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11.7.1926: Caracciola siegt auf der Avus
"Carraciola kämpft wie ein Löwe."

Bis zum letzten Meter weiß Rudolf Caracciola nicht, wie er eigentlich im Rennen liegt. Schon beim Start hat er Pech. Alle Autos rasen los, nur seines bleibt stehen. Er fährt einen Daimler-Benz Zwei-Liter-Achtzylinder Kompressor. In Monza zwei Jahre zuvor hat dieser Wagentyp ein großes Rennen verloren, ein schlechtes Omen.

Nach fünf Runden ist Caracciola im Mittelfeld gelandet. Jetzt fängt es zu regnen an. So gut wie keine Sicht mehr. Der Favorit des Rennens ist Adolf Rosenberger, er liegt auf Platz zwei. Jetzt will er die Führung. Ein heikles Überholmanöver auf der nassen Piste. Rosenberger kommt ab und rast in einen Streckenposten. Drei Tote, Fahrer und Beifahrer verletzt, das Rennen geht trotzdem weiter.

"Zehntausende warten auf den Ausgang des Rennens. Rudolf Caracciola führt!"

Noch zwei Runden. Caracciola muss Zündkerzen wechseln. Dann erreicht er die Box. Er hat immer noch keine Ahnung, wie das Rennen ausgegangen ist, da wird ein großer Lorbeerkranz gebracht. Der Konstruktionschef von Daimler-Benz, Dr. Ferdinand Porsche, erscheint und gratuliert. Jetzt ist klar: Rudolf Caracciola hat den Grand Prix 1926 auf der AVUS in Berlin gewonnen.

Rudolf Caracciola selbst erklärt damals: "Sonst fahren nur Privatfahrer. Die haben Wagen gekauft, alte Wagen, und die lassen sie dann bei irgendeinem Spezialisten nachsehen, und damit fahren sie."

Rudolf Caracciola dagegen ist einer der ersten Werksfahrer. Der Rheinländer mit dem italienischen Namen arbeitet Anfang der 1920er Jahre bei Daimler-Benz als Autoverkäufer. Dann sucht der firmeneigene Rennstall Nachwuchs. Caracciola bewirbt sich, und schon sein erster Start auf einem Mercedes-Kompressor im Jahr 1923 endet mit einem Sieg. Spätestens seit seinem Triumph auf der AVUS-Rennstecke in Berlin ist Caracciola der König des deutschen Autorennsports. Seit damals nennen ihn die Fans zärtlich "Caratsch".

"Aber für mich war Fahren mehr! Mochte es Leute geben, die darüber lächelten oder die Achseln zuckten, dass man sein Leben daransetzte, ein paar Sekunden schneller zu sein, als andere. Für mich war's das Glück!" schreibt Rudolf Caracciola in seiner Autobiografie.

Den Höhepunkt erlebt dieses Glück im Jahr 1934. Neue Bestimmungen für Rennwagen werden aufgelegt. Ab jetzt dürfen sie nicht mehr als 750 Kilogramm wiegen. Mercedes konstruiert speziell für seinen Spitzenfahrer Caracciola in dieser 750-Kilogramm-Klasse einen Boliden mit 3,6 Liter Hubraum und 354 PS Motorleistung, Spitzengeschwindigkeit bis zu 450 Kilomter pro Stunde.

Caracciola beschreibt das Fahrgefühl in seiner Autobiografie: "Der Wind pfeift vorbei, und die Motoren dröhnen, es dröhnt drin in dir selbst, denn du bist nicht mehr irgendein Mensch mit krankem Bein oder traurigem Herzen, sondern du bist Herr über dreihundert Pferdestärken, vierhundert Pferdestärken. Du bist der Wille, der dieses Geschöpf aus Stahl beherrscht, du denkst für es, denkst in seinem Rhythmus. Und dein Hirn arbeitet mit der gleichen Schnelligkeit und Präzision wie dieses stählerne Herz. Oder das Untier wird Herr über dich und zermalmt dich."

Caracciola gewinnt sechs Mal den Großen Preis von Deutschland und siegt bei zahlreichen Grand Prix im Ausland, darunter die beiden bedeutendsten Rennen in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, die englische Tourist Trophy und die italienische Mille Miglia. Eine Unfallserie beendet Mitte der 1940er Jahre die Karriere des Rudolf Caracciola. Bis zu seinem Tod im Jahr 1959 bleibt er dem Rennsport als Beobachter und Ratgeber erhalten.

Ein Rennstall fällt Rudolf Caracciola schon damals auf: "Es fährt heute offiziell keine Fabrikmannschaft. Es fährt noch Ferrari, das ist aber keine richtige offizielle Fabrikmannschaft."


Autorin: Catrin Möderler
   
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