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18.7.1925: "Mein Kampf" veröffentlicht
"Mein Kampf" von Adolf Hitler, 782 Seiten stark, millionenfach aufgelegt, von kaum jemandem von vorne bis hinten gelesen.

Am 18. Juli 1925 kam das braunste der braunen Bücher auf den Markt. Von diesem Tag an konnten fanatische Anhänger, erbitterte Gegner und alle, die den Kopf in den Sand steckten, Hitlers ganzen künftigen Feldzugsplan lesen. "Der Jude ist die Made im faulenden Leibe, Pestilenz, schlimmer als der schwarze Tod von einst, Bazillenträger der schlimmsten Art, ewiger Spaltpilz der Menschheit, die Drohne, die sich in die übrige Menschheit einschleicht, die spinne, die dem Volk langsam das Blut aus den Poren saugt, eine sich blutig bekämpfende Rotte von Ratten", nahm die Judenausrottung vorweg.

Aber auch Ein-Parteien-Herrschaft, Terrorregime und Ostfeldzug ließen sich seit dem 18. Juli 1925 nachschlagen.

"Wäre dieses Buch doch bloß gelesen worden!", stöhnen die Aufarbeiter der Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland. Doch das wäre ein hartes unangenehmes Stück Arbeit gewesen.

Der Mann, der sich berufen glaubte, "deutsche Art und deutschen Geist an der Spitze einer völkisch bestimmten, ständisch gegliederten Pyramide zu verkörpern.", schrieb ein Deutsch, dass es einen noch heute schüttelt. Gnädige Lektoren griffen erst später ein, allein zwischen 1925 und 1930 2300 Mal.

Der Historiker Joachim Fest spricht in seiner Hitler-Biografie von den "gedrechselten, wurmartigen Perioden, in denen sich bildungsbürgerliche Paradiersucht und österreichischer Kanzlistenschwulst umständig verbanden".

So zum Beispiel, wenn Adolf Hitler schreibt: "Allmählich erhielt ich dann für meine eigene Überzeugung allerdings geradezu granitene Grundlage, so dass ich seit dieser Zeit eine Umstellung meiner inneren Anschauung in dieser Frage niemals mehr vorzunehmen gezwungen wurde."

Das Buch, das übrigens ursprünglich: "Vier mal Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit" heißen sollte, machte seinen Autor zum Millionär. Wenigen Autoren ist dies mit einem einzigen Buch gelungen.

Bis 1945 als die Sieger des Zweiten Weltkrieges den Deutschen verboten, das Buch zu drucken, zu kaufen oder zu lesen, wurden 20 Millionen Exemplare gedruckt. Doch die wenigsten wurden verkauft. "Mein Kampf" wurde organisiert verteilt, jedes Parteimitglied bekam eins, die Reichsbahndirektion verfügte, dass an verdienten Beamten künftig "Mein Kampf" als Geschenk zu überreichen sei und nach 1933 wurde staatlich verordnet, frisch Vermählte mit dem Chefopus zu beglücken.

Band Eins seiner Kampfschrift brachte Adolf Hitler 1924 in der Festung Landsberg zu Papier. Eingesperrt wurde der 1889 in Braunau in Österreich geborene Anstreicher nach einem Putsch-Versuch gegen die Reichsregierung. Hochverrat, der Tod von 20 Menschen, Geiselnahme und bewaffneter Geldraub brachte dem Angeklagten fünf Jahre Festungshaft ein.

Nach sechs Monaten allerdings war Adolf Hitler wieder auf freiem Fuß. Die erste Auflage des ersten Bandes betrug 10.000, der zweite Druck im Dezember 1925 bereits 18.000 Exemplare. Kein schlechter Start für die schwer lesbare Programmschrift einer Partei, die damals im ganze Reich nur etwa 50.000 Mitglieder zählte.

Band Zwei des Buches entstand nach seiner Entlassung, gleichzeitig durfte der oberste Chef aller deutschen Nationalsozialisten seine im November 1923 verbotene rechtsextreme Nationalsozialistische Partei Deutschlands (NSDAP) im Februar 1925 wieder gründen.

Doch wie konnte jemand, der bis zu seinem 30. Lebensjahr offenbar keine anderen Talente besaß als herumzulungern und zu stänkern, in eine Position gelangen, die es ihm möglich machte, die halbe Welt in Schutt und Asche zu legen?

Hitler schreibt: "Ich aber beschloss, Politiker zu werden". Falsch, kontert der bekannte englische Hitler-Biograf Ian Kershaw. Denn nicht Hitler wählte die Politik, sondern die Politik wählte Hitler. Sie sei "durch Revolution und Räterepublik zu ihm in die Kaserne gekommen".

Zitat aus "Mein Kampf": "Ein Staat der im Zeitalter der Rassenvergiftung sich der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muss eines Tages zum Herrn der Erde werden. Das mögen die Anhänger unserer Bewegung nie vergessen, wenn je die Größe der Opfer zum bangen Vergleich mit dem möglichen Erfolg verleiten sollte."

Die Größe der von Hitler angekündigten Opfer sind hinreichend bekannt: 60 Millionen Menschen sind im Zweiten Weltkrieg gestorben, die Juden in Europa sind fast vollständig ermordet worden, Millionen von Flüchtlingen, Hunger, Armut, Kälte. Mit diesem Buch hat es begonnen.

Autorin: Gerda Gericke
   
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