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16.5.1929: Erste Oscar-Verleihung
Prinzler: "Das ist ein etwas neutral ausgefallener, etwa Mitte 20-, Ende 20-jähriger Mann, sehr stilisiert, hohe Beine. Er hat die Arme vor dem Oberkörper verschränkt, guckt ein bisschen neutral in die Gegend und steht auf einer Filmbüchse."

Wer ist dieser junge Mann, den Hans Helmut Prinzler, Direktor der Stiftung Deutsche Kinemathek, da für uns beschreibt? Für Margaret Herrick sah der beinahe geschlechtslose Ritter aus wie ihr Onkel Oscar Pierce, und Bette Davis erinnerte der Mann auf der Filmdose an ihren ersten Ehemann Harmon Oscar Nelson.

Wie auch immer, offiziell ist es der "Academy Award of Merit", und seit dem 16. Mai 1929 ist die goldene Statue immer beliebter geworden. Damals trafen sich einige hundert Filmgrößen zu einem etwas größeren Abendessen im Hollywood Roosevelt Hotel - ohne größeres Aufsehen zu erregen.

Emil Jannings, der für seine Leistungen in "The Last Command" und "The Way of all Flesh" als bester Darsteller ausgezeichnet werden sollte, hatte sogar schon die Rückreise nach Deutschland angetreten und sich den goldenen Jüngling vorher abgeholt. Insgesamt dauerte die Zeremonie an jenem Abend gerade Mal vier Minuten und 22 Sekunden. Danach gab's ein gutes Buffet.

Heute ist es ein Zig-Millionen Dollar Geschäft, ein Riesenorchester untermalt die Veranstaltung mit den Filmmusiken der nominierten Streifen. Drei Stunden feiern sich die Großen und die, die es werden wollen, in einer Parade der Eitelkeiten. Sie alle warten auf die wichtigen Worte: "The Oscar goes to (...)"

Ob nun Tom Hanks oder Steven Spielberg, der Oscar ist nicht nur die berühmteste Auszeichnung der Filmbranche, sondern auch die wichtigste. Oscar-Verleihungen sind Kult. Die Tränen, die Freudenschreie, die Dankesreden, all das gehört zum Ritual.

Mit den ökonomischen Konsequenzen einer Oscar-Auszeichnung kann sich kein anderer Filmpreis messen, sagt Hans Helmut Prinzler und betont aber auch, dass trotzdem der Oscar durchaus auch mehr bedeutet als nur die Auszeichnung für Erfolg an den Kinokassen:

Prinzler: "Es muss aber auch bestimmte Kriterien des Gelungenen haben, also einen reinen ökonomischen Erfolg wie bei der ersten Episode von "Star Wars", der in der Tat den größten ökonomischen Erfolg hatte, ist bei der Oscar-Verleihung leer ausgegangen. Also das wird dann nicht automatisch belohnt, sondern das muss auch einen kulturellen Mehrwert haben, so wie etwa "American Beauty"."

1927 hatten sich der Regisseur Fred Niblo und der Schauspieler Conrad Nagel mit dem Filmmogul Louis B. Mayer getroffen und ihm die Idee unterbreitet, eine "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" ins Leben zu rufen - als Mittler zwischen Filmbossen und Schauspielern. In der bald darauf aufgesetzten Satzung fand sich dann ein Satz mit ungeahnten Folgen:

Zitat: "Wir werden die Filmkunst und die Filmtechnik dadurch voranbringen, dass wir zum einen den Austausch konstruktiver Ideen fördern und zum zweiten Preise für herausragende Einzelleistungen verleihen."

Der Oscar war geboren. In den Jahren seiner Geschichte ist seine Bedeutung immer stärker angewachsen. Ein César von Cannes, ein Goldener Bär aus Berlin oder ein Goldener Löwe aus Venedig - all diese Preise haben bei weitem nicht die Ausstrahlung und Faszination sowie Bedeutung wie eben dieser Preis der US-amerikanischen Filmwirtschaft. Auch wenn sich die Mitglieder der Academy seit der ersten Verleihung schon manches Mal als Ignoranten der wahren Filmgrößen herausgestellt haben.

"Da gibt es eine ganze Reihe, die übersehen worden sind. Ernst Lubitsch wurde übersehen, bis er ein Jahr vor seinem Tod einen Ehren-Oscar erhielt, auch Chaplin hat einen ersten Oscar erst in den 1950er Jahren für die Musik zu "Limelight" bekommen. Da hat die Academy schon versagt."

Autor: Jens Teschke
   
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