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6.3.1992: Computervirus "Michelangelo"
Der italienische Künstler Michelangelo konnte noch nicht einmal ahnen, dass es eines Tages Computer geben, erst recht nicht, dass sein Name dafür herhalten würde, die erste wirklich ernsthafte Gefährdung von Computern weltweit zu kennzeichnen: Ein Computervirus, der am 6. März aktiv wurde und dessen Aufgabe es war, den Datenbestand des jeweiligen Computers zu zerstören - und weil der 6. März Michelangelos Geburtstag ist, wurde der Virus nach dem Künstler benannt.

Der erste Hinweis auf die Existenz des Virus fand sich am 4. Februar 1991 bei einem australischen Computerhändler in Melbourne: Nach der Installation eines Programms fand er plötzlich eine Vielzahl seltsamer Zeichen auf dem Monitor. Er ließ das näher untersuchen und man fand heraus, dass er sich unwissentlich einen Virus ins System geladen hatte, dessen Aufgabe es war, am 6. März aktiv zu werden und die Festplatte zu überschreiben.

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wer diesen Virus geschrieben hatte: Im Gegensatz zu natürlichen Viren handelt es sich bei Computer-Viren um Programme, die von Menschen geschrieben werden und deren Zweck es zumindest ist, die Anwender von Computern zu verwirren oder aber Schaden an Computern, Programmen oder Daten zu verursachen.

Man nimmt an, dass der Michelangelo-Virus in Taiwan geschrieben wurde, dies konnte aber nie eindeutig nachgewiesen werden. Was aber nachgewiesen wurde, ist die Funktionsweise des Virus: Er zerstörte den Boot-Sektor von Disketten und dies wiederum führte daraufhin zur Überschreibung und Vernichtung von Dateien auf der Diskette und auf der Festplatte des Computers, auf den man ein Programm von dieser Diskette lud.

Weil diese Gefahr rechtzeitig erkannt wurde, blieb "Michelangelo" im Jahr seiner Entdeckung 1991 ohne erkennbare Folgen. Im Laufe der Zeit aber wurde die Entdeckung über die Grenzen Australiens hinaus und schließlich weltweit publiziert. Bei Untersuchungen in Europa fand man heraus, dass der Virus vor allem über Treiber-Disketten für Computer Hardware aus Ostasien verbreitet wurde, und es machte sich Hysterie unter Computerbesitzern und -betreibern breit, je näher der 6. März 1992 rückte.

Obwohl PCs damals noch bei weitem nicht so stark verbreitet waren wie heute, war der Ansturm auf Viren-Such- und Viren-Schutz-Programme groß. Computerläden boten solche Programme kostenlos an, ebenso diverse Hochschulen. Allein die Universität Hamburg zählte in den letzten Wochen und Tagen vor dem 6. März 1992 über 20.000 Anfragen nach solchen Hilfsprogrammen.

Bis zum kritischen Tag wurden in der Bundesrepublik allein 1.300 von "Michelangelo" befallene Computer gefunden, Experten sind aber der Meinung, dass die wirkliche Zahl infizierter Geräte zehnmal so hoch war. Niemand weiß, wie viele PCs weltweit betroffen waren. Bei rund 1.500 Computern in Deutschland ist bekannt, dass der Virus zu völligem Datenverlust führte.

"Michelangelo" war nicht der erste Computervirus, er war aber der erste, der einer breiten Öffentlichkeit bewusst machte, welche Gefahren solche Viren bergen. Seitdem ist eine Anti-Viren-Industrie entstanden und nicht selten wird vermutet, dass Viren-Programme von Leuten geschrieben und verbreitet werden, die danach dann auch das passende Anti-Viren-Programm schreiben und verkaufen.

Der Virus "Michelangelo" ist längst verschwunden. Nicht nur, weil geeignete Vorbeuge- und Rettungsmaßnahmen entwickelt wurden, sondern auch, weil er sich fast ausschließlich über die alten 5,25 Zoll-Disketten verbreitete, die heute niemand mehr benutzt.

Das Unwesen der Computerviren aber hat nicht ab-, sondern drastisch zugenommen: Die tückischen Programme werden heute auch nicht mehr in erster Linie über infizierte Disketten verbreitet, sondern über das Internet. Sie dienen weiterhin einfach der Verwirrung des PC-Nutzers oder seiner Schädigung. Bis hin zum Eindringen und der Übernahme der Kontrolle über fremde Computer.

Autor: Peter Philipp
   
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