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1.3.1988: NRW gibt Methadon aus
Ein neuer Therapieweg - Methadon als Ersatzdroge für schwerst Heroinabhängige. Methadon ist ein künstliches Opiat, das bereits in den 1940er Jahren in Deutschland entwickelt worden ist. Grundsätzlich wirkt das Medikament kaum euphorisierend, und stillt bei stark Abhängigen den Drogenhunger für ungefähr 24 Stunden. Ziel der Substitutionsbehandlung mit Methadon ist es, den Süchtigen ein normales Leben zu ermöglichen. Direkt damit verbunden ist das Ziel der Eindämmung der Beschaffungskriminalität und der Prostitution.

Zum ersten Mal wurde Methadon bereits 1964 bei der Behandlung von Morphiumsüchtigen angewandt. Heute sind Methadonprogramme in den USA, der Schweiz, in Deutschland und Italien, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden fester Bestandteil der Drogenpolitik. Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Dr. Hans Jürgen Thomas zieht nach zehn Jahren eine positive Bilanz:

"Nach unserer Auffassung ist das ein segensreiches Programm, das viele Schwierigkeiten, gerade im Bereich der Suchtbekämpfung vorbeugen hilft, wo letztendlich auch viele Schicksale gemildert werden, Menschen wieder eingegliedert werden in das tägliche Leben. Ich denke, das war eine sehr erfolgreiche Geschichte. Man muss sie unbedingt fortführen. In Deutschland sind derzeit etwa 150.000 Menschen von harten Drogen wie Heroin, Kokain oder Amphetamin abhängig, Tendenz steigend. Doch nicht alle Suchtkranken kommen für eine Methadon-Therapie in Frage. Zum jetzigen Zeitpunkt müssen neben der Sucht noch eine zusätzliche gravierende Erkrankung vorliegen, Infektion, HIV, solche Geschichten. Es gibt da so einen ganzen Katalog der dort aufgestellt worden ist. Nicht allein Drogenabhängigkeit ist der Maßstab der eigentlich sein sollte, sondern es müssen noch weitere schwere Erkrankungen dazukommen."

Inzwischen ist allerdings eine breite Diskussion zwischen Ärzten, Krankenkassen, den Bundesländern und Drogenhilfeeinrichtungen entbrannt. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen neue Richtlinien zur Vergabe von Methadon vorgelegt. Die deutsche Aidshilfe sieht darin eine massive Einschränkung des bisher in der Substitutions-Therapie Erreichten, da zum Beispiel die Kostenzusage der Krankenkassen für die Behandlung in Zukunft auf ein Jahr beschränkt werden soll. Ein Unsicherheitsfaktor für die Betroffenen.

Finanziert werden die Behandlungen nach Einzelfallprüfung durch eine Kommission von den Krankenkassen. Dazu Dr. Hans Jürgen Thomas: "Die Kosten sind natürlich enorm. Und die Kosten, die durch diese Substitution entstehen, müssten, da sie bis jetzt nicht in den allgemeinen Budgets vorhanden waren, zusätzlich in die Budgets hineinkommen. Das heißt also, es müsste von den Krankenversicherungen das zusätzlich bezahlt werden. Ansonsten ist ein solches Programm nicht weiter durchführbar."

Die Methadontherapie kann der Anfang zu einer gelungenen Resozialisierung sein, da zunächst einmal die von den Betroffenen gefürchteten Entzugserscheinungen wegfallen. Nach einer Phase der Stabilisierung erfolgt dann, im Idealfall, der Weg aus der Abhängigkeit, begleitet von intensiver psychosozialer Betreuung.

Auf der anderen Seite fehlen weiterhin Kontrollmöglichkeiten, um zu verhindern dass sich ein Suchtkranker die Ersatzdroge gleich von mehreren Ärzten verschreiben lässt. Auf diese Weise ist fatalerweise ein regelrechter Schwarzmarkt für Methadon entstanden. Als Folge dessen sind allein in Hamburg 1998 mehr Menschen an Methadon als durch Heroinkonsum gestorben.

Methadon kann als langfristige Überlebenshilfe eine Chance für stark suchtkranke Patienten darstellen, aber angesichts von Missbrauch, illegalem Handel und bürokratischen Hürden sind Verbesserungen des Modells dringend erforderlich.

Dr. Hans Jürgen Thomas: "Meines Erachtens müssten noch stärker die psychologische und psychotherapeutische Betreuung in der Vordergrund geschoben werden, die letztendlich hilft, die Substitution insgesamt abzubauen."

Autorin: Mirjam Gehrke
   
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