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2.8.1990: Irak annektiert Kuwait
Um ein Uhr morgens überqueren die ersten irakischen Einheiten die Grenze nach Kuwait. Seit Tagen sind sie in einer Truppenstärke von über 100.000 Mann nördlich der Grenze massiert, aber bis zuletzt hält sich die Hoffnung, dass es sich nur um eine Drohgebärde des irakischen Staatschefs Saddam Hussein handelt:

Seit Monaten beschuldigt dieser Kuwait, unrechtmäßig Öl aus irakischen Ölfeldern zu pumpen, er fordert Entschädigung dafür und droht mit der Eroberung dieser Ölfelder. Im übrigen warnt er, Kuwait sei ja ohnehin historisch ein Teil des Irak.

Die Arabische Liga hofft, dass die Spannung auf dem Verhandlungswege gelöst werden könne, denn man ist überzeugt, dass es Saddam weniger um Kuwait oder das Öl geht, sondern um Geld, das sein Staat dringend braucht, nachdem er durch den langjährigen Krieg mit dem Iran stark geschwächt ist.

Noch am 1. August gibt es im saudischen Jeddah den Versuch, den Konflikt auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Die Iraker verlassen die Verhandlungen aber und kuwaitische Zeitungen melden am 2. August, es seien noch mehr Vermittlungen und Verhandlungen nötig.

Als diese Zeitungen in Kuwait City verteilt werden, steht die Spitze der irakischen Verbände bereits am Stadtrand. Sie sind fast unbehindert auf der Abdaly Autobahn von der Grenze in den Süden gefahren, der Widerstand kuwaitischer Truppen war minimal und wirkungslos. Fremde Truppen gibt es zu der Zeit nicht in Kuwait, ebenso wenig ein militärisches Hilfsabkommen mit anderen als den arabischen Golf-Nachbarländern.

Obwohl die Invasion überraschend kommt, sind die Zeichen der letzten Tage vielen Kuwaitis bereits eine dringliche Warnung gewesen: Die Banken stellten Überweisungen ins Ausland ein und internationale Flüge waren ausgebucht. Offiziell aber wurde Zuversicht verbreitet - obwohl die Herrscherfamilie der Sabahs mit zu den ersten gehörte, die sich nach Saudi-Arabien in Sicherheit brachten. Und so mancher in Kuwait hielt denn die Einheiten auf der Autobahn zunächst für kuwaitisches Militär und fühlte sich sicher - allerdings nur sehr kurz.

Die irakischen Elitetruppen, die nach Kuwait vorstoßen, machen einen großen Fehler: Sie werden in der Stadt stundenlang aufgehalten und - so absurd das klingt - sie verfahren sich wiederholt. Erst dann dringen sie weiter in den Süden vor und erobern den Rest des Scheichtums. Sie brauchen aber mehrere Tage, bis sie Kuwait einigermaßen unter Kontrolle gebracht haben. Und niemand nimmt Bagdad ab, dass es in Kuwait einen Umsturz gegeben habe und der Irak die neuen Herren unterstütze.

Am 8. August wird klar, dass dies eine Lüge ist: Bagdad ruft Kuwait zur 19. Provinz aus. Mindestens 200.000 irakische Soldaten befinden sich zu dem Zeitpunkt in Kuwait. Ausländische Botschaften, die einen Teil der in Kuwait lebenden Ausländer aufgenommen haben, werden gezwungen, zum 24. August zu schließen und ihre Insassen über Bagdad zu evakuieren.

"Mein Land steht unter Besatzung, mein Volk leidet, und ich appelliere erneut an Sie um Beistand und Hilfe." Der kuwaitische UNO-Botschafter vor der Weltorganisation.

US-Präsident gehört zu den entschiedensten Fürsprechern von Gegenmaßnahmen: "Dies wird nicht Bestand haben, diese Aggression gegen Kuwait."

Bush versichert, jetzt sei "eine Linie im Wüstensand gezogen", und der UN-Sicherheitsrat erklärt die Annektierung Kuwaits durch den Irak für ungültig. Aber es gehen Monate politischen Gerangels ins Land: Saddam Hussein wird aufgefordert, seine Truppen wieder abzuziehen, er denkt aber nicht daran.

Washington und eine beachtliche Gruppe von 32 verbündeten Staaten bereiten den Gegenangriff vor oder entsenden Truppen nach Saudi-Arabien. Im Januar 1991 stehen dort eine halbe Million Soldaten.

Am 16. Januar beginnen Luftangriffe auf den Irak und die irakischen Truppen in Kuwait. Bagdad antwortet unter anderem mit Raketenangriffen auf Israel - offenbar in der Hoffnung, dass ein Gegenangriff Israels die arabischen Verbündeten der USA abspenstig machen würde. Israel hält sich aber zurück.

Der Angriff der Alliierten mit Bodentruppen beginnt am 23. Februar. Drei Tage später kontrollieren die Alliierten Kuwait, am 27. Februar erklären sie einen Waffenstillstand, Bagdad stimmt am 3. März zu - sechs Wochen nach den ersten Luftangriffen. Die "Operation Desert Storm" ist zu Ende.

In Kuwait kehren die Sabahs wieder an die Macht zurück, und das Leben normalisiert sich wieder - ohne freilich demokratischer zu werden als zuvor. Im Irak wiederum ändert sich grundsätzlich nichts: Saddam Hussein bleibt im Amt und kann sich auch gegen die international verhängten Sanktionen durchsetzen. Er legt sich mit Amerikanern und Vereinten Nationen an und gewinnt langsam auch wieder die Sympathie anderer arabischer Länder, weil unter den Sanktionen in erster Linie die unschuldige Zivilbevölkerung zu leiden hat.

Autor: Peter Philipp
   
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