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21.2.1965: Malcolm X erschossen
Malcolm Little kommt am 19. Mai 1925 als Sohn eines schwarzen Baptistenpfarrers zur Welt. Er ist noch Kind, da wird der Vater von Weißen umgebracht, vermutlich Mitglieder des Kuklux-Clan. Die Mutter landet kurz darauf in der Nervenheilanstalt, Malcolm und seine sieben Geschwister kommen in Heime beziehungsweise zu Pflegeeltern.

Seine Karriere im Land der Weißen scheint programmiert: Gelegenheitsjobs, Kleinkriminalität, Gefängnis. Hinter Gittern dann geschieht es, Saulus wird zum Paulus: Malcolm Little stößt auf die Lehren von Elijah Muhammad, dem Oberhaupt der "Nation of Islam". Er studiert den Koran und andere philosophische Schriften und wird nach seiner Entlassung 1952 ein charismatischer Führer und Anwalt der Bewegung. Seinen Sklavennamen "Little" legt er ab und nennt sich fortan X.

Dr. Olaf Berggötz: "Ich glaube, wen er am meisten liebte, das sind die Leute, für die er heute am attraktivsten ist, das sind diese jungen Schwarzen, so wie er es war mit 20, 25, diese jungen schwarzen Männer vor allen Dingen mit ihren Aggressionen, die eben körperlich, wie auch geistig fühlen: 'Wir haben keine Chancen, wir sind unterdrückt'. Und die eben nicht zufrieden damit sind, dass sich in 20, 30 Jahren vielleicht einmal etwas ein wenig ändert, sondern die eben da raus wollen."

Malcolm X: "We have a common enemy, we have this in common. We have a common oppressor, a common exploiter and a common discriminator; so when we realize that we all have this common enemy, then we unite on the basis of what we have in common. And what we have foremost in common is that enemy: the white man. He's an enemy to all of us. - Wir haben einen gemeinsamen Feind, einen gemeinsamen Unterdrücker und Ausbeuter. Wenn uns das klar wird, können wir eine Einheit werden ... Was wir gemeinsam haben ist dieser Feind. Der weiße Mann ist unser aller Feind."

Elijah Muhammed versteht sich als von Gott auserwählt, die Schwarzen in Nordamerika zu einen und vom Joch der Weißen zu befreien. Malcolm X wird sein erfolgreichster Missionar, seine Moschee in Harlem ein Zentrum der Bewegung.

Während Martin Luther King sich dem gewaltlosen Widerstand verpflichtet fühlt und eine Veränderung der Verhältnisse durch den Staat erhofft, ist für Malcolm X mit Protestmärschen nach Washington und dem Singen von "We shall overcome" die Lage der Schwarzen nicht zu verbessern. Er reklamiert wirtschaftliche Unabhängigkeit und einen autonomen Staat für die Schwarzen. Malcolm X wird Symbol für die über Jahrhunderte unterdrückte Wut im Bauch.

Malcolm X: "Uncle Sam is so crooked, that he hasn't even implemented the decision of the highest courty heads. So since you and I can't get justice from Uncle Sam and his court, let's take Uncle Sam before the world court. - … Wenn wir von Onkel Sam keine Rechte zugestanden bekommen, lasst uns Onkel Sam vor den Gerichtshof der Weltöffentlichkeit ziehen."

Dann, langsam, vollzieht sich Malcolm X Bruch mit der "Nation of Islam". Deren pauschale Verurteilung aller Weißen als Teufel und Selbstverständnis als apolitische und rein religiöse Bewegung mag er nicht mehr nachvollziehen. Viele Motive kommen schließlich zusammen und lassen ihn 1964 seine eigene Bewegung gründen.

Dr. Olaf Berggötz: "Die zwei Hauptgründe liegen relativ auf der Hand. Der eine ist offensichtlich: Es kam damals heraus, dass der Gründer der 'Nation of Islam', Muhammad, zwei illegale Kinder hatte, und das was gepredigt wurde ging mit der Realität nicht zusammen. Malcolm X persönlich, so radikal er predigte, als Familienvater später dann nach seinem Wandel, hat eben sehr darauf geachtet auf eheliche Treue, also sehr konservative familiäre Werte. Das ist sicher der eine Grund. Und der zweite: Er begann den Führer an Popularität zu überflügeln."

Am 21. Februar 1965 wird er während einer Rede in Harlem von 13 Schüssen tödlich getroffen. Ob Elijah Muhammad Drahtzieher des Attentats war, konnte nie bewiesen werden. Malcolm X wurde nur 39 Jahre alt - und hat gleichwohl Nordamerika entscheidend verändert: Er gab dem radikalen Flügel der Schwarzen über seinen Tod hinaus eine Führerfigur und hat in diesem Sinn vielleicht rückblickend einen größeren Einfluss auf die Geschicke der Schwarzen gehabt als Martin Luther King. Sind es doch nicht nur rebellische Jugendliche, die sich auch heute noch ihn zum Vorbild nehmen.

Dr. Olaf Berggötz: "Es beruft sich auch jemand auf ihn wie Clarence Thomas, seit 1991 schwarzer Richter am Supreme Court, der einzige Schwarze momentan, ein sehr konservativer Schwarzer, und so jemand beruft sich auf Malcolm X genauso wie sich heute in Gettos Rap-Gruppen beispielsweise auf ihn berufen. Also diese Breite gibt es nicht bei Martin Luther King."

Autorin: Carola Hoßfeld

   
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