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11.2.1990: Nelson Mandela frei
"I wish to put it plainly that the government has taken a firm decision to release Mr Mandela unconditionally. I'm serious about bringing this matter to finality without delay." Als Friedrich Wilhelm De Klerk, der damalige südafrikanische Regierungschef am 2 Februar 1990 die Freilassung von Nelson Mandela ankündigte, war klar: Südafrika steht an einem historischen Wendepunkt. Denn Nelson Mandela ist die Symbolfigur der schwarzen Bevölkerung im Kampf gegen das rassistische System der Apartheid. Seit über 27 Jahren in Haft ist Mandela zu dieser Zeit der wohl berühmteste Gefangene der Welt.

Gegen Apartheid

Schon als Student hatte der aus adeligen Verhältnissen stammende Mandela sich politisch engagiert und war in den ANC, den African National Congress eingetreten. Der ANC setzte sich für die Verbesserung der Rechtsstellung und Lebensverhältnisse der Schwarzen Mehrheit in Südafrika ein, lange Zeit allein durch Bittschriften oder persönliche Vorsprachen bei Politikern später auch mit Streiks und Demonstrationen.

1952 eröffnete Mandela das erste schwarze Anwaltsbüro in Johannesburg, ein aufsehenerregendes Unterfangen in einem Land, das zur selben Zeit durch das System der Apartheid die Bürgerrechte der schwarzen Bevölkerung in allen Lebensbereichen immer stärker beschnitt.

Eskalation und Haft

1960 eskaliert die innenpolitische Situation, als die Polizei bei einer großen Demonstration in Sharpeville das Feuer auf die Menschenmenge eröffnet, 69 Tote und mehrere 100 Verwundete bleiben zurück. Die Regierung verhängt den Ausnahmezustand, und verhaftet zahlreiche Aktivisten - unter ihnen auch Nelson Mandela. Der ANC und andere kritische Vereine und Parteien werden verboten. Im folgenden Jahr taucht Mandela ab und beginnt eine bewaffnete Widerstandsgruppe aufzubauen, die mit Sabotageakten auf Strom- und Telefonleitungen Aufsehen erregt.

1962 wird Mandela festgenommen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt - ungeachtet weltweiter Proteste und eines Aufrufs des Weltsicherheitsrates, den Angeklagten zu amnestieren.

Nun beginnt für Mandela die lange Zeit der Haft, zunächst 18 Jahre auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island, dann noch fast zehn Jahre in Pollsmoor nahe Kapstadt. Insgesamt 27 Jahre, in denen Mandela immer mehr zur Symbolfigur wird, 27 Jahre, in denen der Widerstand der Schwarzen stärker und gewalttätiger wird, 27 Jahre, in denen die internationale Gemeinschaft durch Boykotts und Sanktionen den Druck auf die südafrikanische Regierung erhöht.

Freiheit

Mitte der 1980er-Jahre kommt dann Bewegung in die festgefahrenen Fronten, erste vorsichtige Kontakte zwischen der Regierung und Mandela und anderen Repräsentanten des ANC werden geknüpft. Aber erst mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelm De Klerks 1989 wird es konkret. De Klerk hat erkannt, dass Reformen unumgänglich sind, soll das Land nicht in Bürgerkrieg und Chaos versinken.

Im Februar 1990 ist es dann soweit: Das Verbot des ANC wird aufgehoben, einige Apartheidgesetze abgeschafft, und Nelson Mandela wird nach 27 Jahren aus der Haft entlassen.

Doch auch nach der Freilassung Mandelas stehen Südafrika noch einige wirre Jahre bevor, Jahre, in denen die Regierung versucht, die weiße Vorherrschaft zu retten, die schwarzen Gruppen gegeneinander auszuspielen, bis dann 1994 die erste freie Wahl in Südafrika stattfindet. Der ANC gewinnt rund 60 Prozent der Stimmen, Nelson Mandela wird Präsident und Regierungschef Südafrikas.



Autorin: Rachel Gessat
   
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