Kalenderblatt dw.com
 
17.5.1890: Erstes Comic Heft
"Stöhn, ächz, seufz, grummel-grummel, kicher-kicher, grübel-grübel."

Nein, das ist kein Steinzeitdeutsch! So reden Heldinnen und Helden namens Tank Girl, Superman, Tarzan oder Mickey Mouse. Sie alle leben in der Welt der Comics, deren offizieller Urknall 1890 stattgefunden hat - und zwar in der Londoner Fleet Street. Dort erscheint am 17. Mai im Verlag des Pressezaren Alfred Harmsworth, dem späteren Lord Northcliffe, das Heft Comic-Cuts, das allererste Comic-Heft.

Anfänglich enthält es mehr Text als Bilder, die Beiträge sind humoristisch-satirisch und tragen Titel wie 'Funiosities' oder 'Jokelets', doch nur einen Monat später erreicht die Auflage sensationelle 300.000. Das ist weitaus mehr als damalige überregionale Zeitungen aufweisen können.

Sieben Jahre nach Comic Cuts wird in der farbigen Sonntagsbeilage des "New York Journal" mit dem 'Yellow Kid' der erste Zeitungscomic geboren. Das 'gelbe Kind' hat Schlappohren, eine Glatze, trägt ein sackartiges, safrangelbes Gewand und erlebt seine Abenteuer in den New Yorker Slums. Das 'Yellow Kid' erzielt einen weitreichenden Nebeneffekt, denn seitdem ist das Schlagwort 'Yellow Press' das englischsprachige Synonym für die Boulevardpresse. Die so genannten 'Kid Strips' werden populär, es erscheinen die 'Katzenjammer Kids', eine US-amerikanische Imitation von Wilhelm Buschs 'Max und Moritz'.

Comic Cuts, das gelbe Kind und 'The Katzenjammer Kids' markieren den Start der rasanten Erfolgsgeschichte des Comics, dessen Ursprünge sogar bis in die Antike reichen, denn fortlaufende Bildergeschichten erzählen bereits sumerische Bildbänder aus UR, Reliefplastiken oder Totenbücher der alten Ägypter, Vasenmalereien der griechischen Antike oder die Triptychonaltäre des christlichen Mittelalters.

Unmittelbarer Ursprung des Comics ist die politische Karikatur, die während der europäischen Aufklärung entsteht und auf Flugblättern gedruckt, die Analphabeten politisieren soll.

Zeitgleich mit dem Comic entsteht der noch stumme Film, der gezwungen ist, durch zwischengeschaltete Texte die Bildfolge zu ergänzen und zu kommentieren. Der Stummfilm als neue Sensation verdrängt den Bänkelsang und die Moritatenerzähler von den Jahrmärkten, die stets mit Bildtafeln gearbeitet hatten. Auch diese Tafeln gelten als Vorläufer der Comics.

Seine wirklich großen Erfolge erlebt der Comic in den Vereinigten Staaten, wo viele der heute noch berühmten Heldenfiguren das Licht der gezeichneten Welt erblicken. 1929 Popeye, ein Jahr später Mickey Mouse, und 1938 Donald Duck. Seit den frühen 1930er Jahren erobern Comicbücher wie Walt Disneys "Lustiges Taschenbuch" den Markt und lösen die Groschenhefte in der Gunst des Lesepublikums ab.

Die neuen Helden heißen Tarzan, Batman, Superman. In den 1950ern und 1960ern findet der Comic Anschluss an die Horrorfilme und Science-Fiction-Literatur. Später entstehen Adventure Comics, die Fantastic oder Science Fiction Strips. Daneben sind auch die tiefgründigen Peanuts und die liebevolle Satire wie man sie bei Donald Duck oder in E.O. Plauens 'Vater und Sohn' findet, sehr beliebt.

Aber Europa hat der Comic erst nach dem Zweiten Weltkrieg wirklich erobert - die berühmtesten Comics aus europäischer Feder sind die historisierenden Episoden von Asterix und Obelix und die Abenteuer von Tim und Struppi.

Nun ist der Comic aus der Lebensrealität nicht mehr wegzudenken - er dringt in die Werbung und in die Kunst ein. Sogar renommierte Künstler wie Lionel Feininger zeichnen Comic Strips. Einige Bildergeschichten transportieren revolutionäre Ideen, und mit Robert Crumb und dessen 'Fritz the Cat' erhält der Comic sogar Underground-Kultstatus. Die Geschichten von 'Batman' sind gleich mehrmals verfilmt worden, und heutzutage liefern viele Comics den Stoff für ganze Serien im Fernsehen.

Wie an den verschiedenen Anwendungsbereichen von Comics zu sehen ist, nehmen die graphisch erzählten Geschichten einen großen Bereich der Printmedien der heutigen Welt ein, denn Comics sind einfach zu lesen, unmissverständlich durch ihre Bilder und unterhaltend.

Diese Vorteile haben heutige Comicverlage erkannt und eine Unmenge an verschiedener Comicliteratur auf den Weltmarkt gebracht. So werden zahlreiche Romane in Zeichnungen umgesetzt, sogar religiöse Schriften wie die Bibel sind inzwischen als Comic erschienen und erfolgreich verkauft worden. Dies hat den Sinn, auch Nichtbibelleser an dieses Werk heranzuführen.

Daneben erscheinen viele Lehrbücher als Comic, so auch die Geschichte der Philosophie. Insgesamt ist die Tendenz zum einfachen Lesemedium Comic steigend, und dies fördert vielleicht eine gewisse Lesefaulheit der Konsumenten. In jedem Fall ist er ein gutes Medium, um auch schwierige Themen einer breiten Masse leicht zugänglich zu machen.

Und abgesehen davon macht Comiclesen einfach Spaß!

Autorin: Sabine Ochaba
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Golf ist ein guter Ersatz für Alkohol und Drogen. Es macht süchtig.
  > Dennis Hopper
> RSS Feed
  > Hilfe
Was gibt es im Berliner Hoppegarten zu sehen?
  Pferderennen
  Tiere aus aller Welt
  Zuchtkaninchen
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße