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18.2.1911: Die erste Luftpost
"Wie nach der heiligen Sage die Kunde von der Wiederversöhnung des Weltenschöpfers durch die geflügelte Botin dem Menschen zukam, so wird das Luftmeer dereinst seine unermesslichen Bahnen öffnen und unsern Nachkommen den ungehemmten Austausch ihrer Nachrichten gestatten. (....) im Gebiete der Luftschifffahrt beginnen Keime sich zu entwickeln, die uns die Einrichtung einer regelrechten Ballonpost nicht mehr als etwas durchaus Unmögliches erscheinen lassen."

Derart gewagte Zukunftsvisionen sind nachzulesen in dem "Buch von der Weltpost", erschienen 1894 in Berlin. Dass bereits 15 Jahre später, am 18. Februar 1911 die erste Luftpost an Bord eines Flugzeuges befördert wurde, wäre damals dann sicher doch noch als "durchaus Unmögliches" abgetan worden.

Als die Briefe fliegen lernten: Die neue Ära in der Geschichte der Post begann in Indien, als der Franzose Henri Pecquet mit seinem Doppeldecker von Allahabad über den Ganges ins acht Kilometer entfernte Naini flog. Seine Fracht: 6000 Briefe und Postkarten. Bereits 1912 wurden in Deutschland die ersten Postsendungen durch die Luft befördert: Der Frankfurter Flugpionier August Euler brachte in genau 14 Minuten eine Ladung von 100.000 Postkarten von Frankfurt ins 27 Kilometer entfernte Darmstadt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erlitt die deutsche Luftfahrt, durch die Auflagen des Versailler Vertrages, zunächst einen herben Rückschlag. Doch bereits 1919, aus Anlass und für die Dauer der Nationalversammlung in Weimar, wurde eine Luftpostverbindung nach Berlin eingerichtet. Der Eisenbahnerstreik im November desselben Jahres machte die Bedeutung der Luftpost erst richtig deutlich.

1924 wurden die ersten Nachtflüge nach Stockholm und Kopenhagen aufgenommen. 1934 wurde ein regelmäßiger 14-tägiger Luftpostverkehr nach Rio de Janeiro und Buenos Aires eröffnet. 1938 beförderte jeder Südamerikaflug der Lufthansa, durchschnittlich 410 Kilogramm Post, fünf Tage dauerte die Reise.

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte zunächst der gesamte deutsche Luftpostverkehr, im Verlaufe des Krieges wurden einige Verbindungen zur Feldpostversorgung wieder aufgenommen. Nach der Kapitulation dauert es bis zum 29. August 1946, bis die erste Luftpost aus dem Ausland in Frankfurt eintrifft. Aber erst 1955 übernimmt die neu gegründete Lufthansa den Transport der Luftpost im Inland und ins Ausland für die deutsche Post. Nacht für Nacht werden inzwischen in Deutschland rund 300 Tonnen Post durch die Luft transportiert, das entspricht ungefähr 12 Millionen Briefsendungen. Die Post garantiert auf allen innerdeutschen Luftpoststrecken die Zulieferung am nächsten Tag.

Doch auch dieser Rekord ist längst gebrochen: Fax und E-Mail ermöglichen heute die fast sofortige Verbindung.

Und dennoch, es ist immer noch ein besonderes Erlebnis, wenn zwischen all den unpersönlichen Rechnungen, Behördenmitteilungen, Werbebriefen und Mahnungen, die uns täglich ins Haus flattern, der blaurot gestreifte Rand eines Luftpostumschlages hervorschaut, im glücklichsten Fall sogar noch mit exotischen Briefmarken beklebt.

Autorin: Mirjam Gehrke
   
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