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13.9.1993: Oslo-Abkommen unterzeichnet
"Heute sind wir Zeugen eines außerordentlichen Aktes in dem Drama, das die Geschichte ausmacht. Ein Drama, das zur Zeit unserer Vorfahren begann, als das Wort von einem schmalen Landstrich zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer ausging. Dieses Stück Land, dieses Land des Lichtes und der Offenbarung, ist die Heimat der Erinnerungen und Träume von Juden, Moslems und Christen in aller Welt."

Auf dem Rasen des Weißen Hauses hat US-Präsident Bill Clinton den israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, seinen Außenminister Shimon Peres und PLO-Führer Yasser Arafat zusammengebracht, um ein Dokument zu unterzeichnen, dass der Anfang vom Ende eines jahrzehntelangen Konflikts sein soll. Das "Oslo-Abkommen", das in monatelangen Geheimverhandlungen zwischen israelischen und palästinensischen Unterhändlern in der Abgeschiedenheit Norwegens diskutiert und ausgehandelt worden war.

Die Welt war von der Nachricht überrascht worden, denn zu der Zeit war es in Israel sogar noch strafbar, auch nur Kontakte mit der PLO zu unterhalten. Aber nach der Vermittlung norwegischer Diplomaten hatte sich in der Umgebung von Shimon Peres die Einsicht durchgesetzt, dass solch ein Verbot ignoriert werden müsse, denn nur mit seinen Feinden könne - und müsse - man ja Frieden schließen.

Bill Clinton spricht denn auch in seiner Eröffnungsrede davon, dass das umstrittene Land im Nahen Osten zu lange bereits eine Quelle für Konflikte und Blutvergießen gewesen sei und dass dies seit Beginn des Jahrhunderts der gesamten Region und ihren Menschen großen Schaden zugefügt habe. Auch ohne Kenntnis der geschichtlichen Hintergründe ist den Zuschauern klar, dass die Akteure ihrer Sache noch nicht ganz sicher sind.

Besonders dem israelischen Ministerpräsidenten Rabin ist das anzusehen. Clinton muss ihm förmlich den Arm zum Handschlag mit Yasser Arafat vorschieben. Rabin hatte von den Verhandlungen erst in einem späteren Stadium erfahren, und er hat sichtliche Mühe, dem Mann die Hand zu reichen, den er bis eben noch bekämpft hatte:

Rabin: "Diese Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung ist nicht so leicht. Weder für mich selbst als Soldat in Israels Krieg, noch für das Volk in Israel oder das jüdische Volk in der Diaspora, die uns jetzt mit großer Hoffnung beobachten, vermischt mit Zweifel".

Israelis und Palästinenser vereinbaren, dass die meisten Teile der im Sechstagekrieg besetzten Gebiete westlich des Jordan schrittweise den Palästinensern übergeben werden und dass diese dort eine autonome Selbstverwaltung errichten.

Für die Palästinenser steht fest, dass am Ende der auch vereinbarten Abwicklungszeit des Oslo-Abkommens von sieben Jahren die Ausrufung ihres eigenen Staates steht. In Israel sieht man das zu diesem Zeitpunkt noch anders, aber PLO-Führer Arafat ist anzuhören, dass er diesem Tag die ihm zustehende historische Bedeutung beimisst:

Arafat: "Im Namen Allahs, des Gnädigen und Gütigen: Herr Präsident, meine Damen und Herren. Ich möchte unsere besondere Dankbarkeit aussprechen gegenüber Präsident Clinton und seiner Verwaltung, dass sie dieses historische Ereignis ermöglicht haben, auf das die ganze Welt gewartet hat. Herr Präsident: Ich ergreife diese Gelegenheit, Ihnen und auch dem großen amerikanischen Volk zu versichern, dass wir Ihre Wertschätzung von Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenrechten teilen. Werte, für die mein Volk gekämpft hat."

In Washington und auch im Nahen Osten herrscht zu diesem Zeitpunkt noch eine gewisse Euphorie, dass jetzt der große Durchbruch gelungen und der Weg zum ewigen Frieden geöffnet sei. Keiner ahnt natürlich, dass Yitzchak Rabin für die Unterzeichnung des Abkommens ein Jahr später ermordet werden würde, dass unter seinem konservativen Nachfolger Netanjahu der Friedensprozess der Friedensprozess fast völlig zum Stillstand kommen wird und dass selbst nach der Wahl von Ehud Barak 1999 kein unmittelbarer Durchbruch erzielt wird, dass nur Wochen vor Ablauf der in Oslo gesetzten Siebenjahresfrist sogar der Versuch eines zweiten Camp David Abkommens scheitert.

Und dennoch, auch Jahre nach der Unterzeichnung gilt, was Yasser Arafat am 13. September 1993 vor dem Weißen Haus sagt:

Arafat: "Mein Volk hofft, dass dieses Abkommen, das wir heute unterzeichnen, den Anfang vom Ende eines Kapitels von Schmerz und Leiden darstellt, das dieses ganze Jahrhundert hindurch angedauert hat. Mein Volk hofft, dass dieses Abkommen, das wir heute unterzeichnen, ein Zeitalter des Friedens, der Koexistenz und Gleichberechtigung einläuten wird. Wir verlassen uns auf Ihre Rolle, Herr Präsident, und auf die Rolle all der Staaten, die glauben, dass es keinen Frieden in der Welt ohne Frieden im Nahen Osten geben kann."

Autor: Peter Philipp
   
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