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3.8.1922: Das erste Hörspiel
M: "Jack! Jack, was ist denn geschehen?"
J.: "Die Lampen sind ausgegangen."
M: "Wo bist du?"
J.: "Hier!"
M: "Wo? kann dich nicht finden!"


Mary und Jack sind in einer Kohlegrube verschüttet.

M.: "Warum sind denn auf einmal alle Lampen aus?"
J.: "Was weiß ich? Sie werden sicher gleich wieder angehen."
M.: "Meinst du?"

Danger heißt dieses Hörspiel von Richard Hughes. Es wurde im Januar 1924 erstmals in London aufgeführt. Damals, als der Hörfunk laufen lernte, entstanden auch schon Hörspiele. Experten sind sich uneinig, wann zum ersten Mal ein Hörspiel produziert wurde. Für einige ist "Der Wolf" das erste, gesendet bereits am 3. August 1922 in den USA. Andere sehen wiederum im gehörten "Danger" das weltweit erste Hörspiel.

Nur von "Danger" existieren mehrere Nachproduktionen. Das junge Paar, Mary und Jack, und der alte Mister Bax sind in einem dunklen Bergwerk gefangen. Aus einer Version des Norddeutschen Rundfunks von 1962:

M.: "Das ist Wasser! Die Grube läuft voll, wir müssen ertrinken! Jack..."
J.: "Mary!"
(Singen im Hintergrund)
B.: "Ich wollte, ich hätte so viel Gottvertrauen wie diese Kumpels. Verdammt viel leichter stirbt sich's dann. Verdammt viel leichter."
M.: "Jack, Jack. Nein! Nein ich will noch nicht sterben. Ich will nicht! Ich will nicht! Ich will nicht!"
B.: "Wir müssen alle mal daran glauben, junge Frau!"

Die Originalaufnahme von Danger klang noch ganz anders. Es war damals noch nicht möglich, das Hörspiel aufzuzeichnen. Als "Danger" 1924 erstmals über den Äther ging, sprachen die Schauspieler ihren Text live und trugen dazu sogar Kostüme.

In einer Zeit, in der es keinen Fernseher gibt, gewinnt das Hörspiel rasch an Popularität. Ende der 1930er Jahre blüht die neue Form der Radiounterhaltung. Auch Bertolt Brecht arbeitet einige seiner Werke hörfunkgerecht auf. Neben solchen Anleihen aus der Literatur ist auch die Darstellung fingierter Katastrophen beliebt, wie bei "Danger".

(Knall)
M.: "Jack!"
J.: "Mein Gott, Mary!"
M.: "Jack, Jack, was war das?"
(Knall, Einsturzgeräusche, Husten)
M.: "Der Staub, ich krieg gar keine Luft mehr. Ich kann nicht mehr atmen. Jack!"
J.: "Hör auf zu schreien. Wie willst du denn Luft kriegen, wenn du so schreist?"
M.: "Jack!"
J.: "Reiß dich zusammen, Mary. Es ist ja gar nichts geschehen. Es ist ja niemand verletzt."

Als diese neue Aufnahme von "Danger" entsteht, ist das Hörspiel kurz vor einer erneuten Blütezeit. Mitte der 1960er Jahre entdecken viele Autoren die Lust zu experimentieren. Aus dem Hörspiel wird ein Schall und Klangspiel. Alles ist erlaubt: Das sogenannte "Neue Hörspiel" entsteht.

Heute schalten nur noch zwei Prozent der Hörer das Radio ein, wenn ein Hörspiel läuft. Aber gegen den Trend erfreut sich das Hörbuch wachsender Beliebtheit. Meist sind sie länger als das Erstlingswerk "Danger". Nach 20 Minuten steht den Eingeschlossenen Mary, Jack und Mister Bax das Wasser schon bis zum Hals, doch plötzlich hören sie ein Klopfen.

J.: "Da klopft jemand!"
(Klopfen)
M.: "Es geht mir schon bis zur Hüfte, Jack!"
J.: "Wir sind hier! Hier! Hier unten. Sie retten uns vielleicht."
B.: "Hilfe! Macht doch schneller ihr Hunde. Los schneller, wir ertrinken! Schnell, schnell!"
(Durchbruch)
M.: "Die sind durch."
Retter: "Packt das Tau, ihr da unten."
B.: "Festhalten!"

Die Retter ziehen Mary und Jack nach oben.

Retter: "Und jetzt kommt der dritte. Da ist das Seil. Fang auf da unten!"
(Ruhe)
J.: "Bax! Bax! ... Bax?"

Autor: Gábor Halász
   
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