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12.10.1971: "Jesus Christ Superstar" uraufgeführt
Anfang der 1970er Jahre erwachte in den USA eine neue Religiosität. Nach James Dean, Elvis, den Beatles und Woodstock wurde Jesus Christus zum neuen Idol weiter Teile der Jugend. Sichtbarer Ausdruck dieser Welle war der enorme Erfolg der Rockoper "Jesus Christ Superstar". Sie machte den Komponisten Andrew Lloyd Webber und den Texter Tim Rice über Nacht weltberühmt.

Der internationale Triumph von "Jesus Christ Superstar" begann bereits 1970, als ein Jahr vor der Uraufführung des Musicals in New York die gleichnamige Schallplatte in Großbritannien veröffentlicht wurde - allerdings wies zunächst gar nichts auf einen Verkaufserfolg hin. Das änderte sich jedoch, als die Musik in den USA wie eine Rakete einschlug und zweieinhalb Millionen Schallplatten innerhalb von zwölf Monaten verkauft wurden. Für Webber und Rice öffnete das die Türen zum Broadway.

"Jesus Christ Superstar" war das erste Musical in der Broadwaygeschichte, das auf einer Plattenproduktion basierte und das erste, das schon vor den Proben ein Erfolg war. Als sich der Vorhang im New Yorker Mark Hellinger Theater zur ersten von insgesamt 720 Aufführungen hob, war das Stück bereits für sechs Wochen im Voraus ausverkauft und hatte schon im Vorverkauf über eine Million Dollar eingespielt.

Kritiker und Kritiken

"Phantastisch" - so lauteten mehrheitlich die spontanen Reaktionen des Premierenpublikums auf das Musical, das in einer als Song-Zyklus gestalteten epischen Bilderfolge die letzten sieben Tage des Lebens von Jesus Christus schildert. Regisseur war Tom O´Horgan, der 1968 schon das Musical "Hair" inszeniert hatte.

Während im Saal das Publikum die Rockoper von Webber und Rice mit stehenden Ovationen feierte, protestierten vor den Türen des Theaters konservative religiöse Gruppen. Unbeeindruckt von den Rufen "Blasphemie" hatte sich auch New Yorks damaliger Bürgermeister John Lindsay seinen Weg durch die Demonstranten gebahnt. Auf die Frage, ob er das Musical anstößig finde, meinte er: "Nein, ich finde es großartig."

Zu den Kritikern gehörte auch das American Jewish Committee. Dort befürchtete man durch eine angebliche Stilisierung der Juden als Mörder eine Verschlechterung der christlich-jüdischen Beziehungen. Dazu meinte ein jüdischer Besucher der Premiere: "Das Stück geht überhaupt nicht hart mit den Juden um. Da stehen im Neuen Testament ganz andere Sachen." Katholische Kreise warfen der Inszenierung vor, die Göttlichkeit von Jesus zu leugnen und Judas zum Helden zu machen.

Während Schauspieler und Musiker in der Nacht vom 12. Oktober 1971 mit ihren geladenen Gästen im Lokal "Tavern On The Green" eine der bis dato teuersten und extravagantesten Premierenparties feierten, fieberten Webber, Rice, O´Horgan und Produzent Robert Stigwood den ersten Kritiken entgegen. Diese fielen nicht gerade prächtig aus, wenn man von der "Daily News" absieht, die das Stück als "Triumph" feierte. Der Fernsehsender "ABC" war weniger begeistert: "Enttäuschend" lautete hier das Urteil. Es war vor allem die Inszenierung selber, die viele Kritiker als zu ereignislos bezeichneten. Doch weder Proteste noch die schlechten Kritiken konnten den weltweiten Erfolg von "Jesus Christ Superstar" beim Publikum aufhalten.

Autor: Michael Kleff
   
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