 Kilometer breite Delta bildet, dessen reiche Plantagen Ägyptens rasch anwachsende Bevölkerung ernähren. Der Nil ist nicht nur die "Kornkammer" Ägyptens, sondern auch sein wichtigster Transportweg, und entlang des Stromes konzentrierte sich über mehr als fünf Jahrtausende hinweg die reiche Zivilisation dieser Region.

Ein Damm und Bewässerungskanäle

Mit wachsender Bevölkerung begann man schon früh, sich um Möglichkeiten zu bemühen, die Vorteile des Nils besser zu nutzen und seine Nachteile zu reduzieren: So errichtete man bereits im 19. Jahrhundert mehrere Stromsperren am Oberlauf des Nils und übergab im Jahre 1902 den ersten Damm seiner Bestimmung.

Mit dem Damm sollten die bis dato unkontrollierten saisonalen Fluten des Nils unter Kontrolle gebracht werden, denn diese verhinderten eine kontinuierliche Bebauung und optimale landwirtschaftliche Nutzung des Uferstreifens wie auch seine Besiedlung und den Schutz der dortigen Bevölkerung vor unvorsehbaren Fluten. Vor allem aber: Statt ein paar Monate lang alles zu überfluten und dann wieder zu wenig Wasser herzugeben, sollte der Nil eine regelmäßige Landwirtschaft ermöglichen. Zu diesem Zwecke dienten auch Bewässerungskanäle, die es in der Geschichte bereits gegeben hatte und die mit dem Bau des ersten Dammes wieder eingeführt wurden.

Ein gigantisches Projekt

Die endgültige Kontrolle über die Wassermengen des Nil aber sollte Ägypten mit Hilfe des neuen Assuan-Staudammes erlangen: In zehnjähriger Bauzeit entstand dieses Bauwerk an einer Stelle, wo der Fluss etwa einen halben Kilometer breit ist und von hohen Granit-Steilwänden begrenzt wird.

Durch den Bau des 111 Meter hohen und an seinem Kamm fast vier Kilometer breiten Dammes entstand ein knapp 500 Kilometer langer und 169 Milliarden Kubikmeter fassender Stausee - der "Lake Nasser" - zu zwei Dritteln in Ägypten und zu einem Drittel im Sudan. Fast 100.000 Einwohner der Region - in Ägypten wie im Sudan - mussten umgesiedelt werden, vor allem aber: Mit Hilfe der UNESCO mussten die historischen Tempelanlagen von Abu Simbel verlegt werden, um nicht in den Fluten des Stausees zu versinken.

Am Assuan-Staudamm erzeugen zwar gigantische Turbinen mit einer Kapazität von über 2000 Megawatt mehr Strom als die Region nötig hat. So gigantisch das Projekt selbst auch war: Es sollte sich herausstellen, dass der Effekt des Assuan-Staudamms nicht nur so war und ist, wie geplant: So werden frühere Farmböden nicht mehr von den Ablagerungen der natürlichen Nilfluten erreicht und müssen mit teurem Dünger aufbereitet werden.

   
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