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22.10.1962: Kennedys Kuba-Ultimatum
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Im Oktober 1962 stand die Welt für kurze Zeit am Rande eines Atomkrieges. Amerikanische Aufklärungsflugzeuge hatten sowjetische Mittelstreckenraketen auf Kuba entdeckt. Mit einer Reichweite bis zu 1800 km hätten sie den gesamten Südosten der USA einschließlich New Orleans, Houston, St. Louis und sogar Washington treffen können. Weitere Raketenbasen wurden auf Kuba vorbereitet.

Luftaufnahmen ließen keinen Zweifel daran, dass die Russen fieberhaft bestrebt waren, die Stellungen einsatzfähig zu machen. Am 22. Oktober setzte der amerikanische Präsident Kennedy in einer dramatischen Fernsehansprache die Weltöffentlichkeit von der Existenz der sowjetischen Raketen in Kenntnis.

Kennedy: "Im Laufe der letzten Woche hat es sich als völlig unzweifelhaft erwiesen, dass eine Reihe offensiver Raketenrampen auf dieser in Gefangenschaft geratenen Insel vorbereitet werden. Diese Stützpunkte können keine andere Aufgabe haben, als ein nukleares Angriffspotential gegen die westliche Hemisphäre zu schaffen."

Noch am selben Tag verhängten die USA eine Seeblockade gegen die Insel; Kennedy setzte dem sowjetischen Staats- und Parteichef Chruschtschow ein Ultimatum. Er forderte ihn auf, die Rampen sofort abzubauen, die Raketen zurückzutransportieren und keine weiteren Offensivwaffen nach Kuba zu bringen. Washington erinnerte seinen Gegenspieler daran, dass eine direkte bewaffnete Invasion folgen würde, sollte die Blockade ihr Ziel nicht erreichen.

Kennedy: "Diese hastige Umwandlung Kubas in eine wichtige strategische Basis durch die Bereitstellung dieser offensiven Massenvernichtungswaffen bedeutet eine klare Bedrohung des Friedens und der Sicherheit des amerikanischen Kontinents. Weder die Vereinigten Staaten von Amerika noch die Gemeinschaft der Völker der Welt kann bewusste Irreführung und offensive Drohungen von Seiten irgendeiner Nation -groß oder klein- dulden."

Jedes Hineingeraten eines sowjetischen Schiffes in diesen Blockadering konnte den Krieg zwischen den beiden atomaren Weltmächten auslösen. Der Generalsekretär der Uno Thant bot seine Vermittlung an. Nur durch besonnenes Krisenmanagement beider Seiten wurde eine militärische Auseinandersetzung vermieden.

Am 28. Oktober lenkte Chruschtschow ein. Die Raketen wurden abgezogen und Inspektionen der Uno gestattet. Kennedy hatte zugesichert, keine weiteren Invasionsversuche wie die missglückte Schweinebuchtinvasion 1961 auf Kuba zu unternehmen. Außerdem garantierte er in geheimer Absprache, die amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei abzuziehen.

Die Kuba-Krise gilt als die größte außenpolitische Bewährungsprobe der Kennedy-Administration. Nicht nur in den USA, auch von den meisten anderen westlichen Staaten wurden diese militärischen Vorbereitungen zu jener Zeit als kriegerische Provokation empfunden. Die gesamte Staatengemeinschaft reagierte erleichtert auf das Ende der Krise. Der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt, als einer vom Kalten Krieg besonders betroffenen Stadt , sagte in einer Erklärung vor dem Berliner Abgeordnetenhaus zur Kubalage:

"Wir alle hoffen, dass der Friede erhalten bleibt, dann wird auch dieser Stadt nichts geschehen. Durch die nervliche Belastung dieser Tage und Wochen können und müssen wir mit Ruhe und Gelassenheit hindurchgehen Wenn überlegte Festigkeit dem Frieden dient - und davon bin ich überzeugt - dann wird uns diese Krise, die nach dem sowjetischen Verhalten nicht mehr zu vermeiden war und in der der Westen das Gesetz des Handelns nicht anderen überlassen hat, dann wird uns diese Krise dem Frieden näher bringen."

Diese Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion schärfte das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Entspannungspolitik. Bis zur letzten Minute hatte die Möglichkeit eines Nuklearkrieges bestanden. In Ost und West wurden dadurch die Risiken eines unkontrollierten Wettrüstens und einer ungebremsten Machtrivalität erkannt. Als Folge wurde im Sommer 1963 der "Heiße Draht" zwischen Moskau und Washington installiert. Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion vereinbarten ein Verbot von Kernwaffentests. Mit der Beendigung der Kuba-Krise hatte der Kalte Krieg seinen Höhepunkt überschritten.

Autorin: Nicole Engelbrecht
   
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