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19.6.1953: Die Rosenbergs hingerichtet
17. Juli 1950: Um acht Uhr früh klopft das FBI an die Wohnungstür der Familie Rosenberg in der Lower East Side in Manhattan. Mit Rasierschaum im Gesicht wird der 32-jährige Julius Rosenberg verhaftet. Der letzte Stein einer Dominoreihe ist erreicht.

6. August 1945: Eine Atombombe explodiert über Hiroshima - die Welt ist schockiert. Die schlimmste Vernichtungswaffe aller Zeiten ist zum Einsatz gekommen. Die USA haben ihre militärische Stärke endgültig unter Beweis gestellt. Der Zweite Weltkrieg wird wenige Wochen später mit der Kapitulation Japans beendet.

Was jetzt beginnt ist der Kalte Krieg. US-Amerikaner und Sowjets geht es um die militärische Vorherrschaft in den Regionen der Welt. Längst schon sind 1945 Spione in den Vereinigten Staaten - die atomare Wunderwaffe aus den Labors in Los Alamos, ist begehrtestes Objekt der Russen. Und seit 1944 sind sie ganz dicht dran am Manhattan Project, so lautet der Code-Name der Atombombenforschung.

Ein Ring von Spionen

Wie dicht, zeigt sich am 28. August 1949. Vier Jahre nach Hiroshima und Nagasaki detoniert die erste sowjetische Atombombe. Wieder ist die Welt schockiert – Die Sowjetunion hat im atomaren Wettrennen der Supermächte aufgeholt, und beim CIA steht nur eine Frage im Raum: Wie konnte das Geheimnis der Atombombe an die Sowjets gelangen?

Am 2. Februar 1950 melden die Zeitungen in New York die Verhaftung von Klaus Fuchs, einem britischen Wissenschaftler, beteiligt am Manhattan Project. Er gesteht: Sowjetische Agenten haben von ihm wichtige Zeichnungen zur Herstellung der Bombe erhalten.

Mit der Verhaftung von Fuchs fällt ein Dominostein nach dem anderen. Fuchs spricht von einem "Raymond" als Übermittler an die Russen. Dieser Raymond ist Harry Gold. Er ist der nächste, der vom FBI verhaftet wird. Gold gesteht - erzählt von einem Soldaten, von dem er am Kontrollposten in Los Alamos ebenfalls Dokumente abholte.

Der Soldat ist David Greenglass, Bruder von Ethel Rosenberg und somit Schwager von Julius Rosenberg. Ihm hatte Greenglass diverse Male Zeichnungen von Spezial-Linsen, die für die Atombombe in Los Alamos entwickelt wurden, übergeben. Seit 1944 hatte also ein ganzer Ring von Spionen das Atomgeheimnis Stück für Stück an die UdSSR verraten.

Verhaftung Rosenbergs

Die Verhaftung von Julius Rosenberg im Juli 1950 fällt in einer Zeit des hysterischen Anti-Kommunismus. Senator Joseph McCarthy beschuldigt die Regierung, über 200 sowjetische Agenten in ihren Reihen zu dulden. Jeder, der jemals Sympathie für kommunistische Ideen geäußert hat, ist jetzt verdächtig.

Es folgt ein Prozess, der genau von diesen Fakten geprägt ist. An den Rosenbergs soll ein Exempel statuiert werden. Zwar bestreitet Julius Rosenberg alle Vorwürfe der Spionage und spricht von einer Verschwörung der Regierung gegen ihn, aber die Aussage der zahlreichen Zeugen gegen ihn schwächen seine Position.

Richter Irving Kaufman nennt das Verbrechen der Rosenbergs "worse than murder" - schlimmer als Mord, und gibt ihm sogar die Verantwortung für die 50.000 toten Soldaten des Koreakriegs, der durch die russische atomare Bedrohung erst ausgebrochen sei. "Sie haben mit ihrem Geheimnisverrat den Kurs der Geschichte verändert."

Tod auf dem elektrischen Stuhl

Die Sowjetunion bestreitet jeden Kontakt zu Rosenberg. Es nützt nichts: Am 5. April 1951 werden Julius und Ethel Rosenberg, die einen Monat nach ihrem Mann verhaftet worden war, zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Zwei Jahre folgen, in denen ihr Anwalt alles versucht, sie doch noch zu retten, vor allem die Unschuld Ethels zu beweisen.

Weltweit bricht ein Proteststurm los. Selbst Papst Pius XII. bemüht sich um eine Begnadigung. Für Rechte und Linke werden die Rosenbergs zum Symbol für kommunistische Bedrohung einerseits und für kapitalistisches Unrecht andererseits. Am Morgen des 19. Juni 1953 sterben Ethel und Julius Rosenberg auf dem elektrischen Stuhl in Sing-Sing.

1997: Alexander Feklisov, ehemaliger russischer Top-Spion und Kontaktmann für Julius Rosenberg, ist in New York zu Gast - 50 Jahre nach seinem letzten Treffen mit dem Idealisten löst Feklisov das Rätsel. Ja, Julius habe für die Russen spioniert. Sein Anteil am Verrat des Atomgeheimnisses war aber eher gering. Ethel Rosenberg sei nie eingeweiht gewesen. Sie starb unschuldig.


Autor: Jens Teschke
   
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