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15.7.1869: Margarine patentiert
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Wir schreiben das Jahr 1867, das Zeitalter der Industrialisierung hat begonnen. Die vom Land in die Städte gezogenen Fabrikarbeiter essen mittags in der Regel nur Butterbrot - zumeist allerdings ohne Butter, denn die ist knapp und teuer. Hinzu kommt: Die Bevölkerung wächst rapide. Eine ausreichende Fettversorgung der Menschen ist nicht gewährleistet. Da fasst Kaiser Napoléon III. einen Entschluss: Ein preiswerter Butterersatz muss her, damit sein Volk im Allgemeinen und seine Soldaten und Matrosen im Besonderen nicht vom Fleisch fallen.

Ein streichfähiges, haltbares Nahrungsfett

Er beauftragt den Chemiker Hippolyte Mège-Mouriés, ein Produkt herzustellen, das ähnlich schmeckt wie Butter, aber nicht so schnell ranzig wird und Fett enthält. Zwei Jahre tüftelt der Forscher, dann hat er die Lösung gefunden. Im Juli 1869 reicht er das Patent ein für ein Streichfett aus einer Emulsion Wasser in Öl, das auf tierischem Fett basiert, genauer aus Rindertalg, Magermilch und gehäckseltem Kuheuter besteht.

Gerhard Gnodtke, ehemaliger Geschäftsführer im Verband der deutschen Margarine- Industrie und im Margarine-Institut für gesunde Ernährung in Bonn erklärte das so: "Er hat das Milchfett aus der Butter durch ein anderes tierisches Fett ersetzt und dann ein akzeptables, streichfähiges, haltbares Nahrungsfett bekommen. Dieses neue Nahrungsfett hatte vom Aussehen her einen perlmuttartig schimmernden Glanz, und dann hat man in Anlehnung an das griechische Wort Margaron für Perle das ganze Margarine genannt."

Heute wird sie überwiegend aus pflanzlichen Fetten gemacht, mit unterschiedlichen Anteilen von Fetten und Ölen. Die Hauptabsatzländer sind die USA, Russland, Indien und Deutschland. Was den Verbrauch betrifft, liefert sich Margarine hierzulande seit Jahren mit der Butter ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Gute Butter, gesetzlich geschützt

Doch ihr Weg zum Erfolg war lang und steinig. "Gute Butter" nannten Hausfrauen bereits zu Kaiserzeiten die "echte", eine Formulierung, die eine Geringschätzung der preiswerten Margarine indirekt nahe legte. Nicht zuletzt hatte sie einen schweren Stand, weil so mancher Händler sie als das verkaufte, was sie eben nicht war: Butter. Bereits 1887 trat daher im Deutschen Reich ein Margarinegesetz in Kraft, das fast 100 Jahre gültig war.

Gerhard Gnodtke sagte dazu: "Es war vorgeschrieben, dass Margarine im Laden räumlich von Butter deutlich getrennt und besonders gekennzeichnet werden musste. In größeren Städten mit mehr als 5.000 Einwohnern durfte Butter und Margarine nicht im selben Raum verkauft werden. Dazu kam, dass Margarine auf der Packung deutlich und nicht verwischbar das Wort Margarine haben musste, dann den für viele noch bekannten dicken roten Streifen. Es ging sogar soweit, dass Überlegungen da waren, Margarine blau einzufärben, aber das ist dann Gott sei dank nicht gekommen."

Salopp formuliert handelte es sich bei dem Gesetz aus Sicht der Margarineproduzenten um ein äußerst erfolgreiches Mobbing durch die Agrarwirtschaft. Heute sind die Felder abgesteckt und geht der Streit eigentlich - wenn überhaupt noch gestritten wird - immer um die Frage, was denn nun gesünder sei.

Hauptsache, es schmeckt

"Wir essen bekanntlich viel zuviel gesättigte Fettsäuren tierischen Ursprungs, insbesondere versteckt in Schokolade, Käse, Wurst, Chips, und die pflanzliche Margarine spielt in diesem Rahmen für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle. Sie ist einmal wichtiger Lieferant für die fettlöslichen Vitamine A, D, und E, weiterhin hat Margarine kein Cholesterin, auch die Fettsäurezusammensetzung mit reichlich, einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren kann die Gesundheit positiv beeinflussen und hilft eben, die von der deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Richtwerte auch einzuhalten," meinte Gerhard Gnodtke.

Demgegenüber heißt es an der Butterfront, die gehärteten Öle in der Margarine seien gefährlich. Beide Seiten berufen sich auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse, immerhin, es geht um einen Milliardenmarkt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfahl auf Nachfrage, grundsätzlich mehr pflanzliche Fette zu konsumieren. Entscheidend aber sei immer die Menge der Fettzufuhr. Wer darauf achtet, der darf es beim Brotaufstrich, Kochen und Backen halten, wie er mag. Hauptsache, es schmeckt.


Autorin: Carola Hoßfeld
   
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