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16.9.1964: Stiftung Warentest gegründet
"Nähmaschinen im Examen", ein spannender Titel war das 1966, als die erste Ausgabe der Zeitschrift "test" im Handel erschien. 15 Monate hatte es immerhin gedauert vom ersten Beschluss des Kabinetts Adenauer am 16. September 1964, die Stiftung Warentest zu gründen, bis hin zu diesem ersten Heft. Offiziell ist die Stiftung ein "Institut zur Durchführung vergleichender Waren- und Dienstleistungsuntersuchungen.

Schon der Start war ein Test. Würde es gelingen, im System der Marktwirtschaft eine solche Institution zu verankern? Aber es war die Zeit des Wirtschaftswunders, und mehr und mehr Produkte drängten auf den deutschen Markt, erinnert sich der Pressesprecher der Stiftung Warentest, Wolfgang Springborn:

"1964 war die Zeit, wo viele Familien sich zum ersten Mal in ihrem Leben eine Waschmaschine kauften, sehr viel erspartes Geld auf den Tisch legen mussten. Und da war die Sorge natürlich sehr groß, das Geld in das falsche Produkt zu investieren. Und aus dieser Situation heraus war es eigentlich zwingend zu sagen, der Verbraucher braucht hier Hilfe, er muss wissen, was er tut, denn er kann natürlich nicht zehn Waschmaschinen parallel laufen lassen, um zu sehen, welche die beste ist. Und deswegen ein unabhängiges Prüfinstitut, was ihm eben da qualifiziert und unabhängig berät, damit er eben auch in der Marktwirtschaft seine wichtige Rolle wahrnehmen muss, nämlich überteuerte, qualitativ schlechtere Produkte vom Markt sozusagen durch seine mangelnde Nachfrage vom Markt zu verdrängen."

Ein Qualitäts- und Preis-Kompass für den Verbraucher wollte und will man bei der Stiftung sein. Eine Idee, die aus den USA stammt. Dort hatten sich bereits Ende der 1920er Jahre Konsumenten in Verbänden organisiert. Sie veröffentlichten vergleichende Produkttests. Consumers Research Magazine und Consumer Reports waren die Vorläufer einer Entwicklung, die in Europa erst nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte.

Blickt man durch die Hefte der vergangenen 36 Jahre, so wird klar, getestet wird einfach alles. Von Apfelschälern über Kaffeemühlen bis hin zu Zigarren. Und so ist es nicht verwunderlich, dass 96 Prozent der Deutschen die Stiftung kennen und ihr sogar noch vor der Polizei und dem Roten Kreuz den höchsten Vertrauenswert geben, und das wohl auch, weil sie als Stiftung des bürgerlichen Rechts gänzlich unabhängig ist.

Wolfgang Springborn: "Grundsätzlich kaufen wir die Produkte im Laden wie der Verbraucher auch. Das hat Nachteile, weil wir natürlich mit dem Test von Prototypen schneller auf dem Markt wären, aber bei einem Prototyp weiß man nie, wie viel er mit dem Serienprodukt, das dann irgendwann auf den Markt kommt, gemein hat. Deswegen gehen wir den anderen Weg. Erst wenn es im Handel ist, kaufen wir es und testen es."

Die Unabhängigkeit wird derzeit allerdings von den Kürzungsplänen der Bundesregierung bedroht. (Stand: 2000) Der jährliche Zuschuss von 13 Millionen Mark soll auf acht Millionen schrumpfen. Dabei hat sich die Kontrollfunktion der Stiftung in den vergangenen drei Jahrzehnten bewährt. Firmen klagten zunächst gegen die Testergebnisse, doch in keinem der 62 Gerichtsfälle musste die Stiftung Schadenersatz leisten.

Heute ist ein Testurteil daher oft willkommene Zusatzwerbung für ein Produkt. Und durch die Tests hat sich in der Warenwelt zudem einiges erheblich verbessert: Produkte sind sicherer, sauberer und gesünder geworden, bestätigt Wolfgang Springborn. Die Angabe zum Lichtschutzfaktor auf Sonnenschutzmitteln und das Verbot von FCKW-haltigen Sprays seien direkte Erfolge der Warentester.

Wolfgang Springborn: "Verschoben hat sich das Interesse der Verbraucher. So sind heute nicht mehr so sehr die Nähmaschinen im Examen, sondern die Aktienfonds oder Mobil-Telefone. Stark nach vorne gegangen ist einmal die Ernährung und zweitens die Unterhaltungselektronik und die Kommunikationstechnologie, also Computer, Handy alles, was damit zusammenhängt und was sich seit Jahren immer weiter entwickelt hat, ist die Dienstleistungsuntersuchung, vor allem im Bereich Finanzdienstleistungen. Der Nachfrage nach diesen Informationen sind wir mit einer eigenen Zeitschrift nachgekommen, nämlich dem Finanztest, die jetzt neben der Zeitschrift test als zweites Schiff der Information bereit steht."

Insgesamt 3000 Warentests an 63.000 Produkten gab es seit 1966. Und die stetig wachsende Zahl an neuen Waren lockt die Tester jeden Tag aufs neue. Auch wenn es nicht leichter werden wird, mit den Entwicklungen immer Schritt zu halten.

Autor: Jens Teschke
   
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