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13.10.1895: Kurt Schumacher geboren
Konrad Adenauer - ein Name, der wie kein anderer für die Anfangsjahre Westdeutschlands steht. Kurt Schumacher dagegen, damals der große Gegenspieler? Der erste Vorsitzende der SPD, der zweifelsohne ebenfalls zu den "politischen Vätern" der Bundesrepublik gezählt werden kann, scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Umfrage
"Wer für mich ´n guter Politiker war, war der Herr Genscher."

"Willy Brandt! Ja, weil er mir sehr imponiert hat."
"Ich würde sagen Konrad Adenauer und Helmut Kohl, weil die Leute für uns was getan haben."
"Für mich war immer der Helmut Schmidt der Beste."
"Adenauer, weil er es geschafft hat, das deutsche Volk wieder nach außen zu vertreten, dass wir wieder das sind, was wir heute sind!"

Die Positionen der bedeutendsten Politiker der letzten Jahrzehnte nehmen also andere ein. Und dass, obwohl Kurt Schumacher eine nicht minder prägende Rolle für Deutschland gespielt hat.

Schon im Ersten Weltkrieg meldete sich der überzeugte Sozialist als Freiwilliger an die Front. Am 2. Dezember 1914 traf Schumacher der erste schwere Schicksalsschlag: Sein zerfetzter, rechter Arm musste amputiert werden.

1930 wurde Schumacher Mitglied des Reichstags. Vehement setzte er sich gegen Kommunisten und Nationalsozialisten ein. Die "preußische Revolverschnauze", so sein Spitzname, beschimpfte die Kommunisten als "rotlackierte Doppelausgaben der Nazis". Die Politik Hitlers brandmarkte er als "dauernden Appell an den inneren Schweinehund". Der Schweinehund sollte schließlich siegen.

Im Juli 1933 begannen für den Sozialdemokraten zehn äußerst brutale KZ-Jahre. Als schwerkranker Mann wurde er 1944 entlassen. Magenleidend und zuckerkrank, aber geistig ungebrochen, erschöpfte er sich im Wiederaufbau seiner Partei.

Schumacher kam nie an die Regierung, aber auch als Oppositionspolitiker sah er die Chance, seine politischen Ziele durchzusetzen: "Das Wesen der Opposition ist der permanente Versuch, an konkreten Tatbeständen, mit konkreten Vorschlägen, der Regierung und ihren Parteien den positiven Gestaltungswillen der Opposition aufzuzwingen."

Viele Menschen unterstellten dem heroischem Mann Nationalismus. Die ätzende Schärfe seiner Formulierungen und der schrille Fanatismus in seiner Stimme lösten im In- und Ausland schwerste Irritationen aus:

"Meine Damen und Herren! Deutschland ist ein nicht wegzudenkendes Stück Europa! Es ist nicht das Vorfeld der anderen Länder Europas, sondern auch Deutschland ist Europa selbst. Deutschland ist ebenso verteidigungswert und das deutsche Volk ebenso verteidigungswürdig, auch für die anderen demokratischen Völker der Welt, wie irgendein Land oder Volk in der Demokratie der Welt sonst noch draußen..."

Schumachers politisches Bestreben war jedoch nicht die Europäisierung sondern die Wiedervereinigung Deutschlands. Die europäische Idee blieb für den SPD-Vorsitzenden blanker Hohn, solange sein Land auf eine nationale Einheit verzichten sollte. Als ehemaliger KZ-Insasse fühlte er sich im Recht, die Gleichberechtigung Deutschlands im Verhältnis zu anderen Staaten zu fordern.

"Wir sollten auch uns dankend verbitten, von außen her Belehrungen über unsere Verpflichtung zur Verteidigung der Freiheit zu bekommen. Wir sollten aber auch das innerpolitische Bardengedröhn von der Verteidigung von Weib und Kind und Haus und Hof nicht in eine falsche Gegensätzlichkeit zu den Tatsachen bringen zu lassen. Man soll nie eine große Idee und ein großes Gefühl in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Propaganda entwickeln."

Die ersten Früchte seiner Politik konnte Kurt Schumacher jedoch nicht mehr ernten. 1948 erkrankte der Sozialdemokrat schwer und musste sich nach einer Operation das linke Bein amputieren lassen. Vier Jahre später starb er an den Folgen einer akuten Kreislaufstörung.

Autorin: Daniela Ziemann
   
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