Kalenderblatt dw.com
 
12.9.1940: Erster Jeep vorgestellt
Ein merkwürdiges Gefährt, das der aus Deutschland stammende Ingenieur Karl K. Probst innerhalb von nur fünf Tagen entworfen hat und dessen Prototyp innerhalb von 49 Tagen fertig ist. Der erste "Jeep" erblickt in Butler im US-Staat Pennsylvania das Licht der Welt, hergestellt von der Firma Bamtam, einer Firma, die von 1930 bis 1941 Fahrzeuge produziert, dann aber vom Markt verschwindet.

An diesem 12. September 1940 wissen selbst Konstrukteur Probst und seine Mitarbeiter wohl nicht, dass ihnen ein genialer Wurf gelungen ist, erst recht nicht, dass das von ihnen vorgestellte Gefährt unter dem Namen "Jeep" weltberühmt werden würde. Dieser Name wird erst später von der Abkürzung "G.P." abgeleitet, die für "general purpose" steht - zu Deutsch "Allzweck".

Überhaupt ist dies eine äußerst ungewöhnliche Angelegenheit: Am 27. Juni 1940 veröffentlicht das Pentagon eine öffentliche Ausschreibung, nach der 135 Kraftfahrzeug-Hersteller eingeladen werden, binnen 75 Tagen einen vierradgetriebenen Vierteltonner zu entwickeln und davon 70 Exemplare zu liefern. Die Bedingungen sind so hart, dass sich nur drei melden und auch diese nur mit Mühe in der Lage sind, die strikten Auflagen wenigstens einigermaßen zu erfüllen.

Den Zuschlag erhält "Bantam", und die ersten Exemplare werden nach Großbritannien und in die Sowjetunion geliefert. Aber Konkurrent "Willys-Overland" entwickelt unbeirrt weiter und beginnt im November 1940 ausgedehnte Tests mit seinem Modell, dem dann wirklich ersten "Jeep". Denn Willys übernimmt rasch die Produktion insgesamt und wird zum Lieferanten der Streitkräfte, denn:

Joachim Franzen: "Der Hauptvorteil von dem Willys Jeep war einmal seine niedrige Bauweise, dass er im Gelände sehr schlecht auszumachen war. Er hatte eine hohe Zuladung damals schon, und von Anfang an war der Motor ein Hauptargument, dieses Fahrzeug bei der Armee einzusetzen. Es war damals einer der leistungsstärksten Motoren, die auf dem Markt waren."

Joachim Franzen ist einer der bekanntesten Jeep-Experten in Deutschland. Ihm fällt natürlich gleich ein weiterer Vorteil des Jeep ein, nämlich die Flexibilität bei seinem Einsatz und die Leichtigkeit, ihn zusammenzusetzen:

Franzen: "Fahrzeuge wie der Willys wurden teilweise auch als einzelne Baugruppen per Fallschirm abgeworfen. Wenn sie nicht mit dem Schiff zum Einsatzort kamen oder mit der Bahn, war's den Soldaten möglich, so ein Fahrzeug in circa einer halben Stunde einsatzfähig zusammenzubauen aus Einzelbaugruppen. Und das konnte man an jedem Ort der Welt machen."

Ursprünglich war der Jeep nur als Militärfahrzeug konzipiert, er wurde noch im Koreakrieg eingesetzt und wird in Israel wie Indiens bis heute in Lizenz gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er aber rasch, die Herzen auch von Zivilisten zu erobern, und es wurden die so genannten "CJ"-Serien aufgelegt, die "civilian jeeps".

Und diese haben die Militärversion bis heute überlebt: Jeeps werden als Nutzfahrzeuge von den unterschiedlichsten Unternehmen in unwegsamem Gelände eingesetzt, sie erfreuen sich aber auch großer Beliebtheit als "Fun"-Autos, die einfach Spaß machen, ohne dass ihre Besitzer sie wirklich voll ausnutzen:

Franzen: "Die Grenzen des Jeeps liegen meist in den Fähigkeiten des Fahrers. 'Jeep' - sag ich immer - ist eigentlich ein Virus mit vier Buchstaben. Er hat eine gewisse Ausstrahlung, er bringt immer so etwas Amerikanisches rüber: Freiheit, Abenteuer".

In Deutschland kann man das natürlich nicht überall verwirklichen und sich einfach in der Natur "austoben". Aber im Kreis der Jeep-Freunde gibt es inzwischen doch etablierte Treffen und Geländefahrten, Lehrgänge und auch Wettbewerbe. Natürlich auch internationale Touren und Treffen, bei denen man - zum Beispiel in den USA - mal so richtig durch felsiges Terrain oder durch tiefe Bäche fahren kann, von Schlammpfaden und tiefen Pfützen natürlich ganz abgesehen.

Und das Restaurieren alter Jeeps ist zu einem besonderen Steckenpferd geworden. Nicht nur von Joachim Franzen, der gleich fünf Jeeps auf seinem Grundstück stehen hat in verschiedenen Ausführungen und Wiederaufbaustufen. Franzens Schwäche für die starken Autos hat längst auch auf Nachbarn und Freunde in seinem heimatlichen Eifeldorf abgefärbt, wo es inzwischen Dutzende von Jeeps gibt. Einer davon fährt kurz vor und lässt den 6,5 Liter Motor mal richtig aufheulen. Jeepfreunde können sich kein schöneres Geräusch vorstellen.

Autor: Peter Philipp
   
Zitat des Tages
    
Zitat des Tages
Ein Generalist ist ein Mensch, dem auch zum ausgefallensten Thema noch ein Gemeinplatz einfällt.
  > Lore Lorentz
> RSS Feed
  > Hilfe
Welcher Zar leitete im 18. Jahrhundert zahlreiche Reformen in Russland ein?
  Iwan der Schreckliche
  Zar Nikolaus III.
  Zar Peter der Große
  Newsletter abonnieren
  Versenden Sie virtuelle Grüße