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13.3.1931: Erste wiederverwendbare Feststoffrakete
"Flugrakete, Reichspatentamt Nummer 509115".
Das Patent gehört Reinhold Tiling, Ingenieur und Erfinder, spezialisiert auf Raketenbau. Nicht irgendwelcher Raketen, nein, Tiling tüftelt an wiederverwendbaren Fluggeschossen.

"Zündung des Triebwerks - Oxidator Ammoniumperchlorat in Brennkammer - Reaktion mit Aluminiumpulver - Verbrennungstemperatur: 2000 bis 3000 Grad Celsius."

Feststoffraketen bringen beispielsweise Satelliten ins All. Nach getaner Arbeit ist ihr Dasein beendet, die Überreste werden zu einem ständig wachsenden Berg Weltraummüll, der Wissenschaftlern und Raumfahrtexperten immer größere Sorgen macht. Reinhold Tiling war seiner Zeit sozusagen voraus:

"Schauen sie her, meine neusten Entwicklungen, die FTL-Gleitflugrakete und die KTL-Kreiselflugrakete, beide Modelle sind wiederverwendbar. Kommen sie zum Flugtag nach Osnabrück am 22. August, da zeige ich ihnen die Zukunft!"

Premiere war im März 1931.

"Ein lautes Zischen ist zu hören, da schießt einen Feuerschweif hinter sich lassend eine Rakete in den Frühlingshimmel des Ochsenmoors am Dümmer See. Fast 300 Meter hoch fliegt die Rakete, dann klappen Gleitflügel aus und sie sinkt langsam zur Erde zurück."

An Bord waren Postkarten, denn Tiling plante die Postversorgung zwischen dem Festland und den ostfriesischen Inseln per Rakete. Seine Versuche liefen so erfolgreich, dass er neue Pläne schmiedete. Wiederverwendbare Raketen für die meteorologische Forschung - doch soweit kam es nicht. Tiling wurde Opfer seiner Leidenschaft:

"11. Oktober 1933: Bei der Vorbereitung neuer Raketenvorführungen kam es gestern zu einer folgenschweren Explosion. Reinhold Tiling und seine beiden Mitarbeiter erlitten schwerste Verbrennungen, an denen sie im Laufe der Nacht verstarben."

Mit Tiling verliert die junge aufstrebende Raketen- und Raumfahrtgeneration einen enthusiastischen Experimentator mit Blick nach vorn. Denn Raketen als Wegwerfware werden im Laufe der Jahrzehnte immer brisanter. Rund 100.000 Müllteile, größer als ein Zentimeter, kreisen derzeit als gefährliche Geschosse um die Erde. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 30.000 Kilometern pro Stunde.

"Seit den fünfziger Jahren haben Russen und Amerikaner über 3.400 Trägerraketen gestartet. Deren Trümmer bilden nun das Gros des Müllbergs im Orbit. Experten sind sich einig, dass Satelliten und Raumfahrzeuge immer häufiger von Schrottteilen getroffen und beschädigt werden dürften."

Die Gefahr Weltraumschrott wächst - entsorgen kann man ihn nicht - also was tun? Wissenschaftler tüfteln an Schutzschildern gegen die Geschosse und sie entdecken die Ideen von Reinhold Tiling wieder.

"Oktober 1998: Ein US-amerikanisches Unternehmen hat einen wiederverwendbaren Raketen-Prototyp fertiggestellt. Nach Aussetzen eines Satelliten soll das Geschoss unversehrt in zwei Teilen auf die Erde zurückfallen. Sanft abgebremst durch Fallschirme, Luftkissen sorgen beim Aufprall für eine weiche Landung."

Dann soll die Rakete wieder zusammen gebaut und für den nächsten Start flott gemacht werden. Bis zu 100 Einsätze pro Rakete sind geplant. An das Problem Weltraumschrott hat Reinhold Tiling bei seinen Versuchen, 1931, wahrscheinlich noch nicht gedacht, die Idee einer langfristigen und weltraumschonenden Raumfahrt aber stammt von ihm.

Autorin: Judith Hartl
   
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