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5.10.1968: Beginn des Bürgerkrieges in Nordirland
Eine Aufnahme vom 5. Oktober 1969. Der Reporter spricht von fünf Toten, 120 Verletzten. Es ist der Anfang des Bürgerkrieges in Nordirland. An diesem Tag bricht er in Derry los.

Die Bewohner eines katholischen Viertels riegeln ihren Stadtteil ab. Sie hatten zuvor demonstriert, und die Polizei ging mit Schlagstöcken auf sie los. Tagelang dauert die Schlacht mit der protestantischen Polizei. Ein Zeitzeuge erinnert sich an ein Erlebnis:

"Ein Einschussloch, fast einen Zentimeter groß. Man konnte das Gehirn heraushängen sehen. Wir riefen einen Krankenwagen, aber es kam keiner. Schließlich mussten wir ein Taxi nehmen. Ein paar Jungs halfen uns ihn aus dem Haus zu tragen. Man schoss auf sie. Einer kam heraus und rief: 'Wir sind unbewaffnet! Nicht schießen, wir bringen die Toten raus!' Sie schossen weiter und riefen: 'Es wird mehr Tote geben.'"

"The Troubles", wie die Konflikte genannt werden, begann schon vor vielen Jahrhunderten. Seit der normannischen Invasion im 12. Jahrhundert sind die Briten auf Irland präsent. Die Iren wurden stets benachteiligt. Oftmals lehnen sie sich auf, alle Befreiungsversuche scheitern aber. 1919 konstituiert sich in Dublin ein irisches Parlament, das die Briten jedoch nicht hinnehmen wollen. Fortan herrscht Krieg mit England, der bis 1921. Das ist auch die Zeit der Irischen Republikanischen Armee, der IRA, die während des Krieges entsteht.

1922 wird Irland dann geteilt: Aus Belfast wird der protestantische Norden regiert; in der Republik Irland leben dagegen hauptsächlich Katholiken mit Dublin als Hauptstadt. Irland betrachtet die Teilung nur als vorübergehend, so steht es in der Verfassung. Im Norden wird die katholische Minderheit ignoriert und ausgegrenzt, bei der Wahl werden sie benachteiligt. Ende der sechziger Jahre protestieren die Katholiken zunächst friedlich, bis es am 5.10. 1969 losbricht. Der protestantische Pfarrer Eric Gallagher ist entsetzt:

"Ich bin angewidert, ich weiß nicht ob ich je so angewidert war. Ich fühle mich nutzlos. Seit 30 Jahren versuche ich in dieser Stadt Anstand und Nächstenliebe zu vermitteln. All das bricht jetzt in mir zusammen. Wozu die Mühe? Ich fühle mich hoffnungslos, hilflos."

Noch kurz zuvor hatte er einen flammenden Appell an alle Iren gerichtet: "Ich appelliere an euer Gewissen mit all dem Glauben zu dem ich fähig bin. Um Gottes Willen: Lasst uns bei Verstand bleiben! Um Gottes Willen: Bewahrt den Frieden!"

Anfang der 1970er Jahre wütet eine britische Spezialpolizei. Sie darf Wohnungen ohne richterlichen Beschluss durchsuchen und ebenso einfach jemanden festnehmen.

In zahlreichen Städten entstehen Ghettos, die Menschen leben streng nach Glauben getrennt. Immer wieder wird geschossen. Viele Nächte enden schlaflos, die Angst ist immer da. Besonders die Kinder leiden unter der Situation, erzählt eine deutsche Ärztin, die in Nordirland arbeitet: "Jedes zweite Kind hat Krätze und die Kinder können nachts nicht schlafen, und das mit dieser Schießerei zusammen ist einfach fürchterlich."

Ebenso berichtet sie von der großen Armut: "Die Häuser sind so feucht, dass das Wasser von den Wänden herunterläuft. Das Haus besteht aus einer kleinen Wohnstube unten mit einem Kamin und einer kleinen Küche. Wenn man in das Haus hinein kommt, kommt man sofort in die Wohnstube und zum Kamin. Abgeteilt ist eine Treppe, die sehr, sehr steil ist, die führt zur Bettstube, die sehr feucht ist. Die Betten sind voller Flöhe, dreckig, lange, lange nicht gewaschen. Es hängt das Jesus-Bild über dem Bett. Daneben steht eine Teetasse, Nerventabletten dazu um sich zu beruhigen."

Heute leben in Nordirland rund 600.000 Katholiken und ungefähr 900.000 Protestanten. Das größte Problem ist immer noch die Massenarbeitslosigkeit. Im Schnitt sind 36 Prozent der Katholiken ohne Job, aber nur 14 Prozent der Protestanten.

Autor: Gábor Halász
   
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