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2.11.1896: Erste Autoversicherung
Erstmalig konnten die Briten am 2. November 1896 eine Kraftwagenversicherung abschließen. Für zwei Pfund Beitrag leistete die Londoner "General Accident Corporation" ihren Mitgliedern Schadenersatz bei Unfällen. Allerdings startete die erste Autoversicherung bereits mit einer Ausnahmeregelung: keine Versicherungsleistungen gab es bei den fast täglich geschehenden Unfällen wegen scheuender Pferde.

1899 bot der Stuttgarter Verein die erste Haftpflicht-, Unfall- und Karambolage-Versicherung für Kraftfahrzeuge an. Die Einführung der Zwangshaftpflicht für Automobile 1909 wurde von der Lobby der Autofahrer bis zu ihrem Inkrafttreten 1940 blockiert, die "ordentlichen" Fahrer wollten nicht für die Schäden "skrupelloser Wildlinge" aufkommen.

Durch die Schadenträchtigkeit des Vehikels Auto, besonders aber durch die Prämienunterbietung der Versicherungsgesellschaften wurde die KFZ-Versicherung in Deutschland schnell zum Verlustgeschäft. Daher kam es schon früh, bereits 1906, zum "Automobilversicherungs-Verband", die enormen Schadenssummen des Versicherungszweiges wurden auf mehrere Schultern verteilt. Es kehrte Ruhe auf dem KFZ-Versicherungsmarkt ein, durch den Schadenfreiheitsrabatt und die einheitliche Berechnung der Haftpflichttarife nach PS und kW, wurden die Kunden an ihre Versicherung gebunden.

Mit der Einheitlichkeit der KFZ-Policen ist es seit der Deregulierung des EU-Binnenmarktes Mitte 1994 jedoch vorbei. Zwar ist die seit 1996 bestehende Beitragsbemessung in der Haftpflicht nach Typklassen anstelle der PS-Zahl für alle Autoversicherer verbindlich, bei der Neueinstufung aber werden häufig so saftige Tarife angesetzt, dass treue Kunden erbost zu anderen Anbietern wechseln.

Der Grund für die Beitragsanhebung ist neben wachsender Schadenshäufigkeit und Schadensaufwand wiederum die Deregulierung des Versicherungsmarktes. Seitdem die Autoversicherer ihre Bedingungen frei gestalten können, tobt der Kampf um Kunden mit einer Vielzahl von Rabatten, die über eine generelle Tarifanhebung finanziert werden müssen.

Inzwischen haben die rund 120 deutschen KFZ-Versicherer einen wahren Rabattdschungel geschaffen. Die unterschiedlich geschnürten Pakete enthalten zum Beispiel Nachlässe für Frauen, für Singles, für Familien mit minderjährigen Kindern, für Wenigfahrer, für Garagenparker. Doch Vorsicht: wer Kleingedrucktes nicht beachtet, fährt unter Umständen teurer als ohne Rabatt. So erheben manche Anbieter einen ganzen Jahresbeitrag als Strafe, wenn ein Wenigfahrer die Kilometergrenze überschreitet.

Internetnutzer können auf Versicherungsvergleiche der Verbraucherorganisationen zurückgreifen, beispielsweise über "Yahoo", Suchwort: Versicherungsvergleich. Michael Adler, Geschäftsführer der Verkehrsclub Deutschland Umwelt und Verkehrsservice GmbH (kurz: VCD), gibt dabei zu bedenken:

"...man muss dann halt den Mann, 45 Jahre, Familienvater, zwei Kinder, in Bonn, weil auch je nach Region, wo der Fahrer lebt, gibt es mehr Schäden, gibt es mehr Diebstähle oder weniger Schäden und weniger Diebstähle, also man muss dann genau dieses Individuum für die eine Versicherung und für die andere Versicherung vergleichen, sonst läuft man Gefahr, Äpfel mit Birnen zu vergleichen und dann auch die falsche Versicherung für sich abzuschließen."

Wie zu erwarten verhalf die Liberalisierung des Versicherungsmarktes auch ungewöhnlichen Angeboten zum Bestehen. Die KFZ-Police "Cool" der Rheinlandversicherungen enthält eine Spende zur Wiederaufforstung in Panamas Regenwald. Eine Änderung des Mobilitätsverhaltens wird dadurch aber nicht bewirkt, sinnvoller scheint die vom VCD angebotene "erste ökologische KFZ-Versicherung", der sogenannte Eco-Club.

Michael Adler: "Wir haben jetzt eine Versicherung kreiert, die eben die ökologische Qualität des Autos bewertet. Je ökologischer ein Fahrzeug ist, desto billiger wird die Versicherung (...) ein Rabatt, könnte man jetzt sagen, der noch auf all die anderen Rabatte oben drauf kommt, aber aus Umweltsicht eben schon sehr sinnvoll, weil damit ökologisches Kaufverhalten belohnt wird."

...und für die Versicherer sinnvoll, weil ein schwächer motorisiertes Auto defensiver gefahren wird. Satte 15 Prozent Rabatt erhält der "Lupo" von VW. Nach den beiden Bewertungskriterien CO2- und Schadstoffemission steht er einsam an der Spitze der VCD-Auto-Umweltliste.

Sparsamere und schadstoffärmere Autos, so Michael Adler, seien ein Ansatzpunkt, Tempolimits der andere. Vom geänderten Fahrverhalten, meint er, profitiere nicht nur die Umwelt, auch für die Autoversicherer sei dies die Chance, durch sinkende Schadenshäufigkeit und -aufwände aus den roten Zahlen heraus zu kommen. Dass mit den Tempolimits auch die Pferde auf deutsche Straßen zurückkommen, steht indes nicht zu befürchten.

Autorin: Stefanie Gsell
   
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