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20.10.1968: "Jackie" heiratet Onassis
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Genauso hatte sich Onassis diesen Tag vorgestellt: Auf seiner Luxusyacht genießt er den Triumph. Die Welt empört sich über ihn, Paparazzi belagern ihn. Sollen sich doch alle die Mäuler zerreißen. Er und kein anderer würde die schöne Jackie Kennedy heiraten, die berühmteste Witwe der Welt gehörte ihm, dem griechischen Millionär Aristoteles Onassis.

"Arbeit war für ihn aufregender als Sex, aber er hatte eine Menge Sex, (...) er war ziemlich hinter Frauen her", weiß der Onassis-Biograf Peter Evans.

Spätestens seit dieser Hochzeit ist klar, der Tankerkönig kann für Geld alles kaufen, sogar Präsidentenwitwen. Frauen, sagt Onassis dazu, sind zum Vergnügen da; entweder sind die berühmten gut fürs Geschäft oder gut fürs Ego.

Als Onassis Jackie heiratet, ist er 62 Jahre alt und sie 13 Jahre jünger als der nur 1,65 Meter große Grieche, der reichste Mann der Welt, Mittelpunkt der Society, einer der sich nimmt was er will, skrupellos und rücksichtslos. Das ist gleichbedeutend mit Geld, Macht und Sex.

Auf seiner Yacht "Christine" lebt und arbeitet Onassis. Er mag keine Büros, sie sind für den Lebemann ungeeignet. Am liebsten reist er ohne Gepäck und ohne Bargeld, ein Telefon und sein braunes Notizbuch reichen aus. Er bringt es zum reichsten Reeder der Welt:

"Erfolg ist von vielen Dingen abhängig. Das Wichtigste sind harte Arbeit, viel Nachdenken und eine Portion Glück."

Onassis lernt die First Lady Jacqueline Kennedy kennen, als sie ihn 1963 nach Geburt und Tod ihres dritten Kindes zwei Wochen zur Erholung auf seiner Yacht besucht. Auf seiner Yacht sind nun mal die Schönen und Reichen zu Hause: Liz Taylor, Sir Winston Churchill oder Greta Garbo. Onassis lebt Luxus pur.

"Ob das Spaß macht Millionär zu sein? Natürlich ist das angenehm. Es hat Vor- und Nachteile, wie alles. (...) Reich zu sein ist wie ein bisschen Husten, man kann es nicht verstecken. Und wenn die Leute es merken, bekommt ma ein Problem."

Mit 16 Jahren betritt Onassis zum ersten Mal griechischen Boden. Geboren und aufgewachsen ist er in Smyrna in der Türkei. Als die Türken 1922 während des griechisch-türkischen Krieges sein Elternhaus niederbrennen und seine halbe Verwandtschaft vor seinen Augen töten, flieht er. Noch im gleichen Jahr wandert er nach Südamerika aus. Mit Tabakhandel erwirbt er sich in Brasilien und Argentinien seine erste Million.

Den Grundstock zu seinem späteren Riesenvermögen legt er in den 1930er Jahren. Er kauft von einer kanadischen Reederei sechs Schiffe zu einem Zehntel des eigentlichen Wertes. 1935 steigt er ins Tankergeschäft ein und während des Zweiten Weltkrieges fährt er gegen hohe Frachtraten für die Alliierten und verdient Millionen. 1946 heiratet er Athina Livanos, Tochter eines bedeutenden griechischen Reeders. Mit ihr hat er zwei Kinder: Sohn Alexander und Tochter Christina. Doch diese Ehe ist nur nach außen glanzvoll, er ist der Vater der Kinder - nicht mehr.

Eine andere Frau hat es dem Tankerkönig und Millionär angetan: Maria Callas. Die ganze Welt liegt der griechischen Sopranistin zu Füßen. Er will sich nicht in die Schar der Bewunderer einreihen. Er will sie haben und alle Welt soll es wissen. 1959: Die Callas ist in London. Es ist das Opernereignis des Jahres und Onassis will sie erobern. Die Callas fängt Feuer und erliegt ihm. Seine Ehe mit Athina wird ein Jahr später geschieden. Maria Callas ist bereits seine Geliebte. Der Onassis-Biograf Peter Evans beurteilt Onassis Eroberung zynisch:

"Ihr Ruhm war wichtig für ihn. Andere sammelten Kunstgegenstände, Onassis eroberte die berühmteste Opernsängerin. Sie war eine seiner Anschaffungen."

Neun Jahre begleitet die Callas Onassis auf seinen Wegen. Sie widmet sich der Kunst, er dem Business. Doch seine Geschäfte waren auch umstritten. Immer wieder gerät er mit den Gerichten in den Vereinigten Staaten ins Gehege. Er führt zahlreiche für ihn ungünstig endende Prozesse. Währenddessen mutiert die ehemalige First Lady zur Gralshüterin eines Amerika nach der Ermordung ihres Mannes John F.

Onassis entwickelt wieder seinen Jagdinstinkt: die Ikone Jackie Kennedy. Die Öffentlichkeit ist schockiert, als Jackie fünf Jahre nach dem Trauermarsch von Arlington nicht etwa einen politischen Hoffnungsträger oder wenigstens irgendeinen ansehnlichen Aristokraten heiratet, sondern ausgerechnet Aristoteles Onassis, diesen kurzbeinigen Tanker-Tycoon, der für nichts steht außer Geld und derbe Worte. "Amerika hat eine Heilige verloren", titelt damals die Boulevard-Presse. Und so beschreibt auch der griechische Journalist Dimitris Limberopoulos die Rolle der Grande Dame:

"Jackie war für die Amerikaner eine Heilige, eine Ikone. Onassis hat die Ikone von der Wand gehängt und aufs Bett geworfen."

Noch vor der geplanten Scheidung und bevor er sie rechtswirksam enterben kann, stirbt Onassis 1975 im Alter von 69 Jahren in Paris an einer Lungen- und Bronchien-Infektion. Jackie stirbt 1994 an Krebs.

Autorin: Doris Bulau
   
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