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14.11.1922: BBC gegründet
Am 14. November 1922 saß die ganze Nation gebannt unter Kopfhörern an merkwürdig aussehenden Geräten, um Zeuge einer ungeahnten Sensation zu werden: Töne, die mittels eines dünnen Drahtes, der auf ein Kristall ausgerichtet wurde, unmittelbar in die Ohren drangen. Die British Broadcasting Company, später British Broadcasting Corporation genannt, hatte das Licht der Welt erblickt.

Nun, die ganze Nation war es vielleicht nicht; aber immerhin hatten an diesem 14. November schon mehr als eine Million Haushalte im Vereinigten Königreich eine Rundfunklizenz zu zehn Schilling erworben, um bei diesem denkwürdigen Ereignis dabei zu sein.

Geistiger und Gründervater der Company, der BBC, war John Reith, später Lord Reith. Seine Vision eines Rundfunks, der erziehen, informieren und unterhalten sollte, wurde in den Jahren und Jahrzehnten danach vielfach imitiert, aber wohl nie übertroffen. Jener Lord Reith, so geht das Gerücht, ließ bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Damen und Herren der Redaktionen mit dem Anbruch der Dunkelheit in Abendkleid und Dinner Jacket im Broadcasting House zur Arbeit antreten - obwohl das seine volle Wirkung wohl eher im Fernsehen gehabt hätte, einem Medium, das die BBC allerdings auch schon 1936 im Alexandra Palace startete, wenn auch nur für einige tausend Londoner, die sich ein Fernsehgerät für 100 Guineas leisten konnten.

Bereits vier Jahre zuvor hatte die BBC ihren globalen Anspruch angemeldet: der Empire Service begann seine Sendungen in englischer Sprache. Zum World Service wurde er kurz vor dem Kriegsausbruch, als die BBC Sendungen in Französisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch einführte, die zu diesem Zeitpunkt allerdings primär für das von Nazideutschland bedrohte Europa gedacht waren.

Eine über Großbritannien hinausreichende Bedeutung erreichte die BBC in dem vom Dritten Reich entfachten Weltkrieg. Die Bevölkerung der besetzten Länder, aber auch die Deutschen selbst, soweit sie die mit dem Abhören von Feindsendern bis zur Todesstrafe gehenden Risiken eingehen wollten, konnten sich ein ungeschminktes Bild von der Kriegslage machen. Die BBC verschwieg weder die Siege noch die Niederlagen der eigenen wie der anderen Seite, was den Reichsminister für Propaganda Dr. Josef Goebbels, der es mit der Wahrheit weniger genau hielt, am Ende zu dem Eingeständnis zwang, dass die BBC die intellektuelle Invasion Europas gewonnen habe.

Der Fernsehdienst der BBC war am 1. September 1939 eingestellt worden. Am 2. Juni 1953 Begann mit der Übertragung der Krönung von Königin Elisabeth II. in der Westminster Abbey das Fernsehzeitalter wirklich. In Großbritannien erreichte die Fernsehdichte gegen Ende des Jahrzehnts 95 Prozent der Haushalte.

Aber auch der Rundfunk der BBC feierte in den 1950ern und danach Triumphe. Für Kenner unerreicht blieben Comedy-Radiosendungen wie "That was the Week that Was" oder "I'm Sorry, I'll Read That Again". International weitaus berühmter, um nicht zu sagen berüchtigter sind bis heute die Anarchohumorserien des BBC-Fernsehens wie "Monty Python's Flying Circus" oder "Fawlty Towers". Es ist allerdings mehr als fraglich, ob Lord Reith dieses Treiben goutiert hätte.

Zu Hause wie in der Welt wuchs inzwischen der Wettbewerb. Das Vordringen kommerzieller Einflüsse in den elektronischen Medien, die Reith und andere BBC-Generaldirektoren ablehnten oder gar verachteten, zwang Auntie, die alte Tante BBC, sich mit eben solcher Konkurrenz auseinanderzusetzen, was ihr allenfalls nur partiell gelang. Denn die Vision, erziehen, informieren und unterhalten zu wollen, kann auf Dauer nur dann gelingen, wenn sich die Konkurrenz auch daran hält.

Doch trotz aller Kompromisse, die die BBC in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, bleibt ihr Ruf ungebrochen, ihre Stellung als nationale Institution im Vereinigten Königreich unerschüttert und ihr internationales Ansehen weiter unerreicht.

Autor: Dieter Wernig
   
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