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1.3.1901: Schwebebahn eröffnet
"Die einen fahren auf der Schiene oder mit dem Auto auf der Erde, die anderen mit der U-Bahn unter der Erde, andere fliegen hoch in der Luft. Aber in Wuppertal macht man es anders."
In Wuppertal schwebt man. Und was einem Reporter 1951 das Pathos in die Stimme trieb, bescherte der Stadt zur Eröffnung für den Publikumsverkehr am 1. März 1901 einen Massenauflauf: die "einschienige Hängebahn", wie sie mit bürgerlichem Namen hieß, die Schwebebahn.

Ein Groschen für das Weltwunder

Einen Groschen kostete die Fahrt mit dem neuen Verkehrsmittel, das bei so manchem frühen Fahrgast für mindestens soviel Angstschweiß wie Stolz auf dieses Unikum sorgte. „Zeppeline können auch nicht viel besser fliegen - es ist ein Weltwunder“ schrieb ein Reporter der Frankfurter Zeitung. 10.000 Menschen vertrauten sich am 1. März den 26 rot-weißen Wagen an. Jeder wollte dabei sein, bei der Premiere der Bahn mit den Rädern auf dem Dach.

Nur einer fehlte bei der spektakulären Betriebseröffnung: Der Erfinder der Schwebebahn, der Kölner Ingenieur Eugen Langen, der sechs Jahre zuvor, mitten in den Bauarbeiten, gestorben war. Eigentlich hatte Langen gar nicht an Wuppertal gedacht, als er versuchte, aus seiner firmeneigenen Hängebahn zum Transport von Zuckersäcken ein innovatives Nahverkehrssystem zu machen.

Was den Berlinern nicht repräsentativ genug war und in München und Breslau als viel zu gefährlich eingeschätzt wurde, passte für die Stadt im Bergischen wie die Faust aufs Auge. Als der industrielle Innovationsschub um 1890 die zusammenwachsenden Schwesternstädte Barmen und Elberfeld erreichte, boten sich im Grunde gar keine Alternativen.

Das dicht bebaute, langgestreckte Tal der Wupper ließ keine Hoch-, der felsige Untergrund keine U-Bahn zu. Aber eine Lösung musste dringend gefunden werden. Kaum zu glauben, aber wahr: Schon vor der Massenmotorisierung gab es Staus. Und so blieb nur die Möglichkeit einer Hängebahn, deren geneigte Stützen ein wenig an stählerne Storchenbeine erinnern. Storchenbeine, die dabei den Wasserlauf nicht beeinträchtigen durften. Langens Clou bestand nun darin, einen Wagen zu konstruieren, der sich wie ein moderner Pendolino in die Kurven legen konnte. Eben nur mit den Rädern auf dem Dach.

Herausforderung Gottes

Dabei war die Schwebebahn für die Wuppertaler keine Liebe auf den ersten Blick. Aufgebrachte Bürger schrieen Zeter und Mordio, als um die Jahrhundertwende grünes Licht für das Pioniervorhaben Hängebahn gegeben wurde. 'Kann man sich etwas hässlicheres denken, als eine Bahn in hoher Luft, über dem schönen Bett der Wupper?', fragte ein Zeitungsleser. Andere warnten vor den gesundheitlichen Schäden des ungewohnten Schwebens und die Kirchen protestierten gegen diese „Herausforderung Gottes“.

Die meisten Kritiker, verstummten schnell, denn schließlich brauchte man nicht mehr anderthalb Stunden, um das Tal zu durchqueren, sondern nur noch eine halbe. Schon bald entdeckte man auch den ganz besonderen Reiz dieser neuen Form der Fortbewegung. Das neben Friedrich Engels und Pina Bausch berühmteste Kind Wuppertals, Else Lasker-Schüler, war "stolz auf die Schwebebahn. Ein Eisengewinde, ein stahlharter Drachen, windet und legt sich mit vielen Bahnhofsköpfen und sprühenden Augen über den schwarzgefärbten Fluss."

Außerdem erkannte man bald, dass der „stahlharte Drachen mit den sprühenden Augen“ nicht nur ein Nahverkehrssystem, sondern auch eine Touristenattraktion sondergleichen war. Wuppertal führt die Schwebebahn im Stadtwappen.

Fast zwei Milliarden Fahrgäste hat die Schwebebahn seit dem 1. März 1901 transportiert. Zwei Milliarden Menschen und einen Elefanten. Tuffi hieß das Tier, das 1950 zu Werbezwecken mitfahren sollte – dies aber nicht wirklich wollte: schon nach kurzer Fahrt durchbrach der Elefant die Seitenwand, sprang ins Freie und landete in der Wupper. Das brachte ihm eine Schramme und der Wuppertaler Schwebebahn weltweite Berühmtheit ein.

Autor: Ramon Garcia-Ziemsen
   
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