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20.2.1857: "Norddeutscher Lloyd" stach in See
Am Anfang stand nur der Name fest: "Norddeutscher Lloyd", in schwungvoller Schrift auf einen Aktendeckel geschrieben, geschrieben von Hermann Henrich Meier, Bremer Großkaufmann, Konsul, Bankier und später Reichstagsabgeordneter. Meiers Ehrgeiz wollte es nicht zulassen, dass im größeren Hamburg im Mai 1847 die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft, kurz Hapag, gegründet worden war und längst auf der Nordatlantikroute nach New York erfolgreich operierte, während in Bremen immer noch nicht "die" deutsche Reederei zu Hause war. Die nämlich wollte Meier haben. Hatte die Hansestadt Bremen doch mit dem 1830 gegründeten Tiefwasserhafen Bremerhaven ideale Voraussetzungen für den transatlantischen Verkehr geschaffen.

Unterstützung

Doch Meiers Bemühungen im Sommer 1856, Geldgeber für die neu zu gründende Gesellschaft zu finden, schlugen zunächst fehl. Woher also das notwendige Geld für ein "rein deutsches, großartiges Unternehmen", wie Meier schwärmte, auftreiben?

Da kam ihm der 30-jährige Eduard Crüsemann zu Hilfe. Crüsemann war vermögender Sohn eines Berliner Großkaufmanns, lebte in Bremen, wo er einen kleinen Reedereibetrieb leitete. Er war begeistert von Meiers Lloyd-Plänen, stieg in das Projekt ein und forderte sogleich einen Direktorenposten für sich: "Ich weiß, Herr Konsul, dass ich meine Hand nach einem hohen Posten ausstrecke. Ich werde aber alles, was in der Macht eines jungen, tätigen, treuen und vorsichtigen Menschen liegt, aufbieten, das Vertrauen, das man in mich setzt, zu rechtfertigen."

Gründung

Nun geben die Bremer Honoratioren ihren Widerstand auf, und am 20. Februar 1857 ist es soweit: Der "Norddeutsche Lloyd" wird gegründet. Konsul Meier hat seinen Lebenstraum verwirklicht. Das Wappen der neuen Schifffahrtgesellschaft: Anker mit Schlüssel gekreuzt, umschlossen von einem Eichenlaubkranz.

Sogleich bestellen die Bremer vier Überseedampfer bei der schottischen Werft Caird & Company. Der erste heißt - natürlich - "Bremen", ist über 2.600 BRT groß, seine Maschine rund 1.500 PS stark, das Schiff verfügt zusätzlich über eine Barktakelage, es ist gut zehn Knoten schnell und kann 500 Passagiere aufnehmen. Die Probefahrt im Juni 1858 gerät zum Volksfest.

"Wer ein deutsches Herz hatte, dem musste es höher schlagen bei dem Gedanken, dass dieser herrliche Dampfer die deutsche Flagge über den Ozean tragen soll", schreibt der Berichterstatter der "Weser-Zeitung". Mit drei weiteren Schiffen bieten die Bremer jetzt einen 14-täglichen Liniendienst Bremerhaven-New York an. Der Kampf mit der Hamburger Hapag ist auf genommen.

Kooperation

Trotz anfänglicher schwerer Verluste von Schiffen und Geld lässt sich Konsul Meier nicht beirren. Sein Ziel: Der "Norddeutsche Lloyd" muss die wichtigste Reederei in Deutschland werden, seine Schiffe müssen schnell, sicher und komfortabel sein.

Selbstbewusst sagt er: "Ich habe bis jetzt das Glück gehabt, dass eine jede Sache, bei deren Leitung ich beteiligt, gut ging oder gut wurde, nachdem ich hinzutrat - welches ich vorzugsweise dem zuschreibe, dass ich solche Sachen, wenn ich sie übernehme, mit derselben Energie und ebenso wie meine eigenen mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen behandele."

Meier scheut auch keine Kooperation mit der Hapag. Die beiden Reedereien einigen sich im Nordatlantikgeschäft auf miteinander abgestimmte Abfahrtstage, sie pachten gemeinsam einen zentral gelegenen Anlegeplatz in New York.

Luxus und Vergnügen

Als 1871 das Deutsche Reich gegründet wird, besitzt der Lloyd 24 eigene Seedampfer. In den 1880er-Jahren setzt eine große Auswandererwelle aus Ost- und Südosteuropa nach den USA ein. Der Lloyd profitiert mit seinen luxuriösen Passagierschiffen davon. Er ist "die" große deutsche Schifffahrtsgesellschaft. In neun Tagen überqueren die Lloyd-Dampfer den Atlantik. Das Reisen auf den Luxus-Linern wird zum Vergnügen.

Diese Tradition setzt der "Norddeutsche Lloyd" auch im 20. Jahrhundert fort. Mehrfach erringen seine Flaggschiffe "Bremen" und "Europa" das Blaue Band der schnellsten Atlantikpassage zwischen dem britischen Cape Lizard und New York - sie schaffen die Route in vier Tagen und 18 Stunden.

Fusion und Ende

Inzwischen gibt es den "Norddeutschen Lloyd" nicht mehr, auch die Hapag existiert nicht mehr als Einzelreederei. Der scharfe internationale Wettbewerb zwingt beide 1970 zur Fusion - zur Hapag-Lloyd AG. Unter gemeinsamer Flagge befährt Deutschlands bekannteste Reederei die Weltmeere. Und längst agiert sie erfolgreich als riesiger Reise- und Transportkonzern, bei dem das Reisegeschäft eine immer wichtigere Rolle spielt.



Autor: Karl-Heinz Lummerich
   
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