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16.10.1963: Ludwig Erhard wird Kanzler
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Große Bedenken hatte Kanzler Konrad Adenauer im Vorfeld: Immer wieder versuchte er, die Qualifikation von Ludwig Erhard als Regierungschef in Frage zu stellen. Wo er konnte, wich Adenauer den Fragen nach seinem Wirtschaftsminister aus: "Sie meinen mit anderen Worten, ob Herr Erhard mein Nachfolger wird, nicht? (...) Wissen sie nicht, dass der Bundespräsident das Recht hat, einen Mann vorzuschlagen als Bundeskanzler?"

Wechsel im Kanzleramt

Trotz der Bedenken Adenauers kürte die CDU/CSU-Fraktion bereits im April 1963 Erhard als Kanzler-Kandidaten. Als Adenauer nach 14 Jahren als Bundeskanzler zurücktrat, übernahm sein Wirtschaftsminister den Staffelstab. Am 16. Oktober wählte der Bundestag Ludwig Erhard zum zweiten Kanzler der Bundesrepublik.

Erhard sagte damals: "Meine Politik ist eine Politik der Mitte und der Verständigung. Und der Weg in die Zukunft wird uns weiter aufwärts führen. Aber er bleibt voller Gefahr. Bezeugen wir Mut, Gewissen und Solidarität."

Ludwig Erhard wurde 1897 in Fürth geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der studierte Betriebswirtschaftler Direktor für Wirtschaft in den westlichen Besatzungszonen. Danach gehörte er vier Mal hintereinander zum Kabinett Adenauer. Ludwig Erhard gilt als Vater des Wirtschaftswunders. Er war es, der den Marshall-Plan unterstützte und die so genannte "Soziale Marktwirtschaft" auf den Weg brachte. Als Kanzler führte er im Wesentlichen die Politik seines Vorgängers fort.

Der Wind drehte

Ludwig Erhard fehlte als Kanzler jedoch eine glückliche Hand. Er wollte der Volkskanzler sein, doch Kritiker warfen ihm fehlende Führungsqualitäten vor - und Vorgänger Adenauer blieb stets ein unbequemer Mahner seines Amtsnachfolgers. 1965 gelang Erhard dennoch ein großer Wahlsieg: Er wurde wieder Bundeskanzler. Doch zunehmend wehte ihm ein kalter Wind ins Gesicht. Die wirtschaftliche Rezession belastete die öffentlichen Kassen. In dieser Situation ließen auch die Medien Erhard im Stich - er verlor dramatisch an Ansehen.

Im Oktober 1966 stritt die Koalition über den neuen Bundeshaushalt. Die FDP-Minister lehnten Steuererhöhungen strikt ab und traten deshalb geschlossen zurück. Ludwig Erhard regierte zunächst mit einer Minderheitsregierung weiter, doch seine Parteifreunde verhandelten bereits mit der SPD über eine große Koalition. Am 1. Dezember 1966 gab Erhard auf, er sagte: "Ich werde dem Bundespräsidenten meinen Rücktritt als Bundeskanzler erklären. Der Deutsche Bundestag wird danach einen neuen Bundeskanzler wählen."

Damals hatte die CDU schon längst Kurt-Georg-Kiesinger als Kanzlerkandidaten nominiert. Dieser führte eine große Koalition mit der SPD. Ludwig Erhard war nach 17 Jahren Regierungsverantwortung nur noch einfacher Abgeordneter: "Der Kanzlerwechsel ist für mich kein Abschied von der Politik. Ich werde mich auch weiter politisch engagieren. Gott schütze unser Vaterland."

Noch zweimal wurde Ludwig Erhard in den Bundestag gewählt. Am 5. Mai 1977 starb er kurz nach seinem 80. Geburtstag.

Autor: Gábor Halász
   
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