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12.2.1884: Füllfederhalter patentiert
Angefangen hat alles mit einem ärgerlichen Zwischenfall. Der Legende nach entging dem US-amerikanischen Versicherungsagenten Lewis Edson Waterman ein Geschäftsabschluss, weil ein Tintenmalheur das Dokument zerstörte. Der Kunde wollte gerade seinen Namen unter die Versicherungspolice setzen, da ergoss sich ein Schwall dunkler Tinte auf das Vertragspapier.

Weil sich die Ausfertigung einer neuen Urkunde hinzog, verließ der Mann das Büro des Versicherungsmaklers wieder und unterschrieb bei der Konkurrenz. Das entgangene Geschäft machte Waterman zu einem reichen Mann: Noch am selben Abend begann er an einem kleckssicheren Schreibgerät zu tüfteln.

Ein Füller - oder doch besser ein Kuli?

Am 12. Februar 1884 meldete er seinen Füller zum Patent an. Watermans technischer Kniff bestand darin, dass er in das Verbindungsstück zwischen Feder und Tintenreservoir feine Kanäle bohrte, die nur soviel Tinte in die Feder dringen lassen, wie zum Schreiben benötigt wird. Im Gegenzug steigt durch die Kapillarkanäle Luft in den Tintenbehälter und verhindert so ein Vakuum. 1885 kam seine Erfindung auf den Markt und eroberte die Herzen der schreibenden Zunft im Nu.

"Welch nützliches Gerät", lobte Sherlock-Holmes-Autor Arthur Conan Doyle . Und auch Thomas Mann begann "einen dieser sinnreichen Tintenspender" zu benutzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg eroberten Kugelschreiber und Filzstifte die Jackentaschen und Schreibtische. Als "olle Krickelfeder" veralberte der deutsche Schriftsteller Arno Schmidt den Füllfederhalter in den 1960er-Jahren und befand: "So'n Kuli ist doch viel praktischer."

Renaissance des Füllfederhalters

Anfang des 21. Jahrhunderts dagegen erlebt der Füllfederhalter eine Renaissance - und mittlerweile haben mehrere Auktionshäuser Füller in ihr Versteigerungsprogramm aufgenommen, in Paris wurde ein Füllfeder-Museum eröffnet, das internationale Treffen der Füllfederhaltersammler ist immer gut besucht.

Die Schreibwarenfirmen füllen ihre Kassen mit Massenware und mit Nachbildungen von Klassikern. Um das Revival noch anzuheizen, greifen die Hersteller zunehmend auf den bewährten Trick mit der limitierten Auflage zurück. Um hohe Preise zu erzielen, legt Montblanc 4.810 Exemplare - die Höhe des Namenspatrons in Metern - auf. Und keinen einzigen mehr.



Autorin: Gerda Gericke
   
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