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9.6.1983: Erneuter Wahlsieg für die Eiserne Lady
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Thatcher: "Dort, wo Streit herrscht, möge Harmonie einkehren. Dort, wo Irrtümer begangen werden, möge unsere Wahrheit obsiegen. An die Stelle von Zweifel möge der feste Glaube treten, und die Verzweifelung möge der von uns gebrachten Hoffnung weichen."

Mit dem heiligen Franziskus auf den Lippen und 43 Mandaten Vorsprung war Margaret Hilda Thatcher 1979 als erste Frau ins Amt eines britischen Premierministers gewählt worden, und wohl nie zuvor hatte sich ein Politikerin so heere Ziele gesetzt.

Vier Jahre später, am Tage ihrer Wiederwahl dem 9 Juni 1983, war die britische Nation allerdings gespaltener denn je. Von der beschworenen Eintracht war weit und breit nichts zu spüren, den Reichen ging es besser als zuvor, den Armen schlechter.

Die Deutsche Handelskammer in London hatte einen Monat vor Thatchers Wiederwahl im Mai 1983 folgende Zahlen veröffentlicht: Das Nettoeinkommen des britischen Durchschnittsarbeiters war gegenüber 1979 um vier Prozent gesunken, seine Abgaben hatten sich dagegen um gut drei Prozent erhöht. Die Zahl der Arbeitslosen war inzwischen auf drei Millionen angewachsen.

Gewinner der "thatcheristischen Revolution", wie es manche nannten, waren die oberen Mittelschichten. Leitende Angestellte mit einem Jahresverdienst von umgerechnet über 100.000 D-Mark hatten der 'eisernen Lady' nach vier Jahren real fast 2000 Mark mehr im Portemonnaie zu verdanken. Noch höhere Einkommen, die von dem drastisch reduzierten Spitzensteuersatz profitierten, entsprechend mehr.

Thatchers Philosophie war es, den Staat mehr und mehr abzubauen. Dazu kündigte sie den wirtschafts- und sozialpolitischen Konsens der britischen Nachkriegszeit auf. Statt staatlicher Intervention, Korporatismus und Wohlfahrt sollten reine Marktwirtschaft, private Initiative und die Selbstverantwortung des Individuums in Britannien den Ton angeben.

Für das Land hatte eine Rosskur begonnen, in der die Tochter eines Gemischtwarenhändlers sich zur Zuchtmeisterin der Nation emporschwang. Für viele Briten war Margaret Thatcher die herzloseste Person seit Elisabeth I. Anfang 1982 hatte sie gerade noch die Sympathien von 25 Prozent der Gesamtbevölkerung. Doch dann überfiel eine lateinamerikanische Diktatorenclique aus Argentinien eine kleine Inselgruppe im Südatlantik und Thatchers Renaissance - diesmal als Retterin der Nation - begann.

Margaret Thatcher: "Vor uns liegt eine schwere Zeit. Aber wir sind zutiefst entschlossen, eine gerechte Lösung zu erreichen. Und darin, glaube ich, steht die gesamte Nation hinter uns. Seit Jahren versucht man uns einzureden, das britische Volk sei nicht mehr in der Lage, für sich selbst einzutreten und ein derartiger Patriotismus sei altmodisch. Man sagt uns, die Worte eines unserer maritimen Gebete, wonach unsere Flotte zur Verteidigung all jener die Meere kreuze, die das Recht auf ihrer Seite haben, dies seien Phrasen aus den Geschichtsbüchern der Nostalgiker. All jenen rufe ich zu: Wie sehr ihr Euch getäuscht habt!"

Unter hohen Verlusten wurde der argentinische Übergriff auf die Falklandinseln zurückgeschlagen. 2000 Bewohner durften sich wieder als Untertanen ihrer Majestät empfinden, und Margret Thatcher hatte dem unbefriedigten Verlangen der im postkolonialen Trauma begriffenen Briten endlich Genugtuung verschafft. Die eiserne Lady war geboren und kein politisches "Weichei", ob unter den EU-Bürokraten in Brüssel oder unter den pazifistischen Labourpolitikern im Parlament sollte sich vor ihr mehr sicher fühlen können. Noch einmal Margaret Thatcher im Wahlkampf 1983:

Margaret Thatcher: "Die Labour-Party will das britische Atomwaffenarsenal abschaffen. Dies ist der Kurs den Labour einschlagen wird, sollte die Partei an die Macht kommen. (...) Dazu darf es niemals kommen!"

Am 9. Juni 1983 kam es anders. Marget Thacher siegte mit einem Abstand von fast 200 Mandaten auf Labour - es war ihr zweiter Wahlsieg, der Dritte sollte erst noch kommen.

Autor: Daniel Scheschkewitz
   
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