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6.8.1890: Erste Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl
William Kemmler wäre wahrscheinlich nicht in die Geschichte eingegangen, nur weil er seine Braut ins Jenseits befördert hatte. Das haben andere vor ihm getan. Es war vielmehr sein eigenes Ableben, das dem deutschstämmigen Amerikaner einen Platz in den Geschichtsbüchern einbrachte.

Am 6. August 1890 wurde Kemmler im Staatsgefängnis des US-Bundesstaates New York als erster Mensch auf einem elektrischen Stuhl hingerichtet. Und diejenigen, die sich die Suche nach einer humanen Hinrichtungsmethode auf die Fahnen geschrieben hatten, waren mit ihrem Werk zufrieden. Zwei Stromstöße von fast zweitausend Volt galten in den USA fortan als die geeignetste Methode der Hinrichtung.

Doch Jahre später sind die Meinungen geteilt. Ist es Galgenhumor, wenn Gefängnisaufseher den elektrischen Stuhl heute sarkastisch 'old sparky', also den alten Funkenschläger nennen? Nicht nur. Immer wieder nämlich gerät die angeblich so humane Methode des Tötens - der Begriff alleine sollte Funken schlagen - zum Fiasko.

Manche Verurteilte sterben nicht an den Stromstößen, sondern sie verbrennen bei lebendigem Leib. Bei anderen gehen Körperteile mitsamt der Hinrichtungsvorrichtung in Flammen auf. Hinrichtungen müssen abgebrochen werden. Und selbst wenn alles funktioniert bieten die Muskelkrämpfe der Verurteilten doch ein allzu deutliches Bild von der Realität auf der Empfängerseite dieser angeblich so humanen Hinrichtungsmethode. Doch "Old Sparky" verrichtet trotzdem weiterhin in sechs US Bundesstaaten sein grausames Werk.

Und während sich bei Umfragen immer noch eine Mehrheit der Amerikaner für die Todesstrafe ausspricht, sind nur wenige mit Ihrer Realität vertraut, zu der der elektrische Stuhl so viel beigetragen hat.

Schwester Helen Prejeun: "Wenn ein Mensch hingerichtet wird, geschieht dies in der Regel mitten in der Nacht hinter den hohen Mauern eines Gefängnisses. Die Menschen kommen also nicht wirklich damit in Berührung."

Die Ordenschwester Helen Prejeun ist die prominenteste Kämpferin gegen die Todesstrafe in den USA. Ihr Tatsachenbericht "Dead Man Walking" wurde mit Susan Sarandon und Sean Penn in den Hauptrollen verfilmt.

Das ist eine der moralischen Dimensionen der Todesstrafe. Natürlich kann man sich in juristischen Büchern auf den Standpunkt stellen, dass es die Verurteilten verdient haben, zu sterben. Aber wer hat es verdient, sie töten zu müssen. Tatsächlich haben viele Gefängnisbeamte in den USA erhebliche Schwierigkeiten mit dem Vollzug der Todesstrafe. Viele sehen sich den zusätzlichen Belastungen, wenn es zu Komplikationen zum Beispiel durch den elektrischen Stuhl kommt, nicht gewachsen.

Bei der Hinrichtung des Mörders Pedro Medina in Florida vor einigen Jahren, prasselten Funken um den Kopf des Verurteilten. Ein Arzt stellte nach den vorgeschriebenen Stromstößen fest, dass Medina noch lebte. Die Stromstärke wurde erhöht, bis der Tod eintrat. Bei einer späteren Obduktion wurde nachgewiesen, dass Medina die Hinrichtung bei vollem Bewusstsein erlebt hatte.

Es gibt Befürworter der Todesstrafe, die solche grausamen Pannen mit dem elektrischen Stuhl für eine zusätzliche Abschreckung halten. Floridas Generalstaatsanwalt warnte Kriminelle nach dem Medina-Zwischenfall öffentlich, sie sollten keine Verbrechen in Florida begehen. Schließlich könne 'Old Sparky' ja auch bei Ihnen einen Aussetzer haben.

Es gibt aber auch Befürworter der Todesstrafe, die ernsthafte Zweifel an der Funktionalität des elektrischen Stuhls haben. Dies hat oft aber weniger mit Mitgefühl zu tun, als vielmehr mit rechtlichen Überlegungen. Die US-amerikanische Verfassung verbietet nämlich ausdrücklich grausame und ungewöhnliche Strafen, und das macht den Gebrauch von 'Old Sparky' nach Meinung vieler Anwälte zum Verfassungsbruch.

Autor: Robert Burdy
   
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