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29.1.1892: Ernst Lubitsch geboren
Als die Filmwelt 1947 auf dem Studiogelände der 20th Century-Fox Abschied vom Filmregisseur Ernst Lubitsch nahm, soll sich zwischen seinen beiden Regiekollegen Billy Wilder und William Wyler folgender Dialog abgespielt haben. Zunächst Billy Wilder, einer der größten Bewunderer des deutschen Regisseurs: "Kein Lubitsch mehr". Darauf die Antwort William Wylers: "Schlimmer - keine Lubitsch-Filme mehr!" Das drückt aus, auf welche Bewunderung Ernst Lubitsch bei Kollegen und Fachleuten in der Filmwelt stieß.

Ein Berliner in Hollywood

Lubitsch konnte sich nicht über Zuspruch und Anerkennung beklagen, er war schon zu Lebzeiten eine Legende, galt als unumstrittener Meister der eleganten und intelligenten Filminszenierung.

Der 1892 in Berlin geborene Deutsche hatte sich schnell in der Filmindustrie an der US-amerikanischen Westküste, in Hollywood etabliert. Lubitsch war überhaupt einer der ersten Europäer, die in Hollywood Fuß fassten - lange vor dem einsetzenden Strom der Künstler, die vor den Nationalsozialisten flüchten mussten.

Lubitsch vergaß trotz langer und erfolgreicher Karriere in Hollywood aber nie seine Wurzeln, später erinnerte er sich: "Ich bin ein echter Berliner. Ich war gerade sechs Jahre alt, als ich zum ersten Mal den Wunsch äußerte, Schauspieler zu werden. Damals war mein Vater aber anderer Meinung - ich sollte zunächst zur Schule gehen und dann Kaufmann werden. Als ich älter war, stellte mein Vater zur Genugtuung fest, dass ich ein ganz brauchbarer Bursche geworden sei. So nahm er mich, drei Jahre nachdem ich die Schule verlassen hatte, als Buchhalter in sein Konfektionsgeschäft auf. Obwohl ich nun einen sogenannten bürgerlichen Beruf ergriffen hatte, gab ich meinen Traum von einer glanzvollen Bühnenlaufbahn doch nicht ganz auf. Ich führte eine zeitlang ein Doppelleben, bei Tage war ich Buchhalter, nachts Schauspieler."

Mythen des Kinos

Zunächst als Darsteller auf der Bühne, dann auch vor den Kameras: Lubitsch hatte schnell Erfolg. Einer der Gründe dafür, war wohl auch gerade in dieser doppelten Erfahrung begründet. Lubitsch kannte sich aus im Milieu der kleinen Leute, strebte aber nach Höherem. Das sollte ihn schließlich nach Hollywood bringen, dort zählte der Schein immer schon mehr als die Wirklichkeit.

Das Handwerk lernte Lubitsch aber noch in Deutschland, wo er einige bemerkenswerte Stumm-Filme schuf: "Carmen", "Die Austerprinzessin" oder "Madame Dubarry". Weltberühmt wurde Lubitsch in den Vereinigten Staaten: "Angel" mit Marlene Dietrich, "Blaubarts achte Frau" mit Claudette Colbert und Gary Cooper oder "Rendezvous nach Ladenschluss" mit James Stewart. Lubitsch arbeitete mit den großen Stars zusammen und schuf Mythen des Kinos. Greta Garbo spielte in seiner "Ninotschka" eine ihrer legendären Rollen.

Der "Lubitsch-Touch"

Der "Lubitsch-Touch" wurde berühmt, Definitionen, was genau dieser "Lubitsch-Touch" ist, gibt es viele. Eine treffende lieferte einmal der US-Regisseur Peter Bogdanovich: "Wesentlich war seine geradezu wunderbare Fähigkeit, zu spotten und zu preisen, und zwar gleichzeitig und mit solcher Perfektion, dass man nie wirklich sagen kann, wo die Satire endet und die Glorifizierung beginnt."

Doch trotz Ruhm und Erfolg war Lubitsch kein Sonnyboy des Kinos. Lubitsch war Jude und diese Erfahrung wurde vor allem in seinem Spätwerk sichtbar: In dem meisterlichen "To Be or Not To Be" führte er anarchistischen, jüdischen Humor und beißende Zeitkritik auf unnachahmliche Weise zusammen. Eine Komödie über die Nationalsozialisten, das ging eigentlich gar nicht. Lubitsch schaffte es doch. Es war seiner einzigartigen Begabung für Zwischentöne zu verdanken, dass "To Be or Not To Be" einer der bittersten und trotzdem unterhaltsamsten Filme zum Thema Nationalsozialismus wurde.


Autor: Jochen Kürten
   
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